Berlin
Personaldebatte in der Union: Generationenwechsel ist kein Zukunftsplan
Der Ruf der Jungen Union nach einem Generationenwechsel in der CDU ist ja berechtigt. Aber der Nachwuchs muss sich auch an die eigene Nase fassen.
Der Parteitag der Jungen Union, genannt „Deutschland-Tag“, war schon immer ein Seismograf für die Stimmung in der Union. Angela Merkel hatte hier schon schwierige Auftritte. Nach der Schlappe bei der Bundestagswahl dürften sich die Partei-Granden von Laschet bis Spahn hier an diesem Wochenende einiges anhören müssen. Wohl auch deshalb hat CSU-Chef Markus Söder Vorkehrungen getroffen - und kurzfristig abgesagt. Wo, wenn nicht bei der Jungen Union, dürfte der Führung der Ruf nach einem Generationenwechsel lauter entgegenschallen? Auch Söder gehört mit 54 Jahren nicht mehr zur jungen Garde.
Jugend ist noch kein Erfolgskonzept
Doch die jetzt allzu gern vorgetragene Formel „jünger, weiblicher, diverser“ greift zu kurz - und ist allein noch kein Erfolgsgarant für die Zukunft der Partei. Wo die Zugehörigkeit zu Geschlecht, Milieu oder Altersgruppe zum entscheidenden Auswahlkriterium wird, bleiben Profil und Kompetenz gern mal auf der Strecke. Gerade die Junge Union muss sich mit Blick auf ihren gern zur Schau getragenen Fan-Kult um den schillernden österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz selbst hinterfragen. Popularität und Schneid bis hin zum gelegentlichen Populismus haben in Österreich nicht funktioniert - und können für eine bürgerliche CDU in Deutschland kein Zukunftskonzept sein. Auch die Junge Union muss sich erneuern, denn FDP und Grüne haben bei den Erstwählern die Nase vorn gehabt.