Politik

Neue Stadtbaurätin findet Aurich „unglaublich schön“

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 14.10.2021 21:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Alexandra Busch-Maaß (links) ist zur Stadtbaurätin von Aurich gewählt worden. Die ersten Gratulanten waren die Ratsvorsitzende Almut Kahmann und Bürgermeister Horst Feddermann. Fotos: Luppen
Alexandra Busch-Maaß (links) ist zur Stadtbaurätin von Aurich gewählt worden. Die ersten Gratulanten waren die Ratsvorsitzende Almut Kahmann und Bürgermeister Horst Feddermann. Fotos: Luppen
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100 Prozent Zustimmung: Mit viel Rückenwind aus dem Rat startet die neue Stadtbaurätin von Aurich, Alexandra Busch-Maaß. Für den Gänsehaut-Moment des Abends sorgte jedoch ein anderer.

Aurich - Die Stadt Aurich hat eine neue Stadtbaurätin. Alexandra Busch-Maaß aus Oldenburg ist am Donnerstag einstimmig vom Rat gewählt worden. Voraussichtlich zum 1. Januar tritt die 49-Jährige ihren Dienst in Aurich an. Das müsse noch mit Busch-Maaß‘ jetzigem Arbeitgeber, dem Staatlichen Baumanagement Ems-Weser, geklärt werden, sagte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) im Gespräch mit dieser Zeitung. „Von Behörde zu Behörde.“ Busch-Maaß ist Nachfolgerin von Fachbereichsleiterin Irina Krantz, die zum 1. Oktober als Stadtbaurätin nach Emden gewechselt war.

Die künftige Stadtbaurätin war in Begleitung von Mann und Sohn nach Aurich gekommen. Sie freue sich „total“ über den Vertrauensvorschuss, sagte Busch-Maaß nach der Ratssitzung im Gespräch mit der Redaktion. „Fühlt sich gut an.“ Die Stellenausschreibung habe sie sofort angesprochen. „Aurich ist für mich eine unglaublich schöne und spannende Stadt, weil sie so viel historisches Potenzial hat.“ Das Schloss und der Marstall seien Schmuckstücke, aber auch die Struktur mit den Wallanlagen sei reizvoll. Welche Schwerpunkte sie in ihrer Arbeit setzen werde, dazu könne sie noch nichts sagen. Sie wolle sich zunächst orientieren und die neuen Kolleginnen und Kollegen kennenlernen.

Ihr Hobby ist Urban Sketching

Busch-Maaß, die gebürtig aus Vechta stammt, ist Architektin und Baudirektorin. Seit 2007 arbeitet sie in der niedersächsischen Bauverwaltung. Derzeit ist sie kommissarische Leiterin des Staatlichen Baumanagements Ems-Weser, das mehr als 3700 Bauwerke betreut, unter anderem in Aurich. Auch aus dieser Tätigkeit kennt sie die Stadt. Die 49-Jährige spielt E-Bass in einer Band. Als weitere Hobbys nennt sie Radfahren und Urban Sketching, eine besondere Art des Zeichnens, bei dem es meist um Stadtansichten geht.

Die Stadt Aurich hat die Stelle aufgewertet. Busch-Maaß ist im Unterschied zu ihrer Vorgängerin Wahlbeamtin und verdient deutlich mehr. Sie wird nach der Besoldungsgruppe B 3 bezahlt (rund 8400 Euro monatliches Grundgehalt). Der neue Rat muss in seiner ersten Sitzung im November der Änderung des Stellenplans noch zustimmen, damit die Stadtbaurätin ernannt werden kann. Sie ist für acht Jahre gewählt.

„Vom Motorrad in den Rollstuhl“

Der noch amtierende Rat kam am Donnerstag zum letzten Mal zusammen. Für den Gänsehaut-Moment des Abends sorgte der Ratsherr Hendrik Siebolds (Die Linke), der dem Rat seit 30 Jahren angehört und überraschend die Wiederwahl verpasst hatte. Er verabschiedet sich jedoch nur vorübergehend. Sein Fraktionskollege Reinhard Warmulla macht nach Ablauf der halben Wahlperiode, also in zweieinhalb Jahren, Platz für Siebolds, damit dieser nachrücken kann. Über den Rückkehrplan sagte der 60-Jährige, er habe das zumindest vor.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sich das Leben von einer Sekunde auf die andere ändern kann. Vor 33 Jahren hat mich ein Autofahrer vom Motorrad in den Rollstuhl katapultiert.“ In dieser Situation habe er gelernt, was ein soziales System bedeutet. Er habe deshalb das Bedürfnis gehabt, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Das war für mich die Triebfeder, in die Politik zu gehen.“

Hendrik Siebolds, der seit einem Motorradunfall vor 33 Jahren im Rollstuhl sitzt, bekam zum Abschied eine Urkunde.
Hendrik Siebolds, der seit einem Motorradunfall vor 33 Jahren im Rollstuhl sitzt, bekam zum Abschied eine Urkunde.

An den künftigen Rat sandte Siebolds, der am Donnerstag Geburtstag hatte, zwei Bitten: „Gebt den besseren Argumenten eine Chance – egal, von wem sie kommen.“ Und: „Bitte denkt zuerst an die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Helft denen, die es brauchen. Die Starken schaffen es alleine.“ Das war der Moment, in dem viele in der Stadthalle schlucken mussten. „Wir hätten doch Taschentücher verteilen sollen“, sagte die Ratsvorsitzende Almut Kahmann (SPD), die nach 15 Jahren Abschied von diesem Amt nimmt. Ihr Fazit: „So sehr wir uns auch gezofft haben, wir konnten uns hinterher immer in die Augen sehen. Es war eine tolle Zeit.“

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