Osnabrück
Hohe Heizkosten: Kalter Winter für Hunderttausende von Menschen?
Die Inflation trifft jeden, aber nicht jeden gleich hart. Der Sozialverband VdK Deutschland warnt vor einem kalten Winter für Hunderttausende von Menschen mit wenig Geld - und fordert gezielte Hilfen.
Angesichts der nahenden kalten Jahreszeit warnt der Sozialverband VdK Deutschland dringend vor drastischen Auswirkungen der steigenden Energiepreise. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte unserer Redaktion: „Schon im Jahr 2019 konnten es sich zwei Millionen Menschen nicht leisten, ihre Wohnungen richtig zu heizen. Das zeigt: Die Energiepreisentwicklung ist für Menschen mit geringem Einkommen und auch für Grundsicherungsempfänger ein riesiges Problem.“
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Die Bundesregierung, so Bentele weiter, müsse darum dringend einen sozialen Ausgleich schaffen: „Zum Beispiel, indem sie die tatsächlichen Energiepreise bei der Berechnung des Wohngeldes berücksichtigt und entsprechend jährlich anpasst.“ Auch für Grundsicherungsempfänger müsse sichergestellt sein, dass die stark gestiegenen Strom - und Energiekosten ausgeglichen werden. „Außerdem sollte es für sie und andere einkommensschwache Gruppen Einmalbeihilfen für die Anschaffung von stromsparenden Elektro-Großgeräten geben.“
4,1 Prozent Inflation im September
Die Inflation in Deutschland hat erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die Vier-Prozent-Marke übersprungen. Die Verbraucherpreise stiegen im September verglichen mit dem Vorjahresmonat um 4,1 Prozent. Gründe dafür waren vor allem höhere Energiekosten und die nach der Senkung im vergangenen Jahr wieder angehobene Mehrwertsteuer.
Im Jahr 2019 lebten rund 2,0 Millionen Personen in Deutschland in Haushalten, die ihre Wohnung oder ihr Haus aus finanziellen Gründen nicht angemessen warmhalten konnten. Das waren 2,5 Prozent der Bevölkerung, so das Statistische Bundesamt. Alleinlebende und Haushalte von Alleinerziehenden waren diesen Angaben zufolge am häufigsten betroffen. Rund 4,8 Prozent der Alleinlebenden sowie 7,0 Prozent der Personen in Alleinerziehenden-Haushalten konnten aus Geldmangel nicht angemessen heizen.
Harzt-IV- und Grundsicherungsempfänger sind nach den Worten von VdK-Präsidentin Bentele aktuell zudem überdurchschnittlich stark von den steigenden Lebensmittelpreisen betroffen. „Schon bisher war es für sie kaum möglich, sich von dem für Lebensmittel vorgesehenen Betrag von etwa fünf Euro pro Person gesund und ausgewogen zu ernähren.“ Bei den aktuellen Preisen sei das nun vollends ausgeschlossen. Der VdK fordere daher, die Mehrwertsteuer auf frische Lebensmittel generell abzuschaffen. „Das würde Menschen in Grundsicherung aber auch allen anderen mit geringen Einkommen helfen.“