Emden/Osnabrück
Spekulation um Jobabbau: So reagiert man in den VW-Werken in Osnabrück und Emden
Drastischer Stellenabbau bei VW? Ein Bericht hat zu viel Diskussionen geführt. Warum die Betriebsräte in Osnabrück und Emden gelassen bleiben.
Es ist ruhig vor dem Volkswagen-Werk in Emden an diesem Mittwochnachmittag. Es herrscht wenig Verkehr, noch ist kein Schichtwechsel. Manfred Wulff steht fast gelassen vor dem Werkstor, hinter dem die Anlaufvorbereitungen für den Volkswagen ID.4 auf Hochtouren laufen, der ab 2022 in Ostfriesland gebaut wird.
Wulff ist Betriebsratsvorsitzender am Standort. Sorgenfalten auf seiner Stirn sucht man vergebens - obwohl laut einem Bericht des Handelsblatts, der an diesem Morgen erschienen ist, VW-Vorstandsvorsitzender Herbert Diess in einer Aufsichtsratssitzung im September ins Spiel gebracht haben soll, dass 30.000 Arbeitsplätze in der Kernmarke Volkswagen dem Transformationsprozess des Konzerns zum Opfer fallen könnten. Das wäre immerhin jeder vierte Job. Die Konzernspitze hat mittlerweile dementiert: Ein großer Jobabbau sei kein Thema
Spekulationen führen zu Diskussionen
Dennoch haben die Spekulationen zu Diskussionen geführt - auch an einem der kleinsten VW-Standorte in Osnabrück. Die Auslastung und damit auch die Effizienz und Produktivität des Werkes ist seit Langem ein Thema. Aktuell wird das T-Roc-Cabriolet in Osnabrück produziert. 17.800 sollen es bis Ende des Jahres sein. Hinzu kommt seit September die Endmontage des Arteon Shooting Brake, der in Emden produziert wird.
„Dass wir langfristig eine Sicherung des Standorts Osnabrück brauchen, ist länger bekannt. Hier sind wir in Gesprächen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Gerhard Schrader unserer Redaktion. Dem pflichtet auch IG Metall Bevollmächtigter Stephan Soldanski bei: „Die wichtigen Weichenstellungen für den VW-Konzern werden jetzt und in den kommenden Jahren getroffen.“ Als Gewerkschaft setze man sich dafür ein, dass der relativ kleine Standort Osnabrück mit allen Beschäftigten dabei sei.
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Keine Angst vor Stellenabbau in Osnabrück
Sorge vor einem Stellenabbau in Osnabrück hat Schrader trotz aller Diskussionen nicht. „Der Standort Osnabrück hat für seine Produkte Kunden“, betont er. Und Soldanski ergänzt: Das Werk könne auch in einer digitalisierten Welt wettbewerbsfähig sein und marktführende Produkte entwickeln und produzieren. Da schließt sich für ihn der Kreis zum Personal: „Hierzu brauch es zwingend kluge Köpfe und qualifiziertes Personal.“
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In dieser Hinsicht kann Betriebsratschef Manfred Wulff in Emden möglicherweise noch entspannter in die Zukunft blicken. Am Standort investiert Volkswagen derzeit mehr als eine Milliarde Euro in die Transformation des Werkes hin zu einem Elektrostandort. „Wir diskutieren aktuell über einen temporären Mehrbedarf an Mitarbeitern für die Zeit, in der sowohl konventionell- also auch rein elektrisch-betriebene Fahrzeuge hier in Emden gebaut werden“, macht Wulff die aktuelle Lage deutlich. Das stehe eindeutig im Gegensatz zu den mutmaßlichen Jobabbauplänen von Konzernchef Diess.
Problem der Standorte: Teile für die Produktion fehlen
Und auch eine Werkssprecherin ergänzt auf Nachfrage: „Mit der Transformation des Standortes zum ersten E-Werk in Niedersachsen und der damit verbundenen Investition haben wir die Chance Arbeitsplätze langfristig abzusichern und das Werk Emden zukunftssicher aufzustellen.“ Im eingeschwungenen Zustand werden man mit dem verfügbaren Personal am Standort auskommen.
Trotz all dieser positiven Vorzeichen habe der Bericht über einen möglichen drastischen Stellenabbau im Konzern bei dem einen oder anderen Kollegen jedoch am Morgen zu Verunsicherung geführt, gibt Wulff zu. Am späten Nachmittag war davon vor den Werkstoren jedoch schon nichts mehr zu merken.
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Erneut Kurzarbeit im VW-Werk in Emden
Und Wulff betont ebenso wie Gerhard Schrader: An Kunden für VW-Fahrzeuge mangele es zurzeit nicht. „Das ist nicht das Problem. Das Problem sind fehlende Elektroteile für die Produktion“, sagt der Osnabrücker Betriebsratsvorsitzende.
Während in Osnabrück trotz der allgemeinen Probleme am Markt produziert werden kann, werden die Mitarbeiter in Emden ab kommender Woche jedoch für eine Woche in Kurzarbeit gehen. Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr, mittlerweile haben sich aufgrund fehlender Teile mehr als 50 Kurzarbeitstage summiert, so Wulff. Wann sich die Situation bessert, sei nicht abzuschätzen. Und auch eine Werkssprecherin betont: „Zusätzliche kurzfristige Produktionsanpassungen sind aufgrund der weiterhin angespannten Versorgungslage zudem nicht ausgeschlossen.“