Weltenbummler

Umweltaktivist sagt Weener auf Wiedersehen

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 13.10.2021 20:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn Jürgen Sattler mit dem Wohnmobil unterwegs ist, ist die "pacifico" nicht nur in der Erinnerung mit dabei. Ein Bild vom früheren Tierschutzschiff prangt an der Beifahrertür des Fahrzeugs. Foto: Gettkowski
Wenn Jürgen Sattler mit dem Wohnmobil unterwegs ist, ist die "pacifico" nicht nur in der Erinnerung mit dabei. Ein Bild vom früheren Tierschutzschiff prangt an der Beifahrertür des Fahrzeugs. Foto: Gettkowski
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Zehn Jahre lang hatte Jürgen Sattler seinen ersten Wohnsitz auf der Yacht „pacifico“ in Weener. Eigentlich wollte er damit die Weltmeere bereisen. Das klappt nicht, jetzt kommt Plan B.

Weener - Für viele Urlauber und Einheimische gehören Jürgen Sattler und seine Segelyacht „pacifico“ schon genauso zum Hafen von Weener wie die Skulptur der Törfwieven. Doch nun heißt es Abschied nehmen. Seinen größten Lebenstraum, im Ruhestand mit dem Schiff Freunde in aller Welt zu besuchen, kann er aus gesundheitlichen Gründen nicht verwirklichen. Stattdessen setzt er nun Plan B um: Sattler will mit dem Wohnmobil durch Europa reisen. Das erleichtert es ihm, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das Leben auf dem Wasser nun Vergangenheit ist.

Was und warum

Darum geht es: Eigentlich wollte Jürgen Sattler mit der Segelyacht „pacifico“ im Ruhestand die Weltmeere bereisen. Jetzt hat er das Schiff verkauft. Stattdessen geht er mit dem Wohnmobil auf Tour.

Vor allem interessant für: Weeneraner und alle, die in der Vergangenheit die Aktivitäten des Tierschutzschiffs verfolgt haben.

Deshalb berichten wir: Ein bekanntes Gesicht und ein Schiff, das im Hafen häufig für Aufmerksamkeit gesorgt hat, verabschieden sich aus Weener.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Die Route für die Reise nach Gibraltar, die er eigentlich mit der „pacifico“ im Ruhesand unternehmen wollte, hatte Sattler schon fix und fertig ausgearbeitet. Doch dann musste er einsehen, dass er das Vorhaben nicht realisieren kann – schon gar nicht allein. Denn er und seine Frau Simone haben sich inzwischen getrennt. „Meine Arme kann ich nur noch bis zu zwei Kilogramm belasten – das sind die Spätfolgen eines Arbeitsunfalls“, erklärt er. „Hochseesegeln kann ich somit vergessen.“

Auf dem Tierschutzschiff "pacifico" im Hafen von Weener machte Jürgen Sattler auf Missstände im Tier- und Umweltschutz, wie die Haltung von Meeressäugern in Zoos und Delfinarien, aufmerksam. Foto: Gettkowski
Auf dem Tierschutzschiff "pacifico" im Hafen von Weener machte Jürgen Sattler auf Missstände im Tier- und Umweltschutz, wie die Haltung von Meeressäugern in Zoos und Delfinarien, aufmerksam. Foto: Gettkowski

Tierschutzschiff liegt noch im Hafen

Sattler hat die „pacifico“ daher an ein junges Paar aus Hamburg verkauft. „Eigentlich war die Überführung nach Kiel am vergangenen Wochenende geplant, aber die neuen Eigner, die hauptsächlich Segelerfahrung auf der Ostsee haben, hatten nicht bedacht, was es bei der Fahrt über die Ems Richtung Nordsee alles zu beachten gibt“, erklärt Sattler und nennt damit den Grund, weshalb das Schiff anders als angekündigt noch immer im Hafen von Weener liegt.

Gegen die Fällung von Bäumen am Hafen in Weener demonstrierte Jürgen Sattler ebenfalls. Foto: Gettkowski
Gegen die Fällung von Bäumen am Hafen in Weener demonstrierte Jürgen Sattler ebenfalls. Foto: Gettkowski

Ein wenig schmerzt ihn der Abschied schon, räumt Jürgen Sattler ein. Gebürtig kommt er zwar aus Mainz, er fühlte sich aber schon immer auf dem Wasser zu Hause. Als 27-Jähriger machte er an der Seefahrtschule in Leer sein Kapitänspatent für große Fahrt und war später auf Fracht- und Containerschiffen auf den Weltmeeren unterwegs. Bis zu seiner Pensionierung war er Kapitän bei der Küstenwache auf dem Zollkreuzer „Emden“. Seit 2011 war die Segelyacht „pacifico“ im Hafen von Weener nicht nur Sattlers erster Wohnsitz, sondern auch ein „Hingucker“ und Pubikumsmagnet.

Aktiv für Tier- und Umweltschutz

Mit großen Transparenten und Fotos an der Reeling machten der Umweltaktivist und seine Frau plakativ auf zahlreiche Missstände im Umwelt- und Tierschutz aufmerksam und kam dabei oft mit Einheimischen und Urlaubern ins Gespräch. Nach einem Segeltörn nach Helgoland informierten Jürgen und Simone Sattler beispielsweise über die dramatischen Folgen der Meeresverschmutzung durch Plastikmüll auf dem Lummenfelsen oder demonstrierten mit großen Bannern gegen die Haltung von Meeressäugern in Zoos und Delfinarien. In Weener organisierte Sattler mit anderen Hafenbewohner eine Demonstration, um zu verhindern, dass die EWE die Bäume und Büsche am Hafen fällt – vergeblich. Doch Jürgen Sattler lässt sich von Rückschlägen nicht entmutigen. „Wenn ich irgendwelche Missstände mitbekomme, werde ich mich weiter einmischen.“

Um zu testen, ob ihm das Herumreisen an Land liegt, baute Jürgen Sattler im vergangenen Jahr seinen Opel Corsa zu einem Miniwohnmobil um. Mehrere tausend Kilometer hat er innerhalb Deutschlands damit zurückgelegt. Foto: Gettkowski
Um zu testen, ob ihm das Herumreisen an Land liegt, baute Jürgen Sattler im vergangenen Jahr seinen Opel Corsa zu einem Miniwohnmobil um. Mehrere tausend Kilometer hat er innerhalb Deutschlands damit zurückgelegt. Foto: Gettkowski

Durch seine über Facebook und Youtube verbreiteten Aktivitäten entwickelten sich Freundschaften zu Umweltschützern in vielen Ländern. Einigen von ihnen will Sattler nun mit dem Wohnmobil einen Besuch abstatten. „Meinen ersten Wohnsitz habe ich nicht mehr auf dem Wasser, sondern bei guten Freunden in Neustadt am Rübenberge“, berichtet Sattler.

Ein letztes Mal posiert Jürgen Sattler auf dem ehemaligen Tierschutzschiff. Er hat die Segelyacht verkauft. Foto: Gettkowski
Ein letztes Mal posiert Jürgen Sattler auf dem ehemaligen Tierschutzschiff. Er hat die Segelyacht verkauft. Foto: Gettkowski

Ob ihm das Herumreisen an Land liegt, hatte der abenteuerlustige Weeneraner im vergangenen Jahr schonmal geübt und seinen Opel Corsa zu einem Miniwohnmobil umgebaut. Jürgen Sattler mag es spartanisch. Daher hat er sich auch nicht etwa ein neues Wohnmobil gekauft. „Der ist zwar schon 18 Jahre alt, aber so gut in Schuss, dass er noch 20 Jahre durchhalten kann.“

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