Logistik

Einzelhandel kämpft mit Lieferengpässen und steigenden Preisen

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 12.10.2021 19:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schon jetzt beginnen viele Menschen mit ihren Weihnachtseinkäufen. Foto:Scholz/dpa
Schon jetzt beginnen viele Menschen mit ihren Weihnachtseinkäufen. Foto:Scholz/dpa
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In 73 Tagen ist Weihnachten. Doch für manche Geschenke ist bereits Eile geboten. Schuld daran ist nicht nur die Pandemie.

Ostfriesland - Kunden im Einzelhandel müssen einer neuen Umfrage unter den Händlern zufolge mit Engpässen und höheren Preisen rechnen. 74 Prozent der befragten Einzelhändler klagten im September über Lieferprobleme, wie das Ifo-Institut in München am Dienstag mitteilte. „Manches Weihnachtsgeschenk wird vielleicht nicht lieferbar sein oder teuer werden“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.

Auch in Ostfriesland spüren die Einzelhändler die globalen Lieferengpässe. „Wegen der Pandemie sind noch immer einzelne Häfen auf der Welt dicht, Schiffe stauen sich“, berichtet Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland. „Das wirkt sich auch auf die Preise aus. Da greift ein Rädchen ins andere.“ Trotzdem warnt der Verbands-Chef vor Schwarzmalerei. Betroffen seien vor allem einzelne Branchen. „Es wird keine britischen Verhältnisse geben“, betont Doden mit Blick auf das Vereinigte Königreich, wo Verbraucher in den vergangenen Wochen vielerorts vor leeren Supermarktregalen und geschlossenen Tankstellen standen. „Aber wer seinem Kind etwa ein Fahrrad schenken möchte, sollte sich beeilen. Vielleicht ist es dafür sogar schon zu spät“, so Doden. Auch die Ifo-Umfrage sieht vor allem bei Fahrradhändlern große Lieferschwierigkeiten. In der Branche berichteten 100 Prozent aller befragten Firmen von Problemen bei ihren Bestellungen.

Vor allem Waren aus Asien betroffen

Der Einzelhandelsverband Ostfriesland rechnet trotzdem mit einem positiven Weihnachtsgeschäft. „Nach den Schließungen wegen Corona kehren die Menschen in die Innenstädte zurück“, sagt Doden. Diesen Eindruck hat auch Jan-Wilhelm Dörries von der Leeraner Kaufhaus-Kette Ceka. „Ware haben wir in jedem Fall genug“, sagt er. Er blicke optimistisch auf die anstehende Vorweihnachtszeit. „Wenn es einmal eine Lücke im Sortiment gibt, ist sie auf jeden Fall nur temporär“, betont Dörries. Nach den Geschäftsschließungen infolge der Pandemie habe im März zunächst die Blockade des Suez-Kanals in Ägypten durch einen havarierten Frachter für Verzögerungen bei Lieferungen gesorgt. In beide Richtungen stauten sich Hunderte Schiffe. Anschließend seien in Asien wegen Corona-Ausbrüchen Lockdowns verhängt worden. Das Ergebnis: „Bei der Schiffsfracht gab es exorbitante Preissteigerungen“, so Dörries. Gerade bei Import-Waren stiegen deshalb zuletzt die Preise.

Auch beim Auricher Unternehmen Rudnick, das in seinen Kaufhäusern etwa Kleidung und Möbel vertreibt, machen sich die logistischen Probleme auf dem Weltmarkt bemerkbar, wie Geschäftsführer Ludwig Rudnick erklärt. „Das geht schon seit mehreren Monaten so“, sagt er. Ob Waren verspätet eintreffen oder teurer werden, sei von der Herkunft abhängig. „Es sind vor allem Waren aus Asien betroffen“, sagt Rudnick. Bei Produkten aus Europa sei die Lage nicht sehr angespannt.

Einen besonderen Effekt spürt der Unternehmer bereits jetzt: Manche Kunden erledigen demnach ihre Weihnachtseinkäufe in diesem Jahr früher als sonst. Die im September eröffnete Weihnachtsausstellung von Rudnick sei bereits gut besucht. Trotzdem müsse sich keiner darum sorgen, am Ende mit leeren Händen dazustehen. „Es kann aber sein, dass man hier und da umsatteln muss, weil ein bestimmtes Produkt vielleicht nicht sofort lieferbar ist“, sagt Rudnick. So hätten etwa manche Elektrohersteller einzelne Geräte bereits bis auf weiteres aus ihrem Angebot gestrichen.

Mit Material von DPA

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