Hannover
Niedersachsen hält trotz Kritik an Weihnachtsmarkt-Vorgaben fest
Auch wenn der Städtetag Sturm läuft, bleibt Niedersachsen bei seinen strengen Weihnachtsmarkt-Regeln. Der Handelsverband lobt derweil die Märkte als wichtiges Signal für den Einzelhandel in den Innenstädten.
Ungeachtet der massiven Kritik des Niedersächsischen Städtetages (NST) an den Weihnachtsmarkt-Regeln hält das Land an seinen strengen 3G-Vorgaben fest. „Es gibt im Moment keinen Anlass, das nochmal anzufassen“, betonte Heiger Scholz, Leiter des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion.
Der Städtetag bezeichnet die in der vergangenen Woche in Kraft getretene Sonderregelung zu den Weihnachtsmärkten als „völlig unpraktikabel“. Für die Betreiber von Weihnachtsmärkten gibt es mehrere Möglichkeiten, den Status der Geimpften, Genesenen oder Getesteten (3G) zu kontrollieren: Das Gelände kann laut Verordnung mit zentralen Ein- und Ausgängen versehen sein. Ebenfalls können Bändchen oder Stempel als Nachweis ausreichen, die sich Besucher an einem Stand abholen. Als dritte Option muss direkt an den Ständen vom Personal kontrolliert werden.
Land überrascht von Kritik des Städtetages
Der Städtetag hält all das für „schlicht nicht umsetzbar“ und ruft das Land dazu auf, stichprobenartige 3G-Kontrollen zuzulassen und damit dem Beispiel Nordrhein-Westfalens zu folgen. Doch es sieht nicht so aus, als würde Niedersachsen sich an dieser Stelle bewegen. „Dass der Städtetag meint, wir sollten nur mal gelegentlich kontrollieren, was da passiert, finde ich schon überraschend - zumal wir uns im Vorjahr mit dem Städtetag auf viel striktere Regeln verständigt hatten“, erklärte Krisenstabsleiter Scholz.
Sorge um kleinere Weihnachtsmärkte
Auffällig ist auch, dass der Städtetag bei der Kritik an dem allerersten Verordnungsentwurf des Landes noch den Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) und den Landkreistag (NLT) an seiner Seite hatte. In einer gemeinsamer Stellungnahme hatte die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens noch betont: „Aus Sicht der Kommunen schießen die Regelungen über das Ziel hinaus.“ Nachdem das Land seine Verordnung im Nachgang aber nochmal angepasst und beispielsweise die Möglichkeit der 3G-Kontrolle direkt am Stand mit aufgenommen hat, reagiert der NLT mittlerweile deutlich zurückhaltender. „Die Regelungen zu den Weihnachtsmärkten müssen letztlich den notwendigen Infektionsschutz genauso im Blick haben wie die Umsetzbarkeit vor Ort“, sagte Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion.
Und der NSGB sorgt sich nunmehr ausschließlich um kleinen Weihnachtsmärkte. „Aus unserer Sicht können die Anforderungen insbesondere von kleinen Veranstaltern, die Weihnachtsmärkte an ein bis zwei Tagen an Adventswochenenden ausrichten wollen, nicht erfüllt werden. Wir beobachten daher eine gewisse Resignation“, erklärte Geschäftsführer Oliver Kamlage. Einige Initiativen hätten deshalb bereits angekündigt, dass ein Wochenend-Weihnachtsmarkt unter diesen Rahmenbedingungen nicht zu organisieren sei.
Handelsverband: Weihnachtsmärkte wichtiges Signal
Der Handelsverband lobt derweil die Entscheidung der Politik, Weihnachtsmärkte in diesem Jahr überhaupt stattfinden zu lassen. Das sei ein wichtiges Signal für den stationären Einzelhandel in den Innenstädten, sagte Mark Alexander Krack, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Niedersachsen-Bremen, unserer Redaktion. „Die Weihnachtsmärkte geben dem Handel Hoffnung, dass die Kunden wie in den Jahren vor der Pandemie wieder in die Innenstädte kommen, um dort Geschenke für ihre Lieben zu kaufen.“
Für Krack ist das in diesem Jahr insbesondere wichtig, da im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie die Geschäfte zwei Wochen vor dem Weihnachtsfest geschlossen werden mussten. Und auch dieses Jahr sah nicht viel anders aus: „Weite Teile der Einzelhändler haben einen Großteil des Jahres im Lockdown verbracht. Ein gutes Weihnachtsgeschäft ist jetzt die Chance, auf das Gesamtjahr gesehen noch auskömmliche Umsätze zu generieren“, so Krack.
Die Gefahr, dass Verbraucher angesichts von Lieferschwierigkeiten vor leeren Regalen stehen, sieht der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands nicht. Nichtsdestotrotz liegen Gutscheine Krack zufolge weiterhin im Trend. „Hier gibt es Jahr für Jahr Zuwächse. Da wird auch 2021 keine Ausnahme sein“, sagt er.