Berlin

Schweighöfer spricht über seine SS-Uniform und Til Schweigers Corona-Ideen

| 11.10.2021 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Matthias Schweighöfer trägt die Totenkopf-Uniform von SS-Mann Klaus Barbie. Foto: Frederic Batier/Prod.DB/imago images
Matthias Schweighöfer trägt die Totenkopf-Uniform von SS-Mann Klaus Barbie. Foto: Frederic Batier/Prod.DB/imago images
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Im Kinofilm „Résistance“ spielt Matthias Schweighöfer den NS-Mörder Klaus Barbie. Im Interview erzählt er vom Dreh in SS-Uniform, Plauschs mit US-Star Jesse Eisenberg und seiner Haltung zu Til Schweigers Corona-Thesen.

Seine Komödien locken ein Millionenpublikum in die Kinos. Aber Matthias Schweighöfer kann sich auch für finstere Stoffe begeistern. Auf Netflix stürzte er sich gerade erst in die Zombie-Apokalypse von „Army of the Dead“. Sein neuer Film erzählt vom realen Grauen der NS-Zeit: In der Filmbiografie „Résistance“ (Filmstart am 14. Oktober) trägt Schweighöfer eine SS-Uniform - die von Klaus Barbie, der als Gestapo-Chef von Lyon Folterverhöre führte. Hauptfigur und Schweighöfers Antagonist ist Marcel Marceau - der vor seiner Weltkarriere als Pantomime jüdische Kinder aus dem besetzten Frankreich rettete.

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Wie spielt man einen SS-Mörder?

Mit Marceau hat Schweighöfer sich schon an der Schauspielschule beschäftigt. Und Klaus Barbie? „Ich kannte ihn nicht und ich kann mich da nur auf die Dinge berufen, die ich gelesen habe“, erzählt der Schauspieler im Gespräch mit unserer Zeitung. „Barbie sollte den Widerstand zerbrechen und dabei war er natürlich richtig brutal.“ Tatsächlich wütete Barbie so grausam, dass er als „Schlächter von Lyon“ in die Geschichte einging.

Schweighöfer musste sich die Figur eines sadistischen Massenmörders aneignen - eine Aufgabe, die belastet. Umso wichtiger war es ihm, „dass man auch zwischendurch immer wieder aus der Rolle herausschlüpfen kann und sie ablegt. Es ist sicher nicht gesund, wenn man da drinbleibt“, sagt Schweighöfer. In Drehpausen hat er sich deshalb auch im Wortsinn bemüht, „so viel wie möglich abzulegen“ - zuallererst die Totenkopfmütze. Schweighöfer: „Man geht mit der SS-Uniform nicht zum Essen.“

Dreh mit dem US-Star Jesse Eisenberg

Eine Absage an den Humor sind die finsteren Stoffe übrigens nicht: „Ich liebe lustige Rollen, genauso wie ich ernste Rollen liebe und es macht immer Spaß, Komödien zu drehen. Gerade das exakte Timing und die Choreografien mit dem Team und den anderen Schauspielern zu entwickeln, macht so einen Spaß“, sagt der 40-Jährige. „Daher ist auf gar keinen Fall Schluss mit Komödien. Ich bin lieber daran interessiert, ein größeres Spektrum liefern zu können anstatt nur eine Schublade.“

Den Part von Marcel Marceau übernimmt im aktuellen Film der US-Schauspieler Jesse Eisenberg („The Social Network“). In dessen Augen scheint sein deutscher Ko-Star am Set sogar zu heiter gewesen zu sein. „Wir haben uns bei einer Probe kennengelernt“, erzählt Schweighöfer. Eisenbergs erste Reaktion auf ihn sei gewesen: „Oh mein Gott, du bist ja total nett und lieb, jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie ich das spielen soll.“ Er habe dann darauf bestanden, Schweighöfer nur noch zu treffen, wenn der im Kostüm war. Den persönlichen Austausch haben die beiden auf die Zeit danach verschoben: Schweighöfer hat die Handynummer des Oscar-nominierten Stars. Man schreibt sich.

Was sagt Schweighöfer zu Schweigers Corona-Statement?

Apropos Nazis im Kino: Wie kommt es eigentlich, dass Schweighöfer es nicht in den Cast von Tarantinos „Inglourious Basterds“ geschafft hat - dem Blockbuster, in dem fast jeder deutsche Schauspieler von Rang und Namen mitmache durfte? „Ich sollte zum Casting gehen, aber ich habe zu der Zeit ‚Der rote Baron‘ gedreht“, erinnert er sich. „Deswegen war ich aus der Liste schon raus.“ Mitgespielt hätte er gern, sagt er heute. Aber Reue kennt er nicht: „Durch den roten Baron habe ich meine Partner für meine Firmen kennengelernt“, sagt Schweighöfer, der vor zehn Jahren die Filmproduktion Pantaleon gründete. Auch bei „Résistance“ hat er sich als Produzent um Förderung und Finanzierung mitgekümmert.

Einer der Stars, die in „Inglourious Basterds“ zu sehen waren, ist Til Schweiger. Gerade erst hat er wieder Schlagzeilen gemacht - mit Kritik an Kinderimpfungen. „Til hat eine Meinung und bringt die immer gerne raus“, sagt Schweighöfer über seinen Kollegen. Und er selbst? „Ich bin jemand, ich halte das eher zurück und muss das nicht immer mit der Öffentlichkeit teilen.“ Für die Kampagne #allesdichtmachen wurde er nicht einmal angefragt, erzählt er. Hätte er mitgemacht? Schweighöfer hält sich bedeckt: „Ich finde es natürlich gut, wenn man sich für etwas einsetzt“, sagt er. „wenn es das Richtige ist. Aber ich muss nicht jedem da draußen, nur weil ich öffentlich bin, meine Meinung auf den Tisch legen.“

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