Osnabrück
Osnabrücker haben jetzt ihr Buch mit Corona-Erinnerungen
„Wir haben mit Ihnen geweint und gelacht“: 500 Erinnerungen an die Corona-Pandemie in einem Buch schließen Osnabrücker Projekt ab. Das Buch ist jetzt in der Stadtbibliothek zu haben.
„Ich habe noch nie so ungeduldig den Glocken zugehört“, sagt Nicolas Fromm und lacht. Er hat gerade das Mikrofon in die Hand genommen und zum ersten Satz seiner Rede angesetzt. Da läuten die Domglocken. Nicolas Fromm lacht - und die die Menschen im Innenhof der Osnabrücker Stadtbibliothek mit ihm. Für Minuten tönt das Geläut an diesem Samstagmorgen über die City, dann geht es weiter. „Eine Stadt schreibt ein Buch“: Das Erinnerungsprojekt zur Corona-Pandemie ist abgeschlossen, das Buch mit rund 500 Beiträgen fertig. Hier weiterlesen: Projekt „Eine Stadt schreibt ein Buch“ - das sagen Teilnehmer.
„Menschen eine Stimme geben“
„Dieses Buch ist so vielfältig wie unsere Gesellschaft“, sagt Nicolas Fromm. Die Fromm-Stiftung - Institut für kulturelle Leitformen hat das Projekt initiiert und finanziert. Rund 40000 Euro sind bereitgestellt worden für Schreibwerkstätten, Buchproduktion und Ausstellung. Es sei darum gegangen, den Menschen in der Stadt eine Stimme zu geben, sagt Fromm weiter. „Diese Zeit war auch eine Prüfung für unsere Gesellschaft und deren Zusammenhalt“, verweist er auf den gesellschaftspolitischen Wert des Projektes. Hier weiterlesen: Zum Lesen und Hören - so ist das Buch mit den Corona-Erinnerungen.
„Berührt von Ihrer Offenheit“
Wie Martina Dannert, Direktorin der Stadtbibliothek Osnabrück, erläutert, sind fast alle eingesandten Beiträge in das Buch aufgenommen worden - Gedichte, Erzählungen, Geschichten, Notizen, Tagebucheinträge und vieles mehr. Dannert zeigte sich bei der Begrüßung der Projektteilnehmer sehr beeindruckt. „Wir waren sehr berührt von ihren Beiträgen und ihrer Offenheit“, rief sie den Menschen zu. „Wir haben bei der Sichtung der Beiträge mit Ihnen geweint, aber auch herzlich gelacht“, schilderte Dannert ihre Eindrücke von der Sichtung der Einreichungen für „Eine Stadt schreibt ein Buch“.
Preise für Teilnehmer
Martina Dannert und Nicolas Fromm vergaben dann die Einzel- und Gruppenpreise für ausgewählte Beiträge und eröffneten dann die Ausstellung in der Stadtbibliothek. In Vitrinen werden Objekte gezeigt, die Menschen in der Corona-Zeit wichtig waren, vom Freundschaftsband bis zur Pétanque-Kugel, vom Desinfektionsspray bis zum aus Papier gefalteten Schmetterling. Auf Bannern sind besonders einprägsame Formulierungen aus den Texten der Projektteilnehmer zu lesen. „Abgeschnitten von Familie und Freunden, Zeit, die Verbindungen zu prüfen. Viele sind durchgeschnitten, manche nur angeschnitten und einige wenige konnten niemals durchtrennt werden“, heißt es auf einem der Banner.
1000 Exemplare gedruckt
„Dieses Buch ist Ausdruck unserer Erinnerung. Lassen Sie uns auch weiterhin zusammenhalten und unsere Erinnerung bewahren“, sagte Nicolas Fromm zu den Teilnehmern des Projektes, die zwischen 9 und 18 Uhr in jeweils einstündigen Zeitfenstern Zutritt zur Ausstellung bekamen - und ein Exemplar des Buches natürlich.
Der Band „Und dann kam Corona“ ist zunächst in 1000 Exemplaren gedruckt worden. Martina Dannert ist sich sicher, dass diese Auflage nicht ausreichen wird. Sie stellte bereits einen Nachdruck des Buches in Aussicht. Die Nachfrage ist bereits spürbar. Alle zufrieden? An diesem Samstag, ja. Und so sang Kevin MacKay, auf der Gitarre begleitet von Hans van Eejsden, den Klassiker „What a wonderful world“. Die Glocken läuteten da schon nicht mehr.
Stadt Osnabrück. Der Oberbürgermeister (Hrsg.): Und dann kam Corona: Über das Leben in schwierigen Zeiten. Eine Stadt schreibt ein Buch. fromm + rasch Verlag. 307 Seiten. 15 Euro. Erhältlich in der Stadtbibliothek. ISBN 978 - 3- 89946 - 315 - 6.