Einzelhandel
Kaufmannschaft sagt Verdi den Kampf an
Der verkaufsoffene Sonntag zum Heidemarkt hat Massen nach Aurich gelockt. Der Caro durfte nicht mitmachen, weil Verdi mit einer Klage gedroht hatte. Das lässt die Kaufmannschaft nicht auf sich sitzen.
Aurich - Es war der zweite und letzte verkaufsoffene Sonntag des Jahres in Aurich, und wie schon der erste Anfang September war er aus Sicht des Kaufmännischen Vereins (KV) ein durchschlagender Erfolg: „So ein Tag ist die beste Werbung für Aurich als Einkaufsstadt“, sagt der KV-Vorsitzende Udo Hippen am Sonntagnachmittag mit Blick auf die vielen Menschen, die sich bei strahlendem Sonnenschein in der Fußgängerzone und auf dem Marktplatz tummeln. Sie schlendern über den Heidemarkt, kaufen ein, essen Eis oder trinken Kaffee. „Es machen wirklich sehr, sehr viele Geschäfte mit“, sagt Hippen.
Doch selbst an diesem sonnigen Tag ziehen dunkle Wolken auf, im übertragenen Sinne: Weil die Gewerkschaft Verdi der Stadt Aurich mit einer Klage gedroht hatte, war die Genehmigung des verkaufsoffenen Sonntags kurzfristig geändert worden. Das Einkaufszentrum Caro durfte plötzlich nicht mehr mitmachen. Begründung der Rechtsabteilung von Verdi: Anlass des verkaufsoffenen Sonntags sei der Heidemarkt. Teilnehmen dürften nach dem Ladenöffnungsgesetz nur Geschäfte „in der unmittelbaren Umgebung des Anlasses“, in diesem Fall also rund um den Marktplatz. Der Caro gehöre nicht zu dieser unmittelbaren Umgebung.
„Man hätte es auf eine Klage ankommen lassen können“
In Absprache mit dem KV beschloss die Stadt, die Genehmigung zu ändern, um keine Niederlage vor Gericht zu riskieren. Das habe man auch den Pflanzenhändlern nicht zumuten wollen, sagt Hippen. Die hätten ihre Ware für den Heidemarkt ja schon geordert.
Dennoch gibt der KV-Vorsitzende nicht so schnell auf. „Man hätte es auf eine Klage ankommen lassen können.“ Das letzte Wort sei in dieser Sache noch nicht gesprochen. Für Hippen gehört der Caro eindeutig zur Innenstadt. „Genauso wie das Rathaus zur Innenstadt gehört, und das ist auf der anderen Straßenseite.“ Der Caro (damals noch Carolinenhof) sei 1983 zur Stärkung der Innenstadt gebaut worden. Das Ganze sei als Einheit zu betrachten.
„Wir lassen das nicht auf uns sitzen“
Hippen widerspricht dem Gewerkschaftssekretär Arne Brix, der im Interview mit dieser Zeitung der Stadt empfohlen hatte, den Caro grundsätzlich nicht mehr an verkaufsoffenen Sonntagen teilnehmen zu lassen. Das sei bislang zu lax gehandhabt worden, so Brix. „Das ist eine existenzielle Entscheidung“, sagt Hippen, „weil ja auch der Pferdemarkt entwickelt werden soll.“ Auch die dortigen Geschäfte seien Teil der Innenstadt.
Verdi hat Hippens Kampfeslust geweckt. „Wir lassen das nicht auf uns sitzen“, sagt der KV-Vorsitzende. „Wir geben nicht auf.“ Er hat 52 Briefe verschickt, an alle Kaufmannschaften und Gewerbevereine im Bezirk der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg. Am 4. November wollen sich die Auricher Kaufleute im Hotel am Schloss mit den Kollegen aus anderen Kommunen austauschen und vernetzen, womöglich eine Interessengemeinschaft gründen, um Verdi besser begegnen zu können. In dem Einladungsschreiben, das der Redaktion vorliegt, wird der Gewerkschaft „destruktives Verhalten“ in Bezug auf verkaufsoffene Sonntage vorgeworfen.
„Wir waren nie auf Krawall gebürstet“
„Vielleicht haben die anderen ein Konzept, um mit solchen Situationen besser umzugehen“, sagt Hippen. Wobei Aurich bislang eigentlich ganz gut mit Verdi klargekommen sei. „Wir waren nie auf Krawall gebürstet.“ Verkaufsoffene Sonntage seien in Aurich nie überstrapaziert worden, und es habe immer nur einen langen Einkaufs-Sonnabend in der Adventszeit gegeben (nicht wie in Leer vier).
Im vergangenen Jahr hatten zum Heidemarkt auch die Fachmarktzentren am Stadtrand geöffnet. Da möchte Hippen am liebsten wieder hin. Auch für sie seien solche Tage wichtig, um Kunden von außerhalb zu locken. In Verdi hat der KV-Chef jedenfalls einen kritischen und klagefreudigen Kontrahenten. Wird der KV es künftig auf eine Klage ankommen lassen? Hippen schließt das nicht aus. Bis zum nächsten verkaufsoffenen Sonntag ist noch mehr als ein halbes Jahr Zeit. Der ist zum Geranienmarkt im Mai geplant. Womöglich werden die Stadt oder der KV dann Gerichte überzeugen müssen, dass der Caro Teil der Innenstadt ist.