Filmfest Emden
Der Drehbuchpreis geht an „Sisterhood“
Es war für die Drehbuchautoren Ines Berwing und Maximilian Feldmann ein besonderer Abend: Sie wurden nicht nur mit dem Drehbuchpreis des Emder Filmfestes ausgezeichnet, sie „hörten“ auch ihr Drehbuch.
Emden - Ihre Inspiration stammt aus dem echten Leben, es gibt Vorbilder für ihre Figuren. Doch es ist das Handwerk, das geschriebene Wort, welches Ines Berwing und Maximilian Feldmann am Freitagabend zum Drehbuchpreis des 31. Internationalen Filmfestes verhalf. Die vom Grimme-Institut in Marl berufene Fachjury kürte das Drehbuch „Sisterhood“ und damit die Geschichte eines 16-jährigen Roma-Mädchens in Mazedonien, das zwischen eigener Identität und dem Sehnsuchtsort Deutschland hin- und hergerissen ist, zum besten Drehbuch der insgesamt 168 Einreichungen. Der renommierte Emder Drehbuchpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der Seehafenspedition Weets gestiftet.
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, so Berwing kurz nach der Preisübergabe. Feldmann drückte es, ein paar Minuten nachdem beide den Drehbuchpreis in Empfang nehmen durften, einfach mit „Hammer!“ aus. Ein Wort, welches vielleicht auch der Jury – bestehend aus Schauspielerin Gisa Flake („Systemsprenger“), der Journalistin Kathrin Holmer (unter anderem Süddeutsche Zeitung) sowie dem Autor und Filmkomponist Stephan Brüggenthies („Tatort“) und der Juryvorsitzenden und Referatsleiterin des Grimme-Preis beim Grimme-Institut Lucia Eskes – beim Lesen des Drehbuchs durch den Kopf gegangen sein mag. „Ines Berwing und Maximilian Feldmann gelingt in ihrem Buch ein liebevoller Blick auf das einfache, materiell arme Leben von Valentina und ihrer Familie“, heißt es unter anderem in der Begründung der Jury. „Sisterhood“ zeichne „ein differenziertes Bild und leuchtet die Ängste und Nöte aller Beteiligten aus – der Fokus bleibt aber ganz klar auf Valentina, eine junge Rebellin, die ihren eigenen Kopf hat, ihre Vorstellung vom Leben, eigene Träume – und das in einer Gesellschaft, die das für Mädchen und Frauen nicht vorgesehen hat“.
Drehbücher zu wenig beachtet
Welche Bedeutung Drehbücher haben – und wie wenig diese Bedeutung gewürdigt wird –, betonten auch die Organisatoren des Filmfestes, allen voran Filmfest-Chefin Nora Dreyer. Die drei nominierten Drehbücher, die aus 168 Einreichungen ausgewählt wurden, wurden aber nicht nur gelobt – sie wurden auch mit Leben gefüllt. In szenischen Lesungen wurden Teile der Drehbücher vorgestellt – für Berwing das erste Mal, dass sie ihre und Feldmanns Worte mit der Intonation von Schauspielern hörte. „Da habe ich gedacht: Was wir geschrieben haben, funktioniert wirklich.“
Neben „Sisterhood“ waren auch die Drehbücher „James“ (Natascha Bub und Marcel Gisler) und „Grüße vom Mars“ (Sebastian Grusnick und Thomas Möller) nominiert. Jeweils 1000 Euro gingen an die Autoren-Duos. Auch für die Zweitplatzierten hatte die Jury lobende Worte: „Das Drehbuch ,James’ von Natascha Bub und Marcel Gisler ist mehr als ein historischer Einblick in die Biographie einer der bekanntesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit mitreißenden Dialogen, komplexen Figuren und einer Dramaturgie, die im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Kämpfen und dem Begehren nach Intimität pendelt. Es geht um uns als Gesellschaft, die mit ,dem Fremden’ umgeht, und in der ein jeder seinen Platz sucht“, heißt es unter anderem. Und: „Das Drehbuch von Sebastian Grusnick und Thomas Möller erzählt mit großem erzählerischen Esprit und auf sehr originelle Art und Weise die Erlebnisse von Tom und seinen Geschwistern. Dabei dringen die Autoren tief in die Welt des wunderlichen 10-jährigen ein, der soviel anders ist als seine ,normalen’ Mitschüler – und dennoch äußerst zielstrebig seinen Weg geht“, so die Jury zu „Reise zum Mars“.
Die Chance, dass beim Emder Filmfest nominierte Drehbücher verfilmt werden, ist übrigens verhältnismäßig hoch, wie Nora Dreyer betonte. Zumindest eines der drei Bücher irgendwann auf der großen Leinwand zu sehen, könnte durch die Verleihung also noch wahrscheinlicher geworden sein.
Schreibtisch am Meer vergeben
Ebenfalls vergeben wurde die Auszeichnung „Schreibtisch am Meer“ auf Norderney. Der österreichische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Michael Kreihsl ist mit dem Preis ausgezeichnet worden. Im Anschluss an die Vorführung seines Wettbewerbsbeitrags „Risiken und Nebenwirkungen“ wurde Kreihsl die Auszeichnung von Luciano Hoch, Festival Manager Norderney, und Filmfest-Moderator Ansgar Ahlers im Kurtheater Norderney übergeben.
Dieser in Deutschland einmalige Filmpreis ermöglicht als Inselstipendiat einen „All Inclusive-Aufenthalt“ auf der Nordseeinsel zur Stoffentwicklung und zum Drehbuchschreiben. Gestiftet wird der Preis vom Inselloft Norderney.