Natur
Saatkrähenproblem in Weener: Monitoring geplant
Seit Jahren ärgern sich Anwohner über Lärm und Kot der Saatkrähenkolonien in der Stadt Weener. Weil Vergrämungsprojekte nur bedingt erfolgreich waren, verfolgt die Politik einen neuen Lösungsansatz.
Weener - Eigentlich gehören Saatkrähen zu den Singvögeln. Für die Anwohner des Stapelmoorer Parks klingt diese biologische Einordnung allerdings eher wie ein schlechter Witz. Das heisere Gekrächze der Vögel ist alles andere als melodiös, dafür aber umso lauter. Für viele Stapelmoorer hat die Lärmbelastung mittlerweile ein kaum noch zu ertragendes Maß erreicht. Die SPD im Rat der Stadt Weener hat daher einen neuen Vorstoß unternommen, das „Saatkrähenproblem“ zu lösen: Es soll ein Monitoring gemacht werden.
Was und warum
Darum geht es: Saatkrähen stehen unter strengem Schutz. Für Anwohner des Stapelmoorer Parks haben die Belastungen durch Kot und Lärm der dort ansässigen Saatkrähenkolonie inzwischen ein kaum noch zu ertragendes Maß erreicht.
Vor allem interessant für: Naturfreunde und Einwohner von Stapelmoor.
Deshalb berichten wir: Die Politik in Weener will einen neuen Vorstoß unternehmen, die Krähenproblematik in den Griff zu bekommen. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
„In Gesprächen mit Stapelmoorern wurde deutlich, dass die Häuser, Autos, Gärten, Spielplätze und der Park stark verkotet werden“, heißt es in dem Antrag, über den in dieser Woche im städtischen Bauausschuss beraten wurde. Ortsvorsteher Bernhard Siemons (SPD) kämpft seit Jahren für eine Lösung. Er weiß, dass der Lärm für viele Anwohner in unmittelbarer Nähe des Parks ein unzumutbares Ausmaß erreicht hat. „Ich selbst habe mir eine Klappe gebaut.“ Die betätigt er nach eigenen Worten, wenn‘s ihm zu bunt wird. „Außerhalb der Brutzeit ist das ja nicht verboten.“
Keine Mehrheit für Antrag
Weil viele Menschen wegen des Lärms mittlerweile sogar an Schlafstörungen leiden würden, ist nach Einschätzung der SPD auch die Gesundheit der Menschen in Gefahr. In dieser Begründung sah die SPD gute Chancen, bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Leer eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken, um die streng geschützten Vögel aus dem Park vergrämen zu dürfen. Allerdings fand dieser zusätzliche Vorschlag im Ausschuss keine Mehrheit.
„Ich bin kein Freund davon, Tiere abzuschießen. In diesem Fall sehe ich aber keine andere Lösung“, sagte Hildegard Hinderks, Chefin der CDU-Fraktion. Sie ließ sich von der Position der Verwaltung überzeugen, dass alle anderenorts unternommenen Vertreibungsaktionen keinen nachhaltigen Effekt hatten. Hinderks will sich dafür einsetzen, Saatkrähen ins Jagdgesetz aufzunehmen. „Das ist zwar ein längerer Prozess, aber ich sehe dazu keine echte Alternative.“
Vergrämung ist keine Lösung
Zumindest in puncto Ausnahmegenehmigung vertritt Lutz Drewniok (Grüne) einen ähnlichen Standpunkt. Diese sei nach seiner Einschätzung nur schwer zu kriegen. Dass das Problem durch eine Vergrämung der Vögel nicht nachhaltig gelöst, sondern nur verlagert werde, zeigten die Erfahrungen der Vergangenheit.
„Bei der Georgskirche und am Rathaus haben wir seinerzeit sogenannte Krähenklappen eingesetzt. Der Effekt war, dass sich die Kolonie aufgeteilt hat.“ Die Vögel blieben in der Umgebung und bauten ihre Nester in den hohen Bäumen beim Friedhof und in der Süderstraße. Dabei hat Drewniok durchaus Verständnis für die Stapelmoorer. „In den hohen Bäumen bei uns in der Nähe sind auch einige Nester.“ Vor allem während der Aufzucht der Jungvögel sei der Lärm groß. „Da kann man nur die Fenster schließen.“
Nabu sieht „stabile Bestände“
Kein Wunder also, wenn viele Weeneraner angesichts der zahlreichen Kolonien das Gefühl haben, dass die Zahl der Saatkrähen im Stadtgebiet angestiegen ist. Nach Einschätzung des Nabu trügt dieser Eindruck aber. „Die immer wieder behaupteten Übervermehrungen von Rabenvögeln finden nachweislich nicht statt“, heißt es in einem Positionspapier des Nabu. Die Vögel wiesen in vielen Untersuchungen stabile Bestände auf, „weil jeder Lebensraum nur eine begrenzten Zahl an Rabenvögeln Brutplätze und Nahrung bieten“.
Bei einem Pilotprojekt in Form eines Monitorings soll die Situation daher wissenschaftlich untersucht werden, um mögliche Maßnahmen zu erarbeiten. „Gleichzeitig soll das Monitoring dazu dienen, die bei den Landwirten auftretenden Schäden durch Krähenfraß aufzuzeigen und Lösungen vorzuschlagen“, so der Antrag der SPD weiter. Die Verwaltung wurde von der Politik mehrheitlich beauftragt, mit der Unteren Naturschutzbehörde Gespräche über die Krähenproblematik im Stapelmoorer Park und weiteren Saatkrähenkolonien an anderen Standorten im Stadtgebiet zu führen.