Untersuchung
Tödlicher Absturz: Zwischenbericht liegt vor
Nachdem am 26. Juli ein Pilot bei einem Absturz vor Norderney ums Leben kam, haben Unfallgutachter nun einen detaillierten Zwischenbericht veröffentlicht. Die Unglücksursache bleibt jedoch unklar.
Norderney / BD - Am 26. Juli um 13.07 Uhr hört der Tower des Flugplatzes Norderney das letzte Mal etwas von dem 65-jährigen Piloten. Er teilt seine Landeabsichten mit und meldet sich beim Fluglotsen ab. Zwei Minuten später erfasst eine militärische Radaranlage die Cessna 208, die von Borkum aus gestartet war, letztmalig mit einer Geschwindigkeit von 115 Knoten (etwa 213 km/h) und 232 Fuß (knapp 71 Meter) über dem mittleren Meeresspiegel. Dann stürzt das Flugzeug mit hoher Energie südlich der Insel in das an dieser Stelle nur 1,5 Meter tiefe Meer. Der Pilot kommt ums Leben. Das ergibt der Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) in Braunschweig des Monats Juli 2021, der jetzt veröffentlicht wurde.
Vor dem Unglück hatte der Pilot planmäßig zwölf Fallschirmspringer über Norderney abgesetzt. Er verfügte laut der Behörde über eine Gesamtflugerfahrung von gut 6562 Stunden und absolvierte 18.194 Landungen. Die Maschine, Baujahr 2005, war zuletzt am 1. Juli gewartet worden. Weiter heißt es: „Mehrere Zeugen, die sich land- und inselseitig sowie auf dem Wasser in der Nähe befanden, berichteten von einem mit hoher Geschwindigkeit sehr tief über das Watt fliegenden Flugzeug. Ein Zeuge, welcher sich auf seinem Boot in direkter Nähe befand, beobachtete den Anflug und den Aufprall. Er berichtete, dass das Flugzeug im schnellen Geradeausflug bei gleichbleibendem Triebwerks- beziehungsweise Propellergeräusch mit einer Längsneigung von zirka 30 Grad nach unten ins Wasser einflog. Direkt nach dem Aufprall habe es sich dann überschlagen und sei einige Hundert Meter hinter dem Aufprallpunkt in seiner Endposition im Wasser zum Liegen gekommen.“
Notsender des Flugzeugs löste nicht aus
Der Absturz wird laut BfU zeitgleich durch mehrere Zeugen telefonisch sowie durch sich in der Nähe befindliche Schiffe per UKW-Funk gemeldet. Daraufhin werden mehrere Einheiten der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, der Tonnenleger „Norden“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes sowie zwei Hubschrauber an die Absturzstelle disponiert. Der Seenotrettungskreuzer „Eugen“ trifft etwa 20 Minuten nach dem Ereignis, um 13.30 Uhr, am Unglücksort ein. Zu diesem Zeitpunkt hat ein Zeuge bereits das Hauptwrack mit einer Leine von seinem Privatboot aus gesichert.
Der Großteil des Wracks befindet sich unter Wasser, nur einzelne Teile ragen raus. Der Notsender des Flugzeuges löste nicht aus. Im unmittelbaren Umfeld liegen Propellerblätter, Anbauteile des Triebwerkes, Cockpitkomponenten wie alle Armaturen und beide Cockpittüren. Die Stelle liegt etwa 200 Meter von der Endlage des Wracks. Im Bereich der Absturzstelle bildet sich ein etwa 150 Meter mal 150 Meter großer Bereich mit aufschwimmenden Kleinteilen und Kerosin. Beim ersten Versuch, die Maschine zu bergen, reißt das Heck ab, das gesichert wird. Der Rest des Wracks wird durch ein Schiff der DGzRS zu einer anderen Stelle gebracht, damit es bei Niedrigwasser geborgen werden kann.
Flugtauglichkeit musste neu erteilt werden
Für den Piloten war es an diesem Tag bereits der siebte Flug gewesen, bei dem er vom Verkehrslandeplatz Borkum aus startend über Norderney Fallschirmspringer absetzte. Draußen waren es 26 Grad warm, die Sichtweite lag bei zehn Kilometern und der Wind blies mit sechs Knoten. Die durchschnittliche Flugdauer beträgt 17 Minuten, mit einer 30-minütigen Unterbrechung nach Flug vier und einer 16-minütigen Unterbrechung vor dem Unfallflug.
Das flugmedizinische Tauglichkeitszeugnis wurde bis zum 25. November dieses Jahres ausgestellt. Die Flugtauglichkeit des Piloten ist zuvor aufgrund einer Erkrankung und eines operativen Eingriffs seit Anfang Mai erloschen gewesen. Laut den Aussagen des „fliegerisch qualifizierten Flugzeughalters“ hatte er jedoch Anfang Juli 2021 mit dem Piloten einige Trainingsflüge absolviert und ihn danach firmenintern wieder für den Flugbetrieb freigegeben.
Wie aber war letztendlich der Grund für den Absturz? Die BfU teilt mit, dass die Untersuchungen andauern. Allerdings sei „das alleinige Ziel die Verhütung künftiger Unfälle und Störungen. Die Untersuchung dient nicht der Feststellung des Verschuldens, der Haftung oder von Ansprüchen.“ Den kompletten Bericht gibt es online zu finden unter http://go.zgo.de/jh605.