Verkehr

Emden: Stadt zündet nächste Stufe ihres Verkehrsexperiments

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 06.10.2021 11:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ab Freitag soll der Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße beruhigt werden. Die Stadt plant eine eingeschränkte Einbahnstraßenregelung für die Strecke durch Klein-Faldern. Foto: Päschel
Ab Freitag soll der Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße beruhigt werden. Die Stadt plant eine eingeschränkte Einbahnstraßenregelung für die Strecke durch Klein-Faldern. Foto: Päschel
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In Emden startet am Freitag die nächste Testphase zur Verkehrssteuerung in der Innenstadt. Diesmal steht nicht nur die Neutorstraße im Blickpunkt. Bereits am Mittwoch werden Messdaten präsentiert.

Emden - Das Experiment zur Mobilitätswende in Emden geht in die nächste Runde. Nach Information dieser Redaktion rückt diesmal auch eine der wichtigsten Ausweichstrecken zur einseitig gesperrten Neutorstraße im Stadtzentrum in den Blick. Ab Freitag soll die Friedrich-Ebert-Straße im Stadtteil Klein-Faldern zur Einbahnstraße erklärt werden. Im Gegensatz zur Neutorstraße, die seit dem Beginn der Bauarbeiten an den Neutor-Arkaden lediglich in einer Fahrtrichtung genutzt werden darf, soll es den Anliegern in Klein-Faldern gestattet sein, die Friedrich-Ebert-Straße in beide Richtungen zu verlassen. Die Zufahrt wird jedoch reguliert.

Was und warum

Darum geht es: das umstrittene Experiment der Stadt Emden auf dem Weg zu einer autoarmen Innenstadt

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie diejenigen, die die Stadt im Auto durchqueren und sich für die aktuelle Diskussion über eine Mobilitätswende interessieren.

Deshalb berichten wir: An diesem Mittwoch will die Stadt Messdaten zu den bisherigen Versuchen vorlegen und erläutern, welche nächsten Schritte sie plant.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Details zu ihren Plänen präsentiert die Stadt an diesem Mittwoch im öffentlich tagenden Ratsausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. Er tagt ab 17 Uhr in der Nordseehalle. Neben dem Versuchsablauf auf der Friedrichs-Ebert-Straße geht es auf der Sitzung auch um die weiteren Schritte an der Neutorstraße. Mit Vorab-Informationen hielt sich die Pressestelle am Dienstag trotz Anfragen zurück. Zu angespannt ist das Verhältnis zwischen Verwaltung und Rat. Die Mitglieder mehrerer Fraktionen hatten Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) wiederholt Alleingänge vorgeworfen und sich übergangen gefühlt. „Wir wollen zuerst die Politik informieren“, ließ Sprecherin Theda Eilers am Dienstag wissen.

Stadt legt Messdaten offen

Mit Spannung erwartet werden auch Zahlen zu Messreihen, die die Verwaltung begleitend zu den Verkehrsexperimenten in Auftrag gegeben hatte. Sie waren in den vergangenen Wochen wiederholt und parteiübergreifend aus den Reihen der Fraktionen eingefordert werden. An diesem Mittwoch will die Stadt sie offenlegen.

Die Daten sollen unter anderem Rückschlüsse zu Staubildungen, Ausweichverkehren oder Durchfahrzeiten geben. Sie könnten der Politik eine wesentliche Entscheidungsgrundlage in der Frage geben, wie es an der Neutorstraße weitergeht. Vor allem die CDU drängt in Emden auf einen Abbruch des Experiments, weil neben der Hauptschlagader für den Verkehr durchs Zentrum mit der Trogstrecke eine weitere wichtige Achse zurzeit gesperrt ist. Die vielbefahrene Südumgehung wird saniert und ist seit dem vergangenen Jahr vollständig gesperrt.

Trog wird freigegeben

Mittlerweile steht allerdings fest, dass der Trog zum 26. November dieses Jahres vorübergehend für den Verkehr wieder freigegeben wird. Grund sind Probleme mit dem ersten Bauabschnitt. Weil Wasser eindrang und nachgebessert werden musste, geriet der Ablauf der Trogsanierung ins Wanken. Um den Verkehr nicht unnötig zu belasten und die Protestwelle nicht weiter anschwellen zu lassen, entschied die Stadt, die Strecke während der Wintermonate zu öffnen.

Ein wichtiges Datum für den weiteren Verlauf der Emder Verkehrsexperimente ist zudem der 8. November. Wie Tim Kruithoff in der vergangenen Woche während einer Ratssitzung ankündigte, soll an diesem Tag das Ergebnis eines seit langem angekündigten Gutachtens vorgestellt werden. Ein externes Büro war mit der Untersuchung des Stadtverkehrs insgesamt beauftragt worden. In einer eigens anberaumten Sitzung sollen Politik und Öffentlichkeit darüber informiert werden, zu welchen Schlüssen die Experten kommen.

Das Gutachten dürfte auch dazu dienen, weitere Weichen für ein Parkraumkonzept zu stellen. Vor allem aber soll in der für den 8. November angekündigten Sitzung des dann wegen der Kommunalwahl neu zusammengewürfelten Ratsausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt beschlossen werden, „ob wir diese Maßnahmen fortsetzen wollen oder nicht“, so Oberbürgermeister Kruithoff. Es könnte also das Ende der von ihm vorangetriebenen Mobilitätswende bedeuten. Oder aber, Kruithoff bekommt die notwendige Rückendeckung der Politik, die er im Sommer geflissentlich ignoriert hatte.

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