Menlo Park
Nach Totalausfall: Was Facebook-Nutzer jetzt wissen sollten
Die Dienste von Facebook funktionierten am Dienstag allmählich wieder. Nun wird klar: Der Totalausfall gefährdet eher das System Facebook, als die einzelnen Nutzer.
Bei einem seltenen Ausfall aller Plattformen von Facebook handelt es sich laut der Website Downdetector um „die größte Panne“, die die Sammler von Fehlermeldungen je beobachtet haben. Milliarden Menschen konnten sieben Stunden lang ihre Konten nicht aufrufen. Wie haben sie reagiert und was heißt das für die Zukunft?
Warum gab es die Facebook-Störung?
Facebook machte eine fehlerhafte Neukonfiguration von Routern für den Totalausfall seines Netzwerks und der Tochterdienste Instagram, Whatsapp und Messenger verantwortlich. Dadurch sei die Kommunikation zwischen den Rechenzentren gestört worden und das habe „unsere Dienste zum Stillstand gebracht“, erklärte der Vize-Präsident für Infrastruktur, Santosh Janardhan. Da auch die internen Systeme betroffen waren, habe sich die Problemlösung verzögert. Beispielsweise funktionierten auch die Chipkarten nicht, mit denen Mitarbeiter die Facebook-Gebäude betreten.
Waren meine persönlichen Daten gefährdet?
Laut Facebook gibt es keine Hinweise, dass Nutzerdaten von der Panne beeinträchtigt wurden. Posts, Fotos, Chatverläufe sollen nach wie vor vorhanden sein. Demnach waren die Daten durch die Panne nicht gefährdeter als sonst.
Wie reagierten die Nutzer?
Messenger: Als die Messenger von Facebook und Instagram sowie Whatsapp am Montag nicht mehr sendefähig waren, luden sich viele Nutzer andere Messengerdienste herunter: Sowohl Telegram als auch Signal und Twitter berichteten von einem starken Anstieg der Downloads und Anmeldungen.
Um nicht von einem Kommunikationskanal abhängig zu sein, lassen sich problemlos mehrere Messenger-Apps auf einem Gerät nutzen. Das Verbraucherportal „Mobilsicher.de“ empfiehlt etwa Signal, Threema oder Wire. Alle drei sind quelloffen, sicher Ende-zu-Ende-verschlüsselt und stehen für einen pfleglichen Umgang mit Nutzerdaten.
SMS: Viele Deutsche verschickten stattdessen SMS. Die Zahl dieser Kurznachrichten habe sich im Störungszeitraum am Montag im Vergleich zu anderen Tagen verachtfacht, teilte die Deutsche Telekom am Dienstag in Bonn mit. Das kann mitunter teuer werden: Die Kurznachrichten kosten je nach Tarif neun bis 19 Cent beziehungsweise sind über die gebuchte Flatrate einbegriffen. Wer ein Bild oder Video verschicken wollte, kann es per MMS tun. Allerdings betragen die Kosten hier 30 bis 50 Cent und die Bildqualität wird für das Verschicken über das Mobilfunknetz extrem minimiert. Dafür lassen sich SMS und MMS auch ohne Internetverbindung senden und empfangen.
Telefon: Es wurde auch deutlich mehr telefoniert. Bei Telefónica (O2) wurden am Montag zwischen 19 und 20 Uhr Mobilfunk-Telefongespräche geführt, die zusammengerechnet 680.000 Stunden ergaben. Betrachtet man den gleichen Zeitraum der Vortage, lag der Schnitt hier bei rund 500.000 Stunden: ein Plus von 36 Prozent.
Welche Folgen hat die Facebook-Störung?
Facebook selbst erkannte an, der Ausfall habe Wirtschaftsprozesse - gerade von kleineren Unternehmen - auf der ganzen Welt beeinträchtigt. Die Facebook-Aktie schloss mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Dennoch ist das Unternehmen an der Börse noch rund 920 Milliarden Dollar wert. Das persönliche Vermögen von Mark Zuckerberg schrumpfte nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg binnen weniger Stunden um mehr als sechs Milliarden Dollar. Mit einem Vermögen von trotzdem noch 121,6 Milliarden Dollar ist Zuckerberg der fünftreichste Mensch der Welt.
Eine Frage ist auch, ob der Ausfall Werbekunden von Facebook dazu veranlassen wird, über Alternativen nachzudenken. Denn gerade viele kleine Unternehmen rund um die Welt verlassen sich auf Facebook, um Kunden anzulocken. Für sie bedeutete die Störung verlorenes Geschäft.
Auch die Aussagen von Frances Haugen, einer Ex-Mitarbeiterin von Facebook, stürzen den Konzern aktuell in eine schwere Krise. Die 37-jährige Whistleblowerin wirft dem sozialen Netzwerk vor, Jugendlichen zu schaden.
Wie leicht kann sich so eine Panne wiederholen?
Theoretisch kann eine fehlerhafte Einstellung der Systeme immer wieder für Probleme sorgen. Facebook teilte mit, den Fall zu analysieren, „um unsere Infrastruktur noch belastbarer zu machen.“ Ob ihnen das gelingt ist offen.
Experten halten es für problematisch, dass wenige Firmen große Teile des Internets betreiben. So könnte die jüngste Facebook-Panne die Debatte um eine mögliche Zerschlagung des Konzerns wieder entfachen.
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(Mit dpa/AFP)