Tourismus
Fisch als Verbindung auf einer Route von der Nord- bis zur Ostsee
Die Deutsche Fisch-Genuss-Route soll Gäste ans Meer locken. Ostfriesland ist bislang nicht mit dabei, könnte aber schon bald auch dazu gehören. Die Idee stößt auf großes Interesse.
Ostfriesland - Fisch könnte bald für Ostfriesland eine größere Bedeutung bekommen, als er ohnehin schon hat. Nachdem der Startschuss für die neue Deutsche Fisch-Genuss-Route von Bremerhaven nach St. Peter Ording gefallen ist, ist auch Ostfriesland als mögliche Erweiterung im Gespräch. Klaas Müller von der Emder Matjesmanufaktur Fokken und Müller beschäftigt sich schon länger mit dieser Idee und hat diese bereits als Anregung an die Stadt weitergetragen. „Ich bin der Meinung, dass wir für eine Bewerbung gut aufgestellt sind“, sagt der Gesellschafter. Der Fisch spiele ohnehin traditionell schon eine große Rolle in Emden und gehöre zum Stadtbild dazu.
Was und warum
Darum geht es: Ostfriesland ist im Gespräch für eine Erweiterung der neuen Deutschen Fisch-Genuss-Route.
Vor allem interessant für: Feriengäste, Liebhaber von Fisch und alle, die sich für die touristische Entwicklung Ostfrieslands interessieren.
Deshalb berichten wir: Die Deutsche Fisch-Genuss-Route führt von Bremerhaven bis nach St. Peter Ording. Ostfriesland ist vorerst nicht dabei. Wir wollten wissen, ob es Pläne gibt, auch Städte wie Emden oder Fischerorte wie Greetsiel und Ditzum mit einzubinden. Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de
Müller denkt dabei etwa an den Logger im Ratsdelft. „Das Schiff ist ein Symbol für die Heringsfischerei“, sagt er. Die Besatzung habe viel Wissen, das sie gerne auch weitergebe. Mit dem Matjesfest lockt Emden Jahr für Jahr tausende Besucher in die Stadt. Und mit einer Matjesmanufaktur mitten in Emden haben Fischinteressierte die Möglichkeit, sich auch über die Produktion und Verarbeitung zu informieren. Auch das Landesmuseum hält Informationen rund um Emden als Hafen-und Fischerstadt bereit.
Keine Konkurrenz zu anderen Orten
Eine Konkurrenz zu anderen Orten, die beispielsweise auch für den Matjes stehen, wie etwa Glücksstadt, sieht Müller dabei keineswegs. Im Gegenteil: Über die Verbindung einer Route könnten sich einzelne Orte gegenseitig touristisch bereichern. So stehen beispielsweise in Glücksstadt und Emden unterschiedliche Zubereitungsarten für den Matjes in Vordergrund. Dies könne Touristen sowohl auf den einen, als auch auf den anderen Ort neugierig machen, so Müller.
Hillgriet Eilers, die als Landtagsabgeordnete der FDP ihren Wahlkreis Emden/Norden in Hannover vertritt, greift die Idee ebenfalls auf. „Ich bin davon überzeugt, ein Anschluss wäre gewinnbringend für unsere Region und ein touristischer Gewinn“, schreibt die Politikerin in einer Mitteilung. Dabei gehe es nicht nur um den Fisch allein, sondern um ein breites touristisches Angebot, das sich damit verknüpfen lasse. Die Stadt Emden knüpft an diesem Gedanken an und sieht eine Erweiterung der Route um Ostfriesland als „sehr spannend“, wie Martje Merten von der Stadt Emden es beschreibt. Sollte es dazu kommen, dass Emden ein Punkt auf der Route wird, sieht es die Koordinatorin der Innenstadt als Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass die Geschichte der Heringsfischerei am Delft noch sichtbarer wird.
Nicht nur Emden, sondern auch Ditzum und Greetsiel
Doch nicht nur Emden, sondern auch andere Orte in Ostfriesland sind für Fisch oder Meeresfrüchte bekannt, beispielsweise Greetsiel und Ditzum als Häfen von Fisch- und Krabbenkuttern, wie die Ostfriesland Touristik GmbH anführt. „Einzelne Orte können sich im Rahmen einer solchen Route gut positionieren“, erklärt Wiebke Leverenz. Die Sprecherin der Touristik GmbH gibt allerdings auch zu bedenken, dass das Anbieten eines Fischbrötchens in einem Ort allein nicht ausreiche, um ihn attraktiv zu machen. Vielmehr müsse ein buntes Gesamtpaket geschnürt werden. Grundsätzlich sei das Thema Fisch jedoch gut gewählt. „Kulinarik spricht natürlich immer auch Touristen an.“
In anderen Regionen Deutschlands locken Ferienstraßen wie etwa die Deutsche Weinstraße oder die Deutsche Märchenstraße tausende von Touristen Jahr für Jahr. In Ostfriesland gibt es bereits die Dollart-Route und die Fehn-Route, die vor allem Radfahrer ansprechen. Die Fisch-Genuss-Route soll nicht nur für letztgenannte, sondern auch für Wohnmobilfahrer interessant sein. Aktuell führt die Route von Bremerhaven über Cuxhaven entlang der Elbe bis nach Cranz im Alten Land. Von dort geht sie auf der anderen Elbseite von Hamburg-Blankenese über Brunsbüttel weiter bis nach St. Peter Ording an der Nordsee. Über eine Strecke von rund 360 Kilometern ist sie vor und hinter dem Deich in sechs Abschnitte aufgeteilt. Die Regionen entlang dieser Strecke wollen gemeinsam „Fischerlebnisse“ vermarkten – vom Krabbenbrötchen über den Backfisch bis zu Fisch-Tappas. Dafür wurde eigens eine Marketing- und Vertriebspartnerschaft gegründet, zu der unter anderem Bremerhaven, der Landkreis Cuxhaven, Brunsbüttel und Glückstadt sowie Vertreter der Fischwirtschaft gehören.
Nicht nur die ostfriesischen Städte und Fischerorte denken über eine Anbindung an die Deutsche Fisch-Genuss-Route nach. Derweil ist Ostfriesland auch schon als Erweiterung bei den Initiatoren angedacht. Die Route befinde sich noch im Aufbau, erklärte Projektmanagerin Sybille Weinmann-Klinkow von der Wirtschaftsförderung der Stadt Glücksstadt. Denkbar seien nicht nur Erweiterungen in Richtung Westen bis zur deutsch-niederländischen Grenze, sondern auch bis an die Ostsee.