Meinung
Kita-Öffnungszeiten: Die Sorge der Männer
In Emden wurden kürzlich Kita-Öffnungszeiten diskutiert. Man solle es Eltern nicht zu leicht machen, ihre Kinder lange abzugeben, so ein Stadtmitarbeiter. Das geht völlig an der Realität vorbei.
Berufstätige Mütter haben Stress. Alleinerziehende meist noch viel mehr. Wer Mutter ist oder welche kennt, kann das bestätigen. Da wirkt die Diskussion, die kürzlich im Jugendhilfeausschuss des Emder Rates stattgefunden hat, umso realitätsferner und geradezu grotesk. Es ging um die Öffnungszeiten von Kitas. Man dürfe die Einrichtungen ja nicht zu lange öffnen, es Eltern nicht zu leicht machen, ihre Kinder lange „abzuladen“, meinte Thomas Sprengelmeyer von der Stadt.
Es nicht zu leicht machen, dass Frauen in der Pflege, im Krankenhaus oder bei Volkswagen arbeiten können und das sogar im Schichtdienst?, fragt sich die arbeitende Frau. Der Realitätscheck der Kita-Planerin und Kita-Leiterin folgt auf dem Fuße: Keine Frau gibt ihr Kind in der Kita mit den längsten Öffnungszeiten der Stadt länger ab als nötig.
Berufstätige Mütter brauchen bessere Kita-Öffnungszeiten
In Ostfriesland werden manche Kitas am Mittwoch geschlossen sein
Die Realität ist: Frauen arbeiten; sie wollen, sie müssen. Einigen geht es allein darum, Geld zu verdienen. Andere wollen auch mehr – eine Karriere, einen gehobenen Posten – und finden das erfüllend. Das schließt in beiden Fällen ganz sicher nicht aus, dass sie hingebungsvolle Mütter sind und ihnen das Kindeswohl am Herzen liegt.
Statt ihnen Steine in den Weg zu legen und sie indirekt erziehen zu wollen (verbring mehr Zeit mit deinen Kindern), sollte man(n) ihnen helfen, Kind und Beruf bestmöglich zu vereinbaren. Ohne schiefe Blicke, ohne Verurteilung. Das gilt für eine Stadtverwaltung, für die Träger einer Kita und für Arbeitgeber.