Freizeit
In Ostfriesland ist wieder die Zeit für Himmelsstürmer
Drachenfeste verlieren nicht an Anziehungskraft. In diesem Jahr gibt es aber Unsicherheiten bei der Planung. Was man in der Krummhörn und Hinte vor hat – und worauf Drachenfreunde achten sollten.
Greetsiel/Hinte - Ein schöner Herbsttag, eine freie Wiese, ein bunter Drachen und eine dünne Schnur: Viel mehr braucht es nicht für das besondere Erlebnis im Freien. Es ist wieder Zeit der Himmelstürmer. Mittlerweile gibt es Drachen in allen Größen und Farben: Geometrische Formen, fantastische Tierwesen oder magische Gebilde setzen bunte Punkte am Himmel über Ostfriesland.
Was und warum
Darum geht es: Drachenfeste in der Region ziehen Urlauber und Einheimische an.
Vor allem interessant für: Ferien- und Tagesgäste sowie Einheimische in Ostfriesland, die im Herbst Spaß daran haben, Drachen steigen zu lassen oder am Himmel zu bewundern, sowie Leute, die sich für den Tourismus in der Region interessieren.
Deshalb berichten wir: Hinte soll im nächsten Jahr ein eigenes Drachenfest bekommen. In der Redaktion haben wir uns gefragt, ob das nicht langsam zu viel des Guten ist – und wurden eines Besseren belehrt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Damit ist auch die hohe Zeit der Drachenfeste gekommen, die an der ostfriesischen Küste teilweise schon seit Jahrzehnten zum festen Programm der Tourismus-Gesellschaften gehören und offenbar nicht an Anziehungskraft verlieren. In den Reigen solcher Festivals will sich jetzt auch Hinte einreihen.
Es gibt ein großes Besucherpotenzial
In dem Ort vor den Toren Emdens hat sich vor einigen Monaten Arthur Skibb niedergelassen. Der 75-Jährige, der aus Bad Segeberg stammt, hat bei Drachenfliegern in Deutschland einen guten Namen. Er erlernte in China die Kunst des Drachenbaus. Skibb plant für das erste August-Wochenende des kommenden Jahres das erste Hinteraner Drachenfest.
Mancher wird sich fragen, ob es angesichts der vielen etablierten Drachenfeste in der Region noch ein weiteres braucht. Ja, sagen Touristiker in der Region. Angesichts von jährlich mehr als 61,2 Millionen Aufenthaltstagen von Übernachtungs- und Tagesgästen sowie rund 770.000 Einwohnern auf der ost-friesischen Halbinsel bestehe „ein großes Besucherpotenzial für Events“, sagt Wiebke Leverenz von der Ostfriesland Tourismus GmbH in Leer.
Krummhörner sehen keine Konkurrenz
Drachenfeste sprächen insbesondere auch Familien an, und weder bei den Terminen noch bei den Standorten gebe es Überschneidungen. „Daher gehen wir nicht von einer Konkurrenzsituation aus, vor allem weil den Gästen durchweg eine hohe Qualität geboten wird“, so Leverenz.
Die Konkurrenz in der Nachbargemeinde Hinte fürchtet auch die Touristik-GmbH Krummhörn-Greetsiel nicht. Im Gegenteil: „Aus unserer Sicht können wird das nur begrüßen“, sagt ihr Prokurist und Veranstaltungsleiter Heinrich Heinenberg. Man spreche doch „als Region, und nicht als einzelne Gemeinde“. Er könne sich durchaus auch vorstellen, in Sachen Drachen etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen.
Fest in Upleward abgesagt
Ihr eigenes Drachenfest, das für den 17. Oktober in Upleward geplant war, haben die Krummhörner wegen der Corona-Pandemie und damit verbundener Regelungen endgültig abgesagt. Das ist kein Einzelfall. Auch bei anderen Drachenveranstaltungen stünden die Termine wegen der Planungsunsicherheiten nur zum Teil fest, heißt es bei der Ostfriesland Tourismus GmbH.
Die Touristik-Gesellschaft Krummhörn-Greetsiel bietet aber wie bei anderen ausgefallenen Großveranstaltungen eine Alternative an. So treffen sich etwa 15 Drachenfreunde am 16. und 17. Oktober jeweils in der Zeit von 11 bis 17 Uhr auf einem Gelände am Ende des Greetsieler Hafens zu einem sogenannten freien Fliegen. Das sei aber keine offizielle Veranstaltung, sagt Heinenberg. Ein Rahmenprogramm gebe es nicht.
Lose Treffen in Greetsiel und Hinte
Auf dem Gelände im Greetsieler Hafenbereich seien auch nur geladene Clubs zugelassen, und das Kontingent an Teilnehmern sei ausgeschöpft, sagt Heinenberg. Zuschauer könnten das Areal aber passieren, so der Veranstaltungsmanager. Ein ähnliches loses Treffen plant auch Arthur Skibb für das Wochenende am 23. und 24. Oktober auf den Wiesen an der Landesstraße zwischen Emden und Hinte.
Aus Sicht von Insa Steffens ist die ausgewiesene Fläche im Greetsieler Hafen unbedenklich. Die Leiterin des Nationalparkhauses Greetsiel rät aber grundsätzlich davon ab, Drachen direkt auf oder an den Deichen der Krummhörn steigen zu lassen. Denn am Himmel sei es schon hör- und sichtbar: Die Zugvögel machen sich auf den Weg in wärmere Gefilde.
Auf Zugvögel Rücksicht nehmen
Auf ihrem oft Tausende Kilometer langen Weg in die Winterquartiere machen Millionen von ihnen in den kommenden Wochen wieder Rast an der Küste. Das Wattenmeer wird dann zur Drehscheibe des ostatlantischen Vogelzuges, wenn sich die Tiere Nahrungsreserven für den Weiterflug anfressen.
Größere Drachen könnten die Vögel bei ihrer Rast in den Salzwiesen und im Deichvorland empfindlich stören. „Wenn jemand seinen selbst gebastelten Flattermann an einer Schnur in fünf Meter steigen lässt, macht das nichts“, sagt die Leiterin des Nationalparkhauses. Schwieriger werde es aber bei Lenkdrachen, deren dreieckige Form die Silhouette eines Greifvogels haben. Zugvögel würden sie so auch wahrnehmen und deshalb aufgeschreckt werden. Störend sei auch das Surren, das solche Drachen verursachen, so die Expertin.
Krummhörner suchen Drachenwiesen
Die Touristik-GmbH und die Gemeinde haben deshalb auch eine Anregung von Steffens aufgegriffen. Sie wollen nach geeigneten Wiesen in der Krummhörn suchen und mit den Eigentümern darüber sprechen, ob diese Ländereien als Drachenwiesen genutzt werden könnten. Solche Flächen sollen dann in einer digitalen Karte verzeichnet werden. Das soll aber nicht auf Upleward und Greetsiel beschränkt bleiben, so Steffens und Heinenberg.
Solche Drachenwiesen gibt es mittlerweile in vielen Küstenorten und an den Stränden der ostfriesischen Inseln. „Und natürlich kann man auch im Binnenland Drachen steigen lassen“, sagt Wiebke Leverenz . Das Gute daran sei, „dass man außer einem Drachen, einer freien Fläche und Wind nicht viel braucht“. Und sowohl weite Fläche als auch Wind seien in Ostfriesland „ja nicht das Problem“, fügt die Sprecherin mit einem Schmunzeln hinzu.