Diskussion in Emden
Berufstätige Mütter brauchen bessere Kita-Öffnungszeiten
Viele berufstätige Mütter in Emden sind darauf angewiesen, ihre Kinder früh morgens schon zur Kita zu bringen. Viele Einrichtungen aber haben noch starre Öffnungszeiten. Sollte sich das ändern?
Emden - Für berufstätige Mütter ist es häufig schwierig, die eigene Arbeitszeit mit den Öffnungszeiten der Kindertagesstätte (Kita) abzustimmen. Für Alleinerziehende ist das umso drastischer. In Großstädten wie Berlin gibt es daher Einrichtungen, die rund um die Uhr geöffnet haben und so mit allen Berufsmodellen von Eltern vereinbar sind. In ländlichen Regionen wie Ostfriesland sieht das noch anders aus. Weil das Team des Emder Markuskindergartens die Sonderöffnungszeiten von 7.30 bis 8 Uhr sowie 12.30 bis 13 Uhr verstetigen lassen möchte, also langfristig so festlegen will, wurde im Jugendhilfeausschuss des Emder Rates kürzlich diskutiert. Dabei ging es nicht mehr speziell um die Einrichtung im Ortsteil Herrentor, sondern allgemein um das Für und Wider längerer Öffnungszeiten.
Was und warum
Darum geht es: Frauen wollen und müssen arbeiten. Haben sie Kinder, stellt sie das vor große Herausforderungen bei der derzeitigen Betreuungslandschaft.
Vor allem interessant für: Eltern, Menschen, die Kinder bekommen wollen, Arbeitgeber, Pflegefachkräfte
Deshalb berichten wir: Im Jugendhilfeausschuss führte ein Tagesordnungspunkt zu einer längeren Grundsatzdiskussion rund um Öffnungszeiten von Kitas. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Aus der Praxis: Kinder werden schnellstmöglich abgeholt
Fachkräfte fehlen: „dramatische Entwicklung“
Auf dem Markt beziehungsweise bei den Arbeitgebern müsste sich einiges ändern, um den Frauen und damit auch den Kindern die Situation zu erleichtern. Insbesondere in der Pflege, wo viele Fachkräfte fehlen, müsse man andere Modelle anbieten - also etwa Mittelschichten für Mütter - oder eben ermöglichen, dass Kinder auch früh morgens schon in die Kita können. Das bekräftigt auch André Göring, für die Grünen im Ausschuss und Geschäftsführer des Pflegedienstes Haus am Zingel. „Es braucht mehr Flexibilität für die Eltern“, meinte er.
Okka Fekken, Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt, betonte, dass es bei „systemrelevanten Berufen“ im Krankenhaus oder der Pflege eine „dramatische Entwicklung“ gebe, was den Mangel an Fachkräften betreffe. Selbst wenn man Personal bekomme, könne man dieses nicht so einsetzen, wie der Bedarf sei, also etwa im Frühdienst, wenn nicht entsprechend Betreuungsplätze für Kinder vorhanden seien. „Ich höre immer wieder, dass der Bedarf da ist“, betonte Bonn-Sommer. Es sei sehr wünschenswert, dass mehr Kitas früher öffneten. Das zu beantragen, sei für die Einrichtungen nicht kompliziert. Aber: Auch hier müsse Fachpersonal vorhanden sein.
Das Kinderwohl sei ihnen sehr wichtig, heißt es vom Käferhuus. Früh morgens gebe es „keine starren Regeln“: Kinder könnten schon frühstücken oder noch weiter schlafen. Einige Kinder würden auch schlafend gebracht. „Es ist wichtig, dass wir darauf Rücksicht nehmen.“ Das sei Teil des Konzepts. Das ist, wie Bonn-Sommer erklärt, auch mit dem Landesjugendamt abgestimmt, dass die Sondergenehmigung erteilt.