Fußball
Afrobeat im Ohr, Karriere-Traum im Kopf
Neuzugang Alagie Jabbie spielt bisher eine ganz starke Saison beim Fußball-Oberligisten Kickers Emden. Der 20-jährige Innenverteidiger aus Groningen hat noch große Ziele.
Emden - Die Fahrgemeinschaft von einst ist wieder vereint. Viermal in der Woche machen sich die niederländischen Freunde Alagie Jabbie und Ibrahim Sillah von Groningen aus auf den gut einstündigen Weg nach Ostfriesland. Spielten sie Ende 2019 noch gemeinsam für den Fußball-Landesligisten Germania Leer, stehen sie nun in der Oberliga für Kickers Emden auf dem Platz.
Und Alagie Jabbie hat beim BSV so richtig eingeschlagen. Der 20-jährige Innenverteidiger verpasste ebenso wie Torhüter Jannik Wetzel bisher in der so erfolgreichen Meisterschaftssaison keine einzige Minute. Dabei ist der Niederländer nicht nur defensiv eine Bank, er konnte auch bereits drei Treffer erzielen. „Natürlich ist es so, dass wir nach der Erfolgsserie auch sehr viel Selbstvertrauen haben. Ohne jetzt überheblich zu klingen: Momentan sehe ich in der Liga wirklich keine Mannschaft, vor der wir uns verstecken müssten“, sagt Jabbie – auch wenn Kickers vor einer Woche in Bersenbrück die erste Niederlage kassierte. Der bisherige Saisonverlauf ist natürlich auch sehr positiv für ihn, möchte er doch mit starken Leistungen auf sich aufmerksam machen. Denn Kickers Emden ist ein weiterer Schritt, um seinen großen Traum zu erfüllen, nämlich den vom Profigeschäft.
„Für die erste Mannschaft hätte es nicht gereicht“
Die Erfüllung des Traums erscheint nicht unmöglich, genoss er doch bisher eine sehr gute Ausbildung (Velocitas, FC Groningen, PEC Zwolle, Germania Leer, FC Emmen). In der letzten Saison spielte er für die U21 des niederländischen Erstliga-Absteigers FC Emmen, in dieser Spielzeit wäre er aufgrund seines Alters für das Nachwuchsteam nicht mehr spielberechtigt gewesen.
„Ehrlich musste ich mir auch eingestehen, dass es für die erste Mannschaft in der zweiten niederländischen Liga nicht gereicht hätte. Ich muss noch viele Dinge besser machen“, möchte Jabbie weiter hart an sich arbeiten.
„Wir sind sehr glücklich, dass es mit einer Verpflichtung geklappt hat“
Dabei kann ihm bei Kickers Emden sicher auch Ex-Profi und Trainer Stefan Emmerling helfen, der große Stücke auf den 1,94-Meter großen Abwehrspieler hält. „Er hat für seine jungen Jahre schon eine unglaubliche Abgeklärtheit. Wir sind sehr glücklich, dass es mit einer Verpflichtung geklappt hat. Die Tür haben wir auch ganz lange offen gehalten.“ Bei einem Testspiel gegen Germania Leer vor einem Jahr sei ihm der Modellathlet schon aufgefallen. „Er ist natürlich körperlich unheimlich präsent, fußballerisch sehr ordentlich und kopfballstark“, lobt Emmerling. Bei einem Probetraining beim Regionalligisten Atlas Delmenhorst hat es für Jabbie im Sommer nicht ganz gereicht. Er selber meint, dass er sich in allen Bereichen noch verbessern müsse.
Um dieses Ziel zu erreichen, lebt er fast schon wie ein Profi. Neben den Einheiten mit Kickers treibt er täglich Sport, macht weitere Ausdauereinheiten und geht ins Fitnessstudio. Auch beruflich ist er sportlich unterwegs, betreut er in Groningen einige Kunden als Fitness-Coach. Zudem legt er großen Wert auf seine Ernährung. Dabei helfen kann ihm auch seine Freundin Phinah, die als Köchin arbeitet. „Besonders mag ich aber ihre Nachtische, die sind köstlich“, lacht Jabbie.
Momentan keine Zeit zu reisen
Die Liebe zum Sport hat er von seiner niederländischen Mutter Marjan mitbekommen, die Fußball und Basketball spielte. In die Heimat Gambia seines Vaters Ismael hat er es bisher noch nicht geschafft. „Dieses Land möchte ich in jedem Fall mal näher kennenlernen, schließlich leben dort Verwandte von mir. Dafür möchte ich mir aber auch genügend Zeit nehmen, das ist momentan mit der Fußball-Karriere kaum zu vereinbaren.“
So arbeitet er weiter akribisch an seiner Weiterentwicklung. Ein ehemaliger Mitspieler hatte mal festgestellt, dass ihn Jabbie an den niederländischen Nationalspielers Virgil van Dijk (FC Liverpool) erinnere. „Ohne mich auch nur ansatzweise mit ihm vergleichen zu wollen, gefällt mir seine Spielweise natürlich schon sehr gut“, gesteht Jabbie.
Bis es vielleicht mal soweit ist, steigt er mit Ibrahim Sillah in Groningen weiterhin in den Wagen, dreht den Afrobeat auf und träumt von einer Karriere als Fußballprofi.