Berlin

„Nachrichtenwüste“ USA: Schon 1800 Zeitungen zerstört

Michael Clasen
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Von Michael Clasen
| 01.10.2021 13:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Im massiven Umbruch befindet sich die Medienwelt in den USA. Viele Lokalzeitungen sind vom Markt verschwunden, während einige nationale Titel die Transformation in die digitale Welt schaffen. Foto: imago images/Levine-Roberts
Im massiven Umbruch befindet sich die Medienwelt in den USA. Viele Lokalzeitungen sind vom Markt verschwunden, während einige nationale Titel die Transformation in die digitale Welt schaffen. Foto: imago images/Levine-Roberts
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Bilden die USA von heute das Europa von morgen ab? Für die Medienwelt wäre das fatal. Denn die Lage des Journalismus ist teils dramatisch. Drohen uns in Deutschland auch „Nachrichtenwüsten“ und ein Siegeszug der Fake News?

Der Zustandsbericht von Sarabeth Berman hatte etwas Verstörendes. „Die Krise der Lokalzeitungen in unserem Land bereitet uns sehr, sehr große Sorgen“, sagte die CEO der gemeinnützigen Organisation „American Journalism Project“. „Wir fürchten, dass sie unglaublich perfide Auswirkungen auf die Funktionalität unser Demokratie haben wird“, sagte die US-Expertin in einem Gespräch mit Mathias Döpfner. Der Präsident des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) hatte Berman zum virtuellen Verlegerkongress eingeladen, um über ein brisantes Thema zu sprechen: „USA: Wenn der Lokaljournalismus verschwindet“.

War der Titel zu dramatisch gewählt? Nein, wie Fakten zeigen:

„Nachrichtenwüsten“ seien das, erklärte Berman. „Schockierend“, nannte Döpfner diesen Niedergang. „In diesen Kommunen erhalten die Menschen buchstäblich keine Lokalnachrichten mehr, so dass sie keine Ahnung haben, was in ihrer Umgebung vor sich geht“, sagte Berman. Sie sprach von einem „Marktversagen“. Nach 150 Jahren funktioniere das Geschäftsmodell vieler kleiner Verlage nicht mehr. Ihre Einnahmen hätten zu 80 Prozent aus Werbemitteln, nur zu 20 Prozent aus Abo-Erlösen resultiert. Da die Werbebudgets in den USA stark in die digitale Welt abgewandert seien, gingen viele Verleger Pleite.

Spenden als Rettung?

Ihre gemeinnützige Organisation will nun digitale Lokalnachrichten-Unternehmen unterstützen, die sich mithilfe von Spenden refinanzieren sollen. Zudem setzt sie auf die Großzügigkeit von Philanthropisten, die die kostspielige Berichterstattung subventionieren mögen - „so wie sie es jetzt auch schon bei der Oper oder dem Ballett tun“. Langfristig seien auch Staatshilfen denkbar.

Wie sieht es bei uns aus?

Döpfner machte hier einen grundlegenden strukturellen Unterschied zwischen Deutschland und den USA aus.

Denn hier gibt es in der Tat weiterhin eine große Vielfalt an starken regionalen und lokalen Verlagen, die teils kräftig expandieren. Und zweitens haben sich die hiesigen Medienhäuser traditionell und erfolgreich an Abo-Modellen orientiert, die sich nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer auch in der digitalen Welt in Deutschland durchsetzen werden.

Journalismus wichtig für die Demokratie?

So unterschiedlich die Ausgangslage und Geschäftsmodelle sind, so einig waren sich beide in der Bewertung der gesellschaftlichen Bedeutung von Journalismus im Kampf gegen Fake News - zumal die Algorithmen der Soziale Medien darauf ausgerichtet seien, Falschinformationen zu verbreiten, wie Berman meinte. Döpfner betonte unter dem zustimmenden Nicken der US-Expertin am Ende: „Lokalnachrichten sind für eine Demokratie eine wesentliche Einrichtung.“

Was meinen Sie: Wie wichtig ist ein unabhängiger Journalismus für unser Gemeinwesen? 

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