Osnabrück
Christoph Waltz wird 65: Wiener Charme in Hollywood
Über Nacht ein Superstar: Zum 65. Geburtstag von Christoph Waltz spendiert Arte dem österreichischen Schauspieler einen Themenabend. Wie Christopher Waltz zum internationalen Star wurde.
Am 20. Mai 2009 erlebte das Premierenpublikum in Cannes die Geburt eines neuen Weltstars. Und dass obwohl der Betreffende da bereits 52 Jahre alt und seit 32 Jahren in Film, Fernsehen und Theater präsent war. Sein Name: Christoph Waltz.
Und in der Tat: Schon die ersten zwanzig Minuten des Quentin Tarantino-Films „Inglourious Basterds“ bieten Waltz Gelegenheit, grandiose Feinheiten in seine Rolle einzubringen. Als polyglotter, distinguiert auftretender und eloquenter SS-Mann Hans Landa spielt er ein perfides Spiel mit einem französischen Bauern. Der hält unter den Dielen seines Hauses Juden versteckt. Mit geradezu sadistischer Freude bringt es Landa fertig, das Versteck ausfindig zu machen und fast eine gesamte Familie brutal zu töten. Allein schon wegen dieser Szene, schaffte es Christoph Waltz in das Gedächtnis des Publikums zu spielen. Unvergessen sind aber auch seine anderen Auftritte im Film: Sein stets hinter einem Lächeln verborgener Sadismus, aber auch seine grausame Bestrafung.
Dabei ist klar: Mit Waltz steht und fällt der Film. Da helfen auch die (allesamt guten) Co-Stars wenig - darunter Brad Pitt, Mèlanie Laurent und Michael Fassbender. Der Lohn für diese Rolle waren unter anderem eine Palme in Cannes, ein Golden Globe und ein Oscar.
Später Erfolg
Doch warum wurde Waltz erst so spät als schauspielerisches Genie wahrgenommen? Schließlich stammt er aus einer bekannten Wiener Künstlerfamilie. Seine Vorfahren waren Bühnendekorateure, Freud-Schüler, Komponisten und Schauspieler; Oscar- und Cannes-Preisträger Michael Haneke ist sein Halbbruder. 1977 stand er bereits noch als Student des Max-Reinhardt-Seminars in „Der Einstand“ vor der Kamera.
Zuerst wurde er aber trotz Talent, in Krimiserien wie „Der Alte“, „Derrick“ „Rosa Roth“ oder „Kommissar Rex“ verheizt. Lediglich durch die Titelrolle in „Du bist nicht allein - Die Roy Black-Story“ (1996) wurde Waltz etwas bekannter. Bis schließlich ein Anruf aus Hollywood alles änderte.
Gefeierter Hollywood-Schauspieler
Mit „Inglourious Basterds“ im Rücken spielte Christoph Waltz 2012 erneut bei Tarantino, diesmal in der Italowestern-Hommage „Django Unchained“. Einen Kopfgeldjäger gebend, erhielt er dafür einen zweiten Oscar. Spätestens jetzt galt: Waltz war im Kino-Olymp angekommen.
Seitdem tritt Waltz in vielen internationalen Produktionen auf, spielte zweimal den Bond-Bösewicht, in „Spectre“ (2015) sowie im neuesten 007-Abenteuer „Keine Zeit zu sterben“, gab in Roman Polanskis „Gott des Gemetzels“ (2011) einen zynischen Anwalt, spielte in Tim Burtons „Big Eyes“ von 2014 (Sonntag, 20.15 Uhr auf Arte) einen Plagiatskünstler, während sich das deutsche Publikum auf seine Rollen im kommenden Woody Allen-Film „Rifkin’s Festival“ (als „Tod“) und in Wes Andersons „The French Dispatch“ freuen darf. Daneben finden Waltz' Opern-Inszenierungen, ebenso wie eine Auftritte im US-Fernsehen, etwa in der Selbstparodie „Der Humpink“ viel Beachtung..
Themenabend auf Arte
Arte zieht die Feiern zum 65. Geburtstag von Waltz am Montag bereits auf den Sonntag mit einem Themenabend vor. Darin ist auch die Dokumentation „Christoph Waltz: Der Charme des Bösen“ (21.55 Uhr) zu sehen. Ein irreführender Titel: Denn auch wenn die Rolle als Nazi ihm späten Ruhm einbrachte - Multitalent Waltz kann mehr. Er ist ein Schauspieler mit enormer Bandbreite. Was Deutschland und Österreich bislang nicht erkannten, Hollywood aber bewies.
So., 3. 10., ab 20.15 Uhr, Arte: Thema: „Ein Abend mit Christoph Waltz“