Affären
Klinikchef lässt Kritik des Gutachters abperlen
Anfang des Jahres stand Klinikchef Claus Eppmann im Kreuzfeuer der Kritik. Am Donnerstag ging er im Auricher Kreistag darauf ein – und zeigte sich weitgehend unbeeindruckt. Selbstkritik blieb aus.
Aurich - Impfaffäre? Welche Impfaffäre? Claus Eppmann, Chef der Kliniken in Aurich, Emden und Norden, hat die Kritik des Gutachters weitgehend abperlen lassen. Am Donnerstag sprach der Geschäftsführer der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden in einer Sitzung des Auricher Kreistags über die Organisation der bestehenden Krankenhäuser.
Dabei ging er auf das Gutachten von Professor Dr. Martin Rehborn (Dortmund) ein. Der Fachanwalt für Medizinrecht hatte im Frühjahr die Vorgänge rund um die vorzeitige Impfung Eppmanns untersucht. Der Klinikchef hatte sich im Januar gegen Covid-19 impfen lassen, obwohl er laut Corona-Impfverordnung nicht an der Reihe gewesen wäre – was Rehborn als rechtswidrig bezeichnete.
„Wir sind schließlich eine GmbH“
Rehborn hatte den Kliniken in diesem Zusammenhang eine „unzureichende Organisation“ bescheinigt. Die Unternehmenskommunikation müsse „zwingend“ verbessert werden. Innerhalb der Geschäftsleitung fehlten eine klare Abgrenzung der Tätigkeitsbereiche und eine Vertretungsregelung. Davon zeigte sich Eppmann am Donnerstag weitgehend unbeeindruckt. Die Vertretungsregelungen entsprächen den gesetzlichen Vorschriften und seien in der Geschäftsordnung hinterlegt. „Wir sind schließlich eine GmbH.“
Man habe zwar Hinweise des Gutachters berücksichtigt, doch die Kritik sei zum Teil unberechtigt: „Da möchte ich in aller Deutlichkeit widersprechen.“ Es gebe sehr wohl klare Vertretungsregelungen. In Abwesenheit der medizinischen Geschäftsführerin Dr. Astrid Gesang entscheide der ärztliche Direktor Dr. Christoph Schöttes über medizinische und pflegerische Belange.
Ein dritter Geschäftsführer kommt dazu
Gleichwohl seien er und seine Kollegin Gesang „sehr froh“, dass bald ein dritter Geschäftsführer dazustoßen werde, sagte Eppmann. Die Suche ist nach Angaben von Landrat Olaf Meinen (parteilos) weit gediehen. Es habe zwölf Bewerbungen gegeben. Eine Frau und drei Männer seien in die engere Auswahl gekommen. Für die erste Novemberhälfte seien abschließende Vorstellungsgespräche geplant. Die Gesellschafterversammlung der Kliniken müsse dann entscheiden. Dieses Gremium besteht aus je zwei Abgeordneten des Auricher Kreistags und des Emder Rats sowie Landrat Meinen und Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos).
Der dritte Geschäftsführer wird für den kaufmännischen und administrativen Part der bestehenden Krankenhäuser zuständig sein. Eppmann soll sich auf die Planung der gemeinsamen Zentralklinik in Südbrookmerland konzentrieren. Sie ersetzt die drei bestehenden Kliniken.
„Ich hätte mir etwas mehr Selbstkritik gewünscht“
Die Kreistagsabgeordnete Gila Altmann (Grüne) zeigte sich unzufrieden mit Eppmanns Ausführungen: „Führung und Strukturen sind immer so gut, wie sie sich im Stress behaupten.“ Den Stresstest des „Impfdebakels“, so Altmann, habe die Geschäftsführung der Kliniken nicht bestanden. Da stelle sich die Frage, was sich seitdem geändert habe. „Ich hätte mir klarere Aussagen und etwas mehr Selbstkritik gewünscht.“
Eppmann entgegnete, dass er sich zur Impfaffäre nicht mehr äußern werde. „Das ist vollkommen klar.“ Gegenüber dem Aufsichtsrat der Kliniken habe er zu dem Rehborn-Gutachten ausführlich Stellung genommen, auch zu der Frage, an welchen Stellen es zu „Nachsteuerungen“ gekommen sei. Eine klare Aufgabenabgrenzung habe es jedoch „schon immer gegeben“, betonte Eppmann. Die interne Kommunikation werde kontinuierlich verbessert. Das Unternehmen sei „nicht in einer desolaten Form aufgestellt, ganz im Gegenteil“. Der Klinikchef trat Gerüchten entgegen, wonach am Klinikstandort Norden das Angebot heruntergefahren werden solle. „Wir brauchen den Standort Norden bis zur Eröffnung der Zentralklinik.“
Die größte Herausforderung sieht Eppmann im Wettbewerb um Ärzte und Pflegekräfte. Die jetzige Geschäftsführung hat außerdem mit Altlasten ihrer Vorgänger zu kämpfen. So kann in Aurich nicht selbst gekocht werden, weil die Ubbo-Emmius-Klinik einen Vertrag mit dem Auricher Caterer Ostfriesische Frischmenü (OFM) abgeschlossen hat, der bis 2031 läuft. „Ein einseitig begünstigender Vertrag“, wie Landrat Meinen sagte. In der Zentralklinik werde es jedoch eine eigene Frischküche geben, sagte Eppmann.
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