Koalitionen
CDU nur noch zweite Wahl
Grüne und FDP sind die Kanzlermacher bei den jetzt beginnenden Sondierungsgesprächen in Berlin. Doch spielt auch eine große Rolle, in welchem Zustand Union und SPD gerade sind.
Fest steht: SPD, Grüne und FDP sind die Gewinner der Bundestagswahl. Alle drei sind stärker geworden. Daraus können sie einen Regierungsauftrag ableiten. Die Union hat dagegen viele Prozentpunkte und ihre Position als stärkste Kraft eingebüßt. Das war mehr als ein Denkzettel, das war ein Desaster. Ein Regierungsauftrag lässt sich daraus nicht konstruieren. Nüchtern betrachtet ist die Union zweite Wahl, eine Kandidatin für den Fall, dass es mit der SPD nicht klappt. Auch CSU-Chef Söder hat das eingestanden.
Das war ehrlich von Söder, aber zugleich auch eine Spitze gegen den glücklosen Laschet, dem er bei der Kanzlerkandidatur den Vortritt lassen musste. Damit eröffnet sich ein weiteres Problemfeld: Die Union ist alles andere als einig, wie sie mit dem Wahlergebnis umgehen soll. Und der CDU-Vorsitzende Laschet hält sich nur noch mühsam an der Parteispitze. Hinzu kommt, dass Markus Söder in zwei Jahren schwierige Landtagswahlen zu bestehen hat und die CSU für spektakuläre Profilierungsversuche auch zu Lasten der Schwesterpartei bekannt ist – ein weiteres schwer kalkulierbares Risiko mit Blick auf eine Jamaika-Koalition.
Fazit: Die Union ist aktuell keine besonders attraktive Braut. Sie müsste Grünen und FDP inhaltlich schon sehr weit entgegenkommen, wenn sie zum Zuge kommen will. Das wiederum birgt die Gefahr, dass sie allzu viele Positionen räumen muss – und damit riskiert, noch mehr Anhänger zu verlieren. Wäre es da nicht besser, in die Opposition zu gehen?
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