Osnabrück
Sondierungen: Warum die Union nur zweite Wahl ist
Grüne und FDP sind die Kanzlermacher bei den jetzt beginnenden Sondierungsgesprächen in Berlin. Doch spielt auch eine große Rolle, in welchem Zustand Union und SPD gerade sind. Eine Partei hat da ein Problem.
Union oder SPD? Für wen sollen sich Grüne und FDP bei den jetzt beginnenden Sondierungen entscheiden? Klar, es geht um Inhalte und die Signale, die vom Wahlergebnis ausgehen. Es geht aber auch darum, einen verlässlichen Regierungspartner zu finden, der unbelastet von internen Problemen anpacken kann. .
Fest steht: SPD, Grüne und FDP sind die Gewinner der Bundestagswahl. Alle drei sind stärker geworden, zwei von ihnen haben besonders stark zugelegt. Daraus können sie einen Regierungsauftrag ableiten. Die Union hat dagegen 8,9 Prozentpunkte und ihre Position als stärkste Kraft im Bundestag eingebüßt. Das war mehr als ein Denkzettel, das war ein Desaster. Ein Regierungsauftrag lässt sich daraus nicht konstruieren. Nüchtern betrachtet ist die Union zweite Wahl, eine Kandidatin für den Fall, dass es mit der SPD nicht klappt. Auch CSU-Chef Markus Söder hat das offen eingestanden.
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Das war ehrlich von Söder, aber zugleich auch eine Spitze gegen den glücklosen Armin Laschet, dem er bei der Kanzlerkandidatur den Vortritt lassen musste. Damit eröffnet sich ein weiteres Problemfeld: Die Union ist alles andere als einig, wie sie mit dem Wahlergebnis umgehen soll. Und der CDU-Vorsitzende Laschet, den nicht nur der CSU-Amtskollege für den falschen Kandidaten gehalten hat, hält sich nur noch mühsam an der Parteispitze. Hinzu kommt, dass Markus Söder in zwei Jahren schwierige Landtagswahlen zu bestehen hat und die CSU für spektakuläre Profilierungsversuche auch zu Lasten der Schwesterpartei bekannt ist - ein weiteres schwer kalkulierbares Risiko mit Blick auf eine Jamaika-Koalition.
Fazit: Die Union ist aktuell keine besonders attraktive Braut. Sie müsste Grünen und FDP inhaltlich schon sehr weit entgegenkommen, wenn sie zum Zuge kommen will. Das wiederum birgt die Gefahr, dass sie allzu viele Positionen räumen muss - und damit riskiert, noch mehr Anhänger zu verlieren. Wäre es da nicht besser, in die Opposition zu gehen?