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„Wir wollen möglichst alle Familien in Emden erreichen“

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 30.09.2021 16:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieser Aufdruck ziert den Body, der im Geschenkebeutel der Stadt für die neugeborenen Emderinnen und Emder enthalten ist. Foto: Hanssen
Dieser Aufdruck ziert den Body, der im Geschenkebeutel der Stadt für die neugeborenen Emderinnen und Emder enthalten ist. Foto: Hanssen
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Die Emder Geburtsstation ist seit März geschlossen. Die Stadtverwaltung hat seitdem daran gearbeitet, wie Neugeborene und ihre Familien dennoch erreicht werden können. Jetzt gibt es Geschenke.

Emden - Emder Babys sollen jetzt wieder richtig begrüßt werden. Das kündigte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) am Mittwoch im Pressegespräch an. Seit Schließung der Geburtsstation im März sei der erste Kontakt der frischgebackenen Eltern mit der Stadt meist die Abholung von Windelsäcken gewesen. Das sei problematisch aus zwei Gründen: Zum einen könne die Verwaltung nicht ihre Wertschätzung gegenüber dem Neubürger oder der Neubürgerin ausdrücken. Zum anderen „wollen wir möglichst früh Unterstützung anbieten“, so Kruithoff. „Wir wollen möglichst alle Familien in Emden erreichen“, betonte auch die Gleichstellungsbeauftragte Okka Fekken.

Schwangerschaft,.Geburt und die ersten Monate mit Baby können eine große Herausforderung sein. Symbolbild: Pixabay
Schwangerschaft,.Geburt und die ersten Monate mit Baby können eine große Herausforderung sein. Symbolbild: Pixabay
Als es die Emder Geburtsstation noch gab, hätten dort rund 90 Prozent der Stadtbewohnerinnen auch entbunden, sagte er. Soziale Dienste konnten so sofort bei Bedarf Kontakt zu den Müttern aufnehmen, Grußworte der Verwaltung und Willkommenspakete etwa vom Emder Kinderschutzbund direkt übergeben werden. Jetzt werden Emder Babys in Leer geboren, in Aurich, Westerstede oder Oldenburg. Die Eltern melden sie im Standesamt der jeweiligen Stadt an und das fließt automatisch in die Einwohnerstatistik Emdens, erklärte Thomas Sprengelmeyer, Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule und Sport der Stadt. Einen Kontakt zu den Familien aufzubauen und diesen gegebenenfalls in Notsituationen zu helfen, erweist sich damit als schwierig.

Hilfsbedarf der Eltern ist groß

Nun wurde ein neuer Besuchsdienst in Kooperation mit der evangelischen Familien-Bildungsstätte (Fabi) eingerichtet, der ab dem 1. Oktober startet. Und der funktioniert so: Wenn in der Einwohnerstatistik ein Neugeborenes vermerkt wird, erhalten die Eltern des Babys einen Begrüßungsbrief vom Oberbürgermeister. Darin ist auch schon ein Termin angegeben, zu dem eine der beiden Fabi-Mitarbeiterinnen Kaarina Siekmann und Juliane Seifert die Familie zu Hause besucht. Diese „Kinnertied“-Besuche finden fünf bis sechs Wochen nach der Geburt statt. Wer darauf verzichten möchte, den Termin verschieben oder lieber in der Fabi vorbeikommen will, meldet sich bei dem Dienst. Findet der Besuch statt, übergeben die beiden Fachkräfte zum einen einen Geschenkbeutel der Stadt etwa mit Spielzeug, Büchern und einem Body mit dem Aufdruck „Herzlich Willkommen, Emder Küstenkind“ und stellen zum anderen auch schon das vorhandene Hilfsangebot vor.

Der neue Besuchsdienst „Kinnertied“ möchte durch das Übergeben der Stadt-Geschenke leichter mit Eltern ins Gespräch kommen. Foto: Hanssen
Der neue Besuchsdienst „Kinnertied“ möchte durch das Übergeben der Stadt-Geschenke leichter mit Eltern ins Gespräch kommen. Foto: Hanssen
Der Bedarf sei groß, sagte Fabi-Leiter Carsten Bergstedt. Das merke er an der Nachfrage der Fabi-Angebote im frühkindlichen Bereich. „Eltern wissen häufig die einfachsten Dinge nicht mehr“, meint er. Das sei auch gesellschaftlich bedingt: „Großeltern brechen weg.“ Mit dem Besuchsdienst „Kinnertied“ wolle man es den Eltern erleichtern, niedrigschwellig um Rat und Infos zu bitten, so Siekmann. Sie und Seifert seien nicht nur fachlich geschult, sondern auch selbst Mütter und entsprechend empathisch. Seien Sprachbarrieren vorhanden, könnten Dolmetscher den Besuch begleiten.

Auch hat die Stadt auf ihrer Webseite einen neuen Bereich eingerichtet, der mit „Rund um die Geburt“ beschrieben ist. Dort finden Eltern nicht nur einen ausführlichen „Schwangerenwegweiser“, sondern auch Hinweise zur Offenen Hebammensprechstunde, dem Angebot der Villa am Ring und anderen Anlaufstellen. Eine weitere Neuerung: Die Windelsäcke können jetzt nicht mehr im Bürgerbüro abgeholt werden, sondern nur noch im Verwaltungsgebäude III, Maria-Wilts-Straße 3. Dort kämen Eltern – anders als im Bürgerbüro – schnell an die Reihe und könnten vor Ort schon erste Fragen rund um die Geburt ansprechen.

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