Osnabrück/Utrecht

Osnabrücker Ermittlern gelingt Schlag gegen Geldautomatensprenger

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Von noz.de
| 30.09.2021 07:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Schüttorf wurde auch Geldautomat gesprengt – auch diese Tat schreiben die Ermittler der Bande zu. (Archivfoto) Foto: NWM-TV
In Schüttorf wurde auch Geldautomat gesprengt – auch diese Tat schreiben die Ermittler der Bande zu. (Archivfoto) Foto: NWM-TV
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Im Kampf gegen Geldautomatensprenger sind am Dienstag in den Niederlanden drei Männer verhaftet worden. Sie sollen nach Deutschland ausgeliefert werden. Die Bande soll in Utrecht gar ein Trainingszentrum eingerichtet haben.

In einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe aus Staatsanwaltschaft und Zentraler Kriminalinspektion Osnabrück auf deutscher Seite sowie Staatsanwaltschaft und Polizei Utrecht auf niederländischer Seite sei es nun gelungen, die drei Tatverdächtigen bei sieben Durchsuchungen zu verhaften. Die Dursuchungen hatten im Dreieck Amsterdam, Utrecht und Den Haag stattgefunden, teilte die Osnabrücker Polizeidirektion am Donnerstagmorgen mit.

Bei den Durchsuchungen fand die Polizei mehr als 20 elektronische Kommunikationsgeräte, zahlreiche Datenträger und Speichermedien, Täterbekleidung, Tatwerkzeug und Tatmittel, darunter ein Fahrzeug und Sprengutensilien. Auch eine Geldzählmaschine, 3500 Euro Bargeld sowie ein mobiles Blaulicht stellten die Beamten sicher.

Anderthalb Jahre Ermittlungen

Gemeinsam ermittelten die Strafverfolgungsbehörden beider Länder rund eineinhalb Jahre verdeckt gegen verschiedene Täterbanden mit wechselseitigen Beziehungen. Insgesamt ermittelten die Behörden 23 Beschuldigte. Ihnen werfen sie bundesweit 15 Geldausgabeautomatensprengungen vor. Neben den erbeuteten Geldmengen gehen die Sachschäden in die Millionen.

Die Sprengungen ereigneten sich allesamt im Jahr 2020 in sechs Bundesländern - vom hohen Norden bis tief in den Südens Deutschlands. Die betroffenen Städte waren Selfkant, Köln, Aachen, Düsseldorf, Herzogenrath, Wachtendonk, Geldern, Alpen (Nordrhein-Westfallen), Itterbeck, Schüttorf (Niedersachsen), zwei Taten in Plochingen (Baden-Württemberg), Zeitz (Sachsen-Anhalt), Elmshorn (Schleswig-Holstein), und Nittenau (Bayern).

Geldautomaten in Deutschland gekauft

Im Februar 2020 hatten die Ermittlungen der Osnabrücker Strafverfolgungsbehörden gegen eine Tätergruppierung aus Utrecht wegen des Verdachts der Vorbereitung einer Sprengstoffexplosion sowie Verabredung zum Verbrechen begonnen. Ein 29-jähriger Beschuldigter hatte bei einer im Osnabrücker Raum ansässigen Firma Geldautomaten in die Niederlande bestellt - unter dem Vorwand der künstlerischen Nutzung. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück vermutete - aufgrund weiterer Unregelmäßigkeiten in dem Bestellvorgang - dass die Geldautomaten nicht künstlerisch genutzt werden sollten.

Sprengungen in den Niederlanden trainiert

In der Tat sollen der 29-jährige Besteller und ein 24-jähriger Beschuldigten Geldautomaten genutzt haben, um die Sprengung - unter anderem im Bundesgebiet - zu trainieren. Da sich der Schwerpunkt der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Osnabrück in den Niederlanden befand, bildeten beide Länder unter Beteiligung von Eurojust und Europol eine gemeinsame Ermittlungsgruppe. So wurde herausgefunden, dass die Bande sogar ein Trainingszentrum in Utrecht eingerichtet hatten, in dem an verschiedenen Geldausgabegeräten Sprengungen getestet wurden.

Die drei Männer befinden sich derzeit in Untersuchungshaft in den Niederlanden und sollen nach Deutschland ausgeliefert werden. Insgesamt befinden sich im Zusammenhang mit dem Verfahrenskomplex neun Beschuldigte in Untersuchungshaft. Unterstützt wurden die deutschen und niederländischen Ermittler durch die EU-Organisationen Eurojust und Europol aus Den Haag und der niederländischen Polizei.

Pistorius will „eine Art europäisches FBI“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius zeigt sich erfreut über die Festnahmen. „Das ist ein großer Erfolg! Ich setze mich seit Jahren dafür ein, dass die Zusammenarbeit innerhalb der nationalen Polizeibehörden immer besser wird und wir Europol mittelfristig zu einer Art europäischem FBI ausbauen müssen, irgendwann auch mit operativen Befugnissen“, teilte der SPD-Minister mit. Daher werde er sich als Co-Vorsitzender des Europol-Kontrollgremiums weiter intensiv dafür einsetzten, dass Europol mehr Kompetenzen und Mittel erhalte.

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