Kiel
Tornado an der Kiellinie reißt Menschen ins Wasser – mehrere Schwerverletzte
Im schleswig-holsteinischen Kiel sind am Mittwochnachmittag sieben Menschen durch das plötzliche Auftreten eines Tornados verletzt worden.
Seine Wucht entfaltete der Sturm an der sogenannten Kiellinie, eine Promenade in der Landeshauptstadt. Vier Passanten seien leicht, drei schwer verletzt worden, sagte ein Sprecher. Sie seien in umliegende Krankenhäuser transportiert worden. Auch habe es mehrere Leichtverletzte gegeben. Der Einsatz war gegen 19.45 Uhr beendet. Nach Angaben der Feuerwehr wurden zudem aus anderen Kieler Stadtteilen Schäden gemeldet.
Tornado verlagerte sich in Richtung Ostufer
Erste Meldungen über das Wetterphänomen bekam die Polizei um 17.53 Uhr. Demnach habe sich die Windhose von der Kiellinie in Richtung Ostufer verlagert.
Zuvor hat sie in Höhe des Geomar mehrere Menschen ins Wasser gerissen. Diese waren auf einem dortigen Steg mit ihrem Ruderboot beschäftigt. Die Wucht des Windes riss die Menschen ins Wasser. Auch das Boot wurde dabei beschädigt. Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Personen hätten das Boot sichern wollen. „Sie sind vollständig durcheinander gewirbelt worden und dabei sind auch Leute ins Wasser gefallen“, so der Sprecher. Auf Bildern ist zu sehen, dass das Boot vor allem im hinteren teil zerbrochen ist.
Schäden in weiteren Kieler Stadtteilen
In Meimersdorf wurden mehrere Dächer durch das Wetterphänomen teilweise abgedeckt. Auch im Stadtteil Moorsee war die Wucht noch zu spüren. In Sozialen Netzwerken berichten Anwohner, dass Baumaterialien durch die Luft geschleudert wurden. In Kiel-Gaarden seien Ziegel von Dächern gerissen worden.
Zwei Stunden später erinnert nur noch eine große umgestürzte Birke am Geomar an das Wetterereignis. Einsatzkräfte haben den Bereich mit Flatterband abgesperrt. Die Birke hat beim Umfallen allerdings den Zaun zur Kiellinie in Mitleidenschaft gezogen.
Ansonsten deutet nichts mehr auf die zerstörerische Wirkung hin. Neben mehreren Joggern, die ihre Feierabendrunde drehen, sind auch noch einige Menschen auf e-Scootern unterwegs. Die Stimmung ist gelöst. Nur am Landtag standen zwei Passanten irritiert an einem umgestürzten Bauzaun.
Der Facebook-Kanal Wetterwarnungen Norddeutschland veröffentlichte ein Video des Tornados. Auch auf Twitter teilen Menschen Videos von dem Wetterphänomen:
Tornados zu dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich
Auch Meteorologe Sebastian Wache bestätigte unserer Redaktion den Vorfall. Da Luft und Wasser noch sehr warm sind, sei ein Tornado zu dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Noch ist unklar, ob der Luftwirbel Bodenkontakt hatte. „Erst dann sprechen wir von einer Windhose oder Wasserhose. Ansonsten von einer Trombe“, sagt Wache in einer ersten Einschätzung kurz nach Bekanntwerden. Den letzten Tornado habe es in den 70er Jahren auf Kieler Stadtgebiet gegeben.
„Auf Grundlage von Bildern gehen wir davon aus, dass es sich um einen Tornado handelte“, sagte Michael Bauditz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Endgültig könne er es noch nicht sagen.
Die Windhose entstand vermutlich, weil kalte Luftmassen aus dem Norden auf warme Luft über Kiel trafen. Dadurch haben sich schwere, tiefschwarze Gewitterwolken gebildet. Als dann Winde aus unterschiedlichen Richtungen auf die Wolkenmassen trafen, bildete sich der charakteristische runde Zylinder.
SMS schreckt Kiels Oberbürgermeister auf
Der Vorsitzende des Ersten Kieler Ruder-Clubs von 1862, Bernd Klose, sagte: „Es sind Menschen betroffen. Das ist traurig.“ Rund um den Verein erinnerten am späten Abend ein umgestürzter Baum, abgerissene Äste oder ein umgekippter Müllbehälter an das heftige Ereignis. „Da ist viel durch die Gegend geflogen“, sagte ein Mitarbeiter eines nahen Lokals. „Das hat alle emotional mitgenommen.“
Zum Zeitpunkt des Vorfalls saß Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) im Wirtschaftsausschuss der Stadt und erfuhr durch eine SMS der Feuerwehr von dem Sturm. Kurz danach habe er eine Kurznachricht seines Sohnes erhalten, der auf dem Weg zum Rudertraining bei dem Club war, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Sein Sohn habe Glück gehabt, sei erst wenige Augenblicke nach dem Tornado dort eingetroffen. „Da sieht man, wie schnell sowas geht“, sagte der Verwaltungschef. Er sprach der Feuerwehr und den Rettungskräften seinen großen Dank aus.
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