Mobilität
So viel zahlen Insulaner für die Überfahrten
Die Fährpreise zu den Ostfriesischen Inseln sind saftig. Für Insulaner gelten deswegen kräftig ermäßigte Sondertarife. Im Vergleich zum niederländischen Westfriesland sind die immer noch hoch.
Ostfriesland - Wer zu den Ostfriesischen Inseln oder von dort ans Festland fahren möchte, muss tief in die Tasche greifen. Ein Beispiel: Zwei Erwachsene, die einen Tag auf Spiekeroog verbringen möchten und ihre Fahrräder auf der Fähre mitnehmen, zahlen derzeit 153 Euro. Im Preis ist der Gästebeitrag von zehn Euro pro Person enthalten. Wer sein Ticket mindestens einen Tag vorab über das Internet bucht, bekommt einen Erlass von 15 Prozent. Teuer bleibt es trotzdem: Unter 131,50 Euro ist die Fahrt für das Paar mit seinen Rädern nicht zu bekommen.
Was und warum
Darum geht es: Wie teuer ist das Leben auf den Ostfriesischen Inseln?
Vor allem interessant für: Insulanerinnen und Insulaner sowie diejenigen in Ostfriesland, die sich für die Inselkette vor ihrer Küste interessieren
Deshalb berichten wir: Ein Leser hat die Redaktion auf die horrenden Fährpreise zu den Ostfriesischen Inseln hingewiesen. Wir haben die Anmerkung aufgegriffen und wollten einerseits wissen, welche Preise für die gelten, die auf den Inseln leben, und andererseits, wie der Vergleich zu den Westfriesischen Inseln in den Niederlanden ausfällt. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Gemessen an der Erreichbarkeit ist Spiekeroog die mit Abstand teuerste aller sieben Ostfriesischen Inseln. Norderney kostet weniger. Um beim Beispiel zu bleiben: Zwei Erwachsene zahlen mit ihren Rädern inklusive des Gästebeitrages 74 Euro für das Tagesticket dorthin oder von dort. Günstiger geht es weder nach Borkum, Juist oder Baltrum noch nach Langeoog oder Wangerooge. Ein Grund für die im Vergleich moderateren Preise ist die Unabhängigkeit Norderneys von der Tide. Dadurch können Fähren regelmäßig und vor allem häufiger fahren. Das wiederum ermöglicht höhere Passagierzahlen, die den Preis für jedes einzelne Ticket drücken.
Sonderkonditionen für Insulaner
Besucher vom Festland mögen frei entscheiden können, ob sie bereits sind, diese Preise zu zahlen. Was aber ist mit denen, die auf der Insel leben und auf die Verbindungen der Reedereien angewiesen sind? Eine Umfrage bei verschiedenen Fährbetrieben und Inseln ergibt: Fast alle bieten Vielfahrern und Insulanern deutlich ermäßigte Sonderkonditionen an. Es hängt nur niemand gerne an die große Glocke. Dahinter dürfte die Sorge vor einer möglichen Neiddebatte stehen.
Die Reederei Frisia-Norden, die als Aktiengesellschaft (AG) neben Norderney auch Juist bedient, verlangt von denen, die ihren Hauptsitz auf den Inseln haben, „ungefähr die Hälfte des regulären Fahrpreises“, so Fred Meyer. Er ist Sprecher des Unternehmens. So wie bei der AG Frisia-Norden gebe es „auf allen Inseln“ Vereinbarungen mit den Insulanern, die oft schon vor vielen Jahren getroffen worden seien. Meyer spricht von „gewachsenen Tarifen“. Weil die Fährverbindungen in Ostfriesland nicht als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs anerkannt sind, gebe es keinerlei staatliche Subventionen für Insulaner oder die Reedereien.
44,80 Euro pro Fahrrad
Die hohen Preise für die Fahrt von oder nach Spiekeroog erklärt Ansgar Ohmes mit den Kosten für Betriebsstoffe und Personal. Dazu kämen „politische Entscheidungen“, so der Geschäftsführer der Nordseebad Spiekeroog GmbH, einer gemeindeeigenen Gesellschaft, die auch den Fährverkehr abwickelt. So habe der Gemeinderat die Preise für eine Fahrradmitnahme bewusst hoch angesetzt, um Gäste davon abzubringen, mit dem Rad auf die Insel zu kommen. „Das soll gering gehalten werden“, sagt Ohmes. Spiekeroog sei „zu eng“ und habe lediglich 14,5 Straßenkilometer. Wer dennoch nicht verzichten möchte, zahlt auf der Fähre stolze 44,80 Euro pro Rad.
Um die Insulaner und vor allem Schülerinnen und Schüler zu entlasten, die regelmäßig zum Festland pendeln, bietet die Gemeinde Jahreskarten an. Für 390 Euro können Besitzer beliebig oft innerhalb eines Jahres fahren, für Kinder und Schüler beträgt die Gebühr 195 Euro. Ein einzelnes Hin- und Rückfahrticket kostet Erwachsene mit einem Hauptwohnsitz auf Spiekeroog höchstens 24,10 Euro, so Ohmes.
Für 2,50 Euro nach Texel und zurück
Erheblich weniger ist es auf westfriesischen Inseln wie Schiermonnikoog in den Niederlanden. Die Überfahrt nach Lauwersoog, die mit 45 Minuten ebenso lange dauert wie die Strecke Spiekeroog – Neuharlingersiel, kostet Bewohnerinnen wie Marijke Barhorst fünf Euro – für die Hin- und Rückfahrt. Barhorst lebt und arbeitet auf Schiermonnikoog. Für Festlandsbesuche ist sie auf die Dienste der privaten Reederei Wagenborg angewiesen. Ein Erwachsenen-Paar, das ohne Insulaner-Rabbat nach Schiermonnikoog reist und die Räder dabei hat, bezahlt für den gleichen Service insgesamt 55,30 Euro. Auf Nachfrage beim Fährbetreiber heißt es, dass es keine staatlichen Zuschüsse für diese Preise gebe.
Am eklatantesten fällt der Vergleich mit der Insel Texel aus. Die 20-minütige Überfahrt mit dem von Insulanern gegründeten Unternehmen Teso kostet einen einzelnen Erwachsenen 2,50 Euro. Das Rückfahrticket ist im Preis inbegriffen. Während zwei Erwachsene mit dem Rad auf den Ostfriesischen Inseln im günstigsten Fall 74 Euro berappen müssen, kommen auf Texel gerade einmal 15 Euro zusammen.
Der Grund für den großen Unterschied
Der große Unterschied zu Ostfriesland lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass der Fährverkehr zu den Westfriesischen Inseln als Binnenfahrt gilt, heißt es sowohl beim Anbieter Teso als auch von Ansgar Ohmes auf Spiekeroog. Diese staatliche Regelung habe andere Vorschriften bei der Klassifizierung der eingesetzten Schiffe und bei den Auflagen zum Personal an Bord zur Folge, so Ohmes. Unter dem Strich ist der Fährbetrieb zu den Ostfriesischen Inseln deutlich teurer.
Ab dem 1. November sollen die Preise für die Überfahrt von und nach Spiekeroog übrigens um etwa 20 Prozent fallen, kündigt der Geschäftsführer des Nordseebades an. Grund: Wegen massiver Umsatzeinbußen durch die Corona-Pandemie hatte sich die Gesellschaft gezwungen gesehen, die Ticketpreise anzuziehen. Diese Anhebung werde nun rückgängig gemacht.