Hannover
Niedersachsen will bis Ende Herbst Herdenimmunität erreichen
Nach den Herbstferien gehen mobile Impfteams an die Schulen und in die Unis. Auch Pflegepersonal soll gezielt angesprochen werden. Volle Stadien und eine Impfpflicht lehnt das Land weiterhin ab - noch.
Das Land Niedersachsen will im Kampf gegen Corona „so schnell wie möglich“ eine Herdenimmunität erlangen. „Bis Ende Herbst wollen wir dieses Ziel erreicht haben“, sagte die stellvertretende Krisenstabsleiterin Claudia Schröder am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) lag die Quote der vollständig geimpften Menschen in Niedersachsen am Dienstag bei 66,4 Prozent und damit leicht über dem Bundesschnitt von 64,1 Prozent. Schlusslicht ist Sachsen mit 54,5 Prozent, der bundesweite Spitzenreiter heißt Bremen mit fast 75 Prozent. Laut Schröder kann man ab einer Impfquote von 80 Prozent von Herdenimmunität sprechen, besser aber noch sei eine Impfquote um die 85 Prozent.
Direkt nach den Herbstferien Impfaktionen an Schulen und Unis
Die Vize-Krisenstabsleiterin kündigte in diesem Zusammenhang an, dass es in der Woche nach den Herbstferien mit mobilen Impfteams eine große Impfoffensive an Schulen, Hochschulen und Berufsschulzentren geben werde. Gerade bei jungen Menschen zwischen zwölf und 17 Jahren sei das Impfpotenzial noch nicht ausgeschöpft, wenngleich Niedersachsen in dieser Altersgruppe mit einer Quote von fast 40 Prozent vollständig Geimpfter bundesweit hinter Thüringen (knapp 48 Prozent) den zweitbesten Platz belege (Bundesschnitt: 33,2 Prozent).
Mobile Impfteams gehen gezielt auf Pflegepersonal in Heimen zu
Nach der Schließung der Impfzentren Ende September sollen ab Oktober niedersachsenweit 134 mobile Impfteams unterwegs sein, um neben den termingebundenen Impfmöglichkeiten in Arztpraxen zusätzlich spontane Impfangebote zu machen. So soll es laut Schröder über die Impfteams auch spezielle Ansprachen für Beschäftigte in der stationären Pflege (etwa in Seniorenwohnheimen) geben. Während die Impfquote bei Pflegerinnen und Pflegern in Krankenhäusern und in der häuslichen Pflege bei über 80 Prozent liege, sei sie im stationären Bereich spürbar darunter. Einen konkreten Wert wollte Schröder nicht nennen, zuletzt war aber die Rede von 65 Prozent. Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) hatte Ende voriger Woche Pflegekräfte erneut ermutigt, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Die Impfquote unter den Beschäftigten variiere stark und unterscheide sich auch von Einrichtung zu Einrichtung, sagte Behrens. „Insgesamt sind die Impfquoten gerade für diesen so sensiblen Bereich aber noch zu niedrig.“
Land lehnt Impfpflicht ab - noch
Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, wie sie Kinderärzte-Präsident Thomas Fischbach am Montag gegenüber unserer Redaktion gefordert hatte, lehnt das Land indes weiter ab. Noch jedenfalls. „Die Landesregierung sieht im Moment keine Notwendigkeit für eine Impfpflicht“, erklärte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Es gelte, das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu wahren und zunächst auf mildere Mittel zu setzen. In diesem Zusammenhang rief Pörksen die Gastronomie-, Tourismus- und Beherbergungsbranche auch mit Blick auf die nahenden Herbstferien auf, die 2G-Regel anzuwenden. Ein negativer Testnachweis reicht für den Besuch dann nicht mehr aus, bei 2G haben nur geimpfte und genesene Personen Zutritt. „2G ist immer besser und sicherer“, sagte Pörksen und verband ihren Appell mit der Hoffnung, dass die Anwendung der 2G-Regel doch noch den ein oder anderen motivieren könnte, sich impfen zu lassen.
Vorerst keine vollständige Auslastung von Stadien wie in Bremen
Während im Bremer Weserstadion am Freitagabend erstmals wieder eine Vollauslastung von mehr als 40.000 Zuschauern möglich ist, bleibt Niedersachsen in dieser Frage weiter zurückhaltend. Hier liegt die Obergrenze derzeit bei 25.000 Besuchern. Die aktuelle Verordnung gilt noch bis zum 10. November. „Ich gehe davon aus, dass die Begrenzung bis dahin Bestand haben wird“, erklärte Schröder.
Zahl der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern rückläufig
Die Zahl der Neuaufnahmen von Covid-19-Patienten in niedersächsischen Krankenhäusern ist weiter gesunken. Der sogenannte Hospitalisierungswert lag am Dienstag bei 2,8 - nach 2,9 am Montag und 3,0 am Sonntag. So viele Menschen pro 100.000 Einwohner kamen in den jeweils zurückliegenden sieben Tagen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung in eine Klinik. Die Zahl gilt als neuer Leitindikator, also wichtigster Faktor, zur Bewertung der Corona-Lage im Land. Auch das Corona-Infektionsgeschehen schwächte sich weiter ab: Für Dienstag gab das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Sieben-Tage-Inzidenz in Niedersachsen von 45,2 an. Am Montag waren es 46,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche gewesen. Laut Vize-Krisenstabschefin Schröder lag knapp die Hälfte aller Kreise und kreisfreien Städte am Dienstag bei der Inzidenz unter 35 und keine Kommune über 100. Auf den Intensivstationen waren am Dienstag 4,6 Prozent der zur Verfügung stehenden Betten mit Covid-19-Patienten belegt (Vortag: 4,7 Prozent).
Drei Warnstufen
Eine der drei in Niedersachsen geltenden Corona-Warnstufen wird in der Regel erreicht, wenn der Hospitalisierungswert (Krankenhausaufnahmen) und mindestens einer der beiden anderen Indikatoren (Neuinfizierte und Intensivbetten) in der Corona-Verordnung definierte Schwellenwerte überschreiten. Eine Warnstufe wird in manchen Fällen vom Land und in anderen vom Landkreis oder der kreisfreien Stadt ausgerufen, wenn diese Schwellenwerte fünf Tage hintereinander überschritten werden.