Tiermedizin
„Das ist ein Berufsverbot durch die Hintertür“
Homöopathische Mittel für Menschen dürfen künftig nur noch an Tiere verabreicht werden, wenn sie von einem Veterinär verordnet wurden – das stellt Tierheilpraktiker und -besitzer vor Riesenprobleme.
Was und warum
Darum geht es: Im kommenden Jahr tritt das neue Tierarzneimittelgesetz in Kraft. Die aufgrund von EU-Vorgaben erforderliche Gesetzesnovelle stellt Tierheilpraktiker und Tierbesitzer vor Probleme.
Vor allem interessant für: Tierhalter, die ihre Haus- oder Nutztiere mit homöopathischen Mitteln und alternativen Behandlungsmethoden schon erfolgreich behandelt haben, Tierheilpraktiker und Tierärzte.
Deshalb berichten wir: Eine Tierheilpraktikerin hat uns darauf aufmerksam gemacht, was das neue Gesetz für Folgen haben wird.
Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Egal, ob Hund, Katze, Kuh oder Schwein: Ab dem 28. Januar 2022 dürfen Tierhalter keine frei verkäuflichen und apothekenpflichtigen Humanarzneimittel mehr verabreichen. Das betrifft Humanhomöopathika wie Globuli ebenso wie pflanzliche Mittel und Blutegel. All diese Mittel dürfen künftig nur noch verabreicht werden, wenn sie von einem Tierarzt verordnet wurden. „Das ist völlig paradox: Eine Mutter kann sich ohne ärztliches Rezept in der Apotheke Globuli holen und ihrem Baby verabreichen, aber wenn sie die ihrem Hund gibt, begeht sie eine Ordnungswidrigkeit“, macht Christiane Gromüller deutlich.
Tierheilpraktikerverbände laufen Sturm
Tierheilpraktikerverbände seien gleich nach Bekanntwerden des Gesetzesentwurfs mit der Forderung an die Hersteller herangetreten, die Mittel auch für den Einsatz von Tieren registrieren zu lassen. Die hätten durch die Bank abgewunken, der Aufwand und die Kosten seien zu hoch.
Verband hat Beschwerde eingelegt
Und wie sehen Tierärzte das neue Gesetz? „Grundsätzlich ist es gut, dass dadurch ein bisschen mehr Kontrolle zu den Fachleuten zurückkommt“, sagt Dr. Berend Heikens, von der Großtierpraxis Velde. Nach seinen Worten setzen auch er und seine Kollegen auch selbst homöopathische Mittel ein. Fast alle seien für Tiere zugelassen. „Wenn einem unserer Kunden von einem Tierheilpraktiker ein homöopathisches Mittel empfohlen wurde, bestellen wir das auf Wunsch des Kunden auch.“ Es gebe durchaus auch Landwirte, die auf Homöopathie setzen. „Im Gegensatz zu vielen Medikamenten haben homöopathische Mittel keine Wartezeit.“