Heimatgeschichte

Zeitzeugen erinnern sich an das Kriegsende

Carsten Ammermann
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Von Carsten Ammermann
| 27.09.2021 16:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf dem Ihrhover Friedhof wurden die im Zweiten Weltkrieg gefallenen polnischen Soldaten Jan Semeniak, Wladyslaw Ptaszynski, Boleslaw Frenkel und Witold Woloszyk beerdigt. Foto: Ammermann
Auf dem Ihrhover Friedhof wurden die im Zweiten Weltkrieg gefallenen polnischen Soldaten Jan Semeniak, Wladyslaw Ptaszynski, Boleslaw Frenkel und Witold Woloszyk beerdigt. Foto: Ammermann
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Der Westoverledinger Heimatforscher Hermann Adams befasst sich in seinem neuen Buch mit dem Kriegsende in Westoverledingen und in weiteren Teilen Ostfrieslands. Es kommen viele Zeitzeugen zu Wort.

Westoverledingen - Hermann Adams, Heimatforscher aus Ihrhove, hat sich mehr als zwei Jahrzehnte lang mit dem Kriegsgeschehen im Oberledingerland befasst. Eigentlich wollte der Westoverledinger etwas zum kanadischen Feldfriedhof in Ihrhove schreiben.

Heimatforscher Hermann Adams hat ein neues Buch herausgebracht. Darin beschreibt er das Kriegsgeschehen im Oberledingerland in den letzten Wochen bis zur Kapitulation im Mai 1945. Foto: Ammermann
Heimatforscher Hermann Adams hat ein neues Buch herausgebracht. Darin beschreibt er das Kriegsgeschehen im Oberledingerland in den letzten Wochen bis zur Kapitulation im Mai 1945. Foto: Ammermann
Doch im Laufe der Jahre hat Adams mit sehr vielen Zeitzeugen gesprochen und in Archiven geforscht. Herausgekommen ist ein 160 Seiten dickes Buch mit dem Titel „Kampf um das nördliche und westliche Overledingerland und das weitere Ostfriesland“. Der Heimatforscher legt dabei den Fokus auf das Kriegsende und beschreibt die Situation in den Monaten April und Mai 1945 in Westoverledingen und der Stadt Leer. „Mit dem Buch möchte ich die vielen Zeitzeugenerlebnisse und die Erlebnisse von dessen Kindern wiedergeben. So möchte ich das damals Geschehene festhalten, es dauerhaft bewahren und mahnend daran erinnern“, sagte Adams im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Ihrhover hat im Laufe der Jahre mit vielen Zeitzeugen gesprochen, viel Zeit in Archiven verbracht und mit Mitarbeitern von Militärarchiven in Warschau und des kanadischen National-Archivs in Ottawa korrespondiert. „Das kanadische National-Archiv hat mich stark unterstützt und mir viele Kopien von Protokollen geschickt, die Soldaten, die kurz vor dem Kriegsende in unserer Region im Einsatz waren, geschrieben hatten“, so Adams.

Das Vorgehen der Alliierten

Nach Auskunft des Ihrhovers erfolgte die Besetzung und die Befreiung des Overledingerlandes von kanadischen Truppen und von der 1. polnischen Panzerdivision, die von Exilpolen gebildet wurde. Anhand seiner Recherchen, der Augenzeugenberichte und der Kopien der Protokolle konnte Adams die verschiedenen Stoßrichtungen der Soldaten von Papenburg und vom Rheiderland aus nachzeichnen. „Die Besetzung des gesamten Overledingerland erfolgte in vier Stoßrichtungen“, sagte Adams. Als erstes ostfriesisches Dorf wurde Völlenerfehn durch die exilpolnische Panzerarmee besetzt. „Die Armee stieß allerdings auf unerwartet starken Widerstand von einigen noch anwesenden deutschen Truppenteilen“, führte der Heimatforscher aus. Adams kommt aufgrund seiner Recherchen außerdem zu dem Ergebnis, dass Esklum durch den Krieg der am schlimmsten betroffene Ort gewesen ist.

In einem Geleitwort weist Dr. Paul Weßels, Leiter der Landschaftsbibliothek der Ostfriesischen Landschaft, darauf hin, dass es in den letzten Apriltagen des Jahres 1945 im Westoverledinger Land die meisten Opfer unter der ländlichen Zivilbevölkerung in Ostfriesland gab. „Hermann Adams beschreibt detailliert und eindringlich den Vormarsch, die Kampfhandlungen, die Opfer und Schäden, und er deckt nebenbei wichtige Details des Vorgehens der Alliierten bei der Eroberung der Dörfer auf“, so Weßels. Und weiter heißt es: „Insbesondere hat der Autor aber die Opfer im Fokus, die der feindliche Vormarsch zur Befreiung Deutschlands auf beiden Seiten forderte. Er benennt die Toten aus der Zivilbevölkerung ebenso wie die gefallenen Soldaten auf deutscher und auf kanadischer Seite. So wird die Darstellung schließlich vor allem zu einer Mahnung und führt die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt mit ihren furchtbaren Auswirkungen vor Augen.“

Nach Ansicht von Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes ist Heimatforscher Hermann Adams für die Veröffentlichung tief in weltweiten Archiven vorgedrungen. „Und überall fanden sich Overledinger Mosaiksteinchen der Geschichte. Das Buch eröffnet einen Blick auf unsere Geschichte. Es schafft einen Austausch zwischen Menschen, die das Frühere erlebt haben und Menschen, die das Damalige verstehen wollen“, so Douwes.

Das Buch

Das neueste Buch „Kampf um das nördliche und westliche Overledingerland und das weitere Ostfriesland“ von Autor Hermann Adams aus Ihrhove ist zum Preis von 15,90 Euro im Handel erhältlich.Gekauft werden kann das Buch in den Buchhandlungen Fokken in Ihrhove, Fehnbuch in Rhauderfehn, Schuster in Leer, Eissing in Papenburg, Markant-Markt Ulrichs in Flachsmeer sowie online unter fazal.de/hermann-adams.html.

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