Bundestagswahl
Grüne zwiespältig, FDP erfreut, Linke enttäuscht
Stell dir vor, deine Partei holt bei der Bundestagswahl das beste Ergebnis der Geschichte, und du bist trotzdem enttäuscht. So geht es dem Grünen-Kandidaten im Wahlkreis Aurich-Emden.
Aurich - Die Grünen haben im Wahlkreis Aurich-Emden deutlich zugelegt. Mussten sie sich vor vier Jahren noch mit 7,4 Prozent der Zweitstimmen begnügen, schnitten sie diesmal deutlich zweistellig ab (13 Prozent) und wurden wie im Bund drittstärkste Kraft. Direktkandidat Stefan Maas (Norden) nannte das Ergebnis erfreulich: „Wir sind besser als bei den Kommunalwahlen.“
Auch mit seinem persönlichen Ergebnis ist Maas zufrieden, obwohl es deutlich unter dem der Partei liegt (9,3 Prozent). Was den Kandidaten enttäuscht, ist das Bundesergebnis der Grünen. „Das bleibt durchaus hinter den Erwartungen zurück.“ Der Zuwachs sei zwar erfreulich, doch es reiche nicht für einen Politikwechsel. Er finde es erschreckend, dass 50 Prozent der Wähler sich für ein „Weiter so“ entschieden hätten. „Alle wissen, dass wir Veränderungen brauchen.“ Dennoch sei die Angst vor Veränderung groß: „Trotz Fridays for Future, trotz Klimawandel, trotz der Spaltung der Gesellschaft.“
„Jetzt kommt es drauf an“
Die ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete und jetzige Kreistags-Fraktionschefin Gila Altmann (Aurich) freut sich, dass die Grünen bundesweit drittstärkste Kraft sind. Aber: „Jetzt kommt es drauf an, was sich daraus schmieden lässt.“ Mit dem Ergebnis im Wahlkreis sei sie „total zufrieden“. Gerade im ländlichen Raum tue sich ihre Partei traditionell schwer.
Gute Stimmung auch bei der FDP: „Wir haben die FDP hier sichtbarer gemacht, das freut mich sehr“, sagte Direktkandidatin Sarah Buss (Aurich), die 8,7 Prozent der Erststimmen holte und damit ähnlich abschnitt wie ihre Partei (plus 1,8 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017). Für Buss persönlich war am späten Abend noch nicht klar, ob sie über die Landesliste in den Bundestag einzieht. „Es wird eine lange Nacht für mich.“ Zuallererst jedoch, betonte die FDP-Politikerin, müsse man dem SPD-Kandidaten Johann Saathoff gratulieren: „Von solch einem Ergebnis träumt jeder Politiker. Hammer!“
Ernüchterung machte sich dagegen bei der Linken breit. Die Partei ist im Wahlkreis Aurich-Emden im Vergleich zu vor vier Jahren deutlich abgeschmiert und landete bei 3,4 Prozent der Zweitstimmen (2017: 7,2 Prozent). Ihr Direktkandidat Friedrich-Bernd Albers holte 3,6 Prozent. „Das war zu erwarten“, sagte der Auricher Linken-Ratsherr Hendrik Siebolds. Viele Anhänger der Linken hätten diesmal SPD gewählt, damit ihre Stimme nicht verloren geht, weil die Partei ja an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern drohte. Siebolds‘ Fraktionskollege Reinhard Warmulla sprach von einer „signifikanten Wählerwanderung von der Linken zur SPD und zu den Grünen“. Zudem sei es der Partei nicht gelungen, ihre Wähler zu mobilisieren. „Viele bleiben zu Hause, weil sie sich aufgegeben haben. Das ist wirklich sehr traurig.“