Verkehr
Widerstand gegen Emder Verkehrsexperiment wächst
Bewohnerinnen und Bewohner von Faldern machen ihren Protest gegen die Regelung in der Neutorstraße auf Plakaten und Flyern sichtbar. Bislang sammelten sie 200 Unterschriften.
Emden - Fünf Wochen nach dem Start wächst der Widerstand gegen das Verkehrsexperiment in der Neutorstraße im Zentrum von Emden: Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtteile Groß Faldern und Klein Faldern machen ihren Protest jetzt auch sichtbar. Sie haben Plakate in die Fenster von Wohnungen und Geschäfte gehängt, auf denen sie das Ende des Versuchs fordern.
Diese Plakate, die im Hintergrund einen Teil der Friedrich-Ebert-Straße mit Blick auf die Neue Kirche zeigen, sind auch als Flyer im Umlauf und finden zudem Verbreitung über die sozialen Medien. Initiatorin der Aktion ist Frauke Koppaetzky aus der Friedrich-Ebert-Straße. Die 64-Jährige hat sich als Sprecherin an die Spitze der Bewegung in Faldern gestellt.
Was und warum
Darum geht es: Die Folgen der neuen Verkehrsführung auf der Neutorstraße für Bewohner der Stadtteile Klein-Faldern und Groß-Faldern.
Vor allem interessant für: Bewohner von Faldern, Verkehrsteilnehmer in Emden und alle, die die Veränderungen in der Emder Innenstadt verfolgen.
Deshalb berichten wir: Die Kritiker des Verkehrsexperiments verstärken ihren Protest. Sie wollen dem Oberbürgermeister jetzt eine Unterschriftensammlung überreichen. Aus diesem Anlass haben wir noch einmal mit der Initiatorin gesprochen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Listen sollen Kruithoff übergeben werden
Allein in ihrer Straße und in der Nordertorstraße sammelten sie und ihre Mitstreiter in den vergangenen Wochen die Unterschriften von etwa 200 Anliegern. „Wir bekommen überall sehr viel Zuspruch“, sagte Koppaetzky dieser Zeitung. Die Listen wollen die Initiatoren in den nächsten Tagen Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) übergeben.
Der Verwaltungschef hatte Ende August nach der Aufhebung der Baustelle an den Neutor-Arkaden durchgesetzt, dass der Autoverkehr in der Neutorstraße vorläufig weiter ausgebremst wird und nur einspurig vom Rathausplatz in Richtung Agterum rollen darf. Für Kraftfahrzeuge gilt dort Tempo 30, Fußgänger und Radfahrer haben Vorrang. Wenn es nach dem Willen der Verwaltung geht, sollen diese Regelungen bis Ende Januar gelten, um zunächst Erfahrungen damit zu sammeln. Auch im Stadtrat ist dieses Experiment umstritten.
Anlieger: Situation ist unerträglich
Leidtragende des Modellversuchs sind vor allem die Anlieger der Nordertorstraße und der Friedrich-Ebert-Straße, weil diese Achse genutzt wird, um die Innenstadt zu umfahren. Hinzu kommt, dass die sogenannte Trogstrecke derzeit gesperrt ist und als wichtige Umgehungsstraße nicht zur Verfügung geht.
Die Bewohnerinnen und Bewohner von Faldern sperren sich nicht gegen eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt. Aber so wie es jetzt gemacht werde, gehe es nicht, meint Frauke Koppaetzky. Das Verkehrsaufkommen sei in Faldern so stark gewachsen, dass die Situation für die Anlieger unerträglich geworden sei. Zudem würden schwere Lastwagen, Landmaschinen und Busse die Stadtteile erschüttern und kaputtrütteln. „Wir sind für ein vernünftiges Verkehrskonzept und für den Schutz von Fußgängern und Radfahrern“, heißt es auf dem Flugblatt.
Unterdessen hat der Oberbürgermeister in dieser Woche angekündigt, dass die Trogstrecke vom 26. November an für den Verkehr vorübergehend wieder freigegeben und bis zum Frühjahr in beide Richtungen befahrbar sein wird. Dadurch eröffneten sich auch Möglichkeiten, den Weihnachtsmarkt am Delft zu gestalten, sagte Kruithoff bei einem Ortstermin auf der Baustelle der Trogstrecke.