Ehrenamt
Suurhusen trägt ihre Handschrift
In vielen Orten gibt es „Rentnergangs“, die sich um das Aussehen ihres Ortes kümmern. So auch in Suurhusen, wo die Spuren des ehrenamtlichen Engagements an vielen Stellen zu finden sind.
Suurhusen - Immer donnerstags ziehen sie durch Suurhusen, bewaffnet mit Werkzeugen und Material: die Rentnergang. Die Ehrenamtlichen, zwischen zehn und zwölf sind es aktuell. Mit dabei ist weiterhin der Mitbegründer der Truppe: Gerd Müller. Vor 16 Jahren suchte er sich die ersten Mitstreiter, damals noch rein unter SPD-Mitglieder. „Mittlerweile sind wir aber keine reine SPD-Gruppe mehr und das ist auch völlig in Ordnung so“, sagt Müller.
Was und warum
Darum geht es: Ehrenamtliches Engagement hilft in Hinte und der Krummhörn, dass die Orte sich von ihrer besten Seite zeigen.
Vor allem interessant für: Diejenigen, die sich für das Ehrenamt interessieren oder auch selbst noch Aufgaben übernehmen wollen.
Deshalb berichten wir: Von den „Rentnergangs“ ist immer wieder die Rede. Wir haben uns als Beispiel eine herausgegriffen. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Am vergangenen Donnerstag traf sich die Suurhuser Rentnergang auf dem Friedhof der alten Suurhuser Kircher, der mit dem schiefen Turm. Die Aufgabe an diesem Tag: das Urnenfeld erweitern. Sind die Rentner also auch noch Friedhofsgärtner? „Nein, nein“, sagt Müller. Aber mit der Kirche sei es wie mit den Vereinen in Suurhusen: Wer Hilfe braucht, der kann sich an die Truppe wenden.
Vereine können Wünsche äußern
Anfang eines jeden Jahres würden Müller und seine Mitstreiter immer einen Brief an die Vereine und Organisationen im Ort schicken. Diese können dann Wünsche äußern, wobei sie Hilfe brauchen. „Wir entscheiden dann zusammen, was wir wann wie umsetzen“, sagt Müller. Neben diesen „Spezialaufträgen“ pflegt die Rentnergang, wie sich die Suurhuser selbst nennen, unter anderem den Dorfplatz des Ortes und die Außenanlage vom Dorfgemeinschaftshaus und noch die eine oder andere Ecke entlang der alten Bundesstraße.
Die Ergebnisse der Arbeit sind nicht nur im Pflegezustand der Beete vor dem Friedhof zu sehen. Auch die großen Schilder an den beiden Ortseingängen und vor dem Schiefen Turm hat die Rentnergang aufgestellt. Unterstützt wird sie dabei immer von den Menschen und Firmen im Ort. Auch bei der Arbeit am Friedhof hält immer mal wieder jemand an, um Hallo zu sagen, oder winkt zumindest im Vorbeifahren. Man kennt sich – und man weiß, was man an der Gruppe hat.
Etwas für das Dorf tun
„Meistens arbeiten wir nur den Vormittag, manchmal aber auch länger“, sagt Müller. Doch warum? „Es geht um das Wir-Gefühl, den Zusammenhalt“, sagt der 75-Jährige. Eberhard Menzel, mit 83 einer der ältesten der Gruppe, stimmt ihm zu. „Das sind alle hundertprozentige Kumpels hier“, sagt er. Aber auch das Wissen, etwas für die Dorfgemeinschaft zu tun, sei wichtig und Antrieb, so Menzel. „Und nach der Arbeit schmeckt das Bierchen.“
Gruppen wie in Suurhusen gibt es auch andernorts in der Gemeinde sowie beispielsweise auch in der Krummhörn. „In mehreren Ortschaften der Gemeinde gibt es Gruppen – zumeist Ruheständler – die ehrenamtlich in ihrem Dorf unterwegs sind“, heißt es auf Anfrage vom Krummhörner Gemeindesprecher Fritz Harders. Der Antrieb ist überall ähnlich, wie schon Berichte und Äußerungen in der Vergangenheit zeigten: Verschönerung oder zumindest Schönhaltung des eigenen Dorfes. Auch den Suurhusern ist der unaufdringliche Stolz über ihre Leistungen anzumerken. Ausgedrückt wird dies aber selten direkt, man ist bescheiden – und immer für einen Spruch gut. „Wenn die Sonne scheint, hab ich Arbeitszeit. Wenn es regnet, hab ich Urlaub“, sagt zum Beispiel Hans Sikora. Der 75-Jährige ist für die Blumen zuständig.
Der Wunsch: Mehr Anerkennung der Ehrenamtskarte
Urlaub wenn es regnet, das unterschreibt Müller nicht pauschal. „Wir haben eigentlich immer was zu tun.“ Als Beispiel nennt er das Dorfgemeinschaftshaus, das die Truppe vor rund zwei Jahren renovierte. „Das Gemeinschaftshaus wird eigentlich jeden Tag genutzt“, sagt Müller.
Unterstützung erfährt die Rentnergang auch von der Gemeinde, deren Bauhof sonst Teile der Arbeiten übernehmen musste. „Diese fürs Dorf, letztlich für die gesamte Krummhörn und die Gesellschafft freiwillige Dienstleistung wird von der Gemeinde außerordentlich geschätzt und gewürdigt“, heißt es beispielsweise aus der Krummhörn auf Nachfrage. Die Gemeinde Hinte antwortete auf Nachfrage nicht. Wie viel Zeit und Geld die Rentnergangs schlussendlich den Gemeinden sparen, ist schwer zu beziffern. „In ,Mark und Pfennig’ lassen sich die unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden nicht beziffern, weil sie auch in Bereichen geleistet werden, die über den Aufgabenbereich des Bauhofes hinausgehen“, so Harders. Unterstützt werden die Gruppen aber in beiden Gemeinden, das zeigen frühere Berichte. „Die Gemeinde bietet den Dorfgruppen gerne ihre Hilfe an, wenn es um die Beschaffung von Materialien oder Werkzeugen geht. Ganz aktuell hat eine Gruppe um zwei Schubkarren nachgefragt, die umgehend zur Verfügung gestellt worden sind“, heißt es aus der Krummhörn.
Etwas mehr Erleichterungen hatte sich Müller unterdessen von der niedersächsischen Ehrenamtskarte erhofft. „Vergleicht man das mit anderen Regionen, dann gibt es dort viel mehr Vergünstigungen“, sagt er. Zum Beispiel Rabatte bei Baumärkten, wenn für ehrenamtliche Arbeiten eingekauft wird. Tatsächlich ist auf dem Freiwilligen-Server für Hinte gar keine Vergünstigung für Ehrenamtskarten-Inhaber verzeichnet. In anderen Gemeinden gibt es zum Beispiel kostenlose Beglaubigungen (Südbrookmerland).
Wer Fragen zur Rentnergang hat, kann sich an Gerd Müller oder eines der Mitglieder wenden: Karl Potinius, Hans Sikora, Erich Ruhr, Eberhart Menzel, Otto Richard, Göke Harken, Ailt Dirks, Imko Iben und Richard Geiken.