Meinung
Corona-Konflikte: Niedersachsens Landesregierung eskaliert
Niedersachsens Landesregierung verweigert bisherigen Impfverweigerern die Lohnfortzahlung in manchen Quarantäne-Fällen schon ab dem 11. Oktober. Damit riskiert sie eine Eskalation der Corona-Konflikte.
Bis zu zehn Tage keinen Lohn. Und das nach jedem engeren Kontakt zu einem Corona-Infizierten. Die Gesundheitsministerkonferenz hat beschlossen, in manchen Quarantäne-Fällen keine Lohnfortzahlung mehr zu gewähren. Das ist jetzt tatsächlich eine „Impfpflicht durch die Hintertür“. Denn das kann Impfverweigerer finanziell ruinieren. Vor allem jene, die unter selbst ernannten „Querdenkern“ und Corona-Leugnern verkehren, wo Schutzmaßnahmen oft nicht eingehalten werden. Diese Personenkreise haben gute Chancen, im kommenden Winter von der Delta-Variante des Virus durchseucht zu werden. Es wird also Impfverweigerer geben, die immer wieder Kontaktperson sind. Bis sie sich selbst infizieren.
Darin besteht die Gefahr der Gesundheitsminister-Entscheidung. Leute, die ohnehin gegen Corona-Regeln verstoßen, die werden künftig verstärkt Wege suchen, eine Quarantäne zu umgehen. Wenn solche Kontaktpersonen zur Arbeit kommen, können in Betrieben Infektionsherde entstehen. Sollte das passieren, dann drohen volkswirtschaftlich viel höhere Kosten, als durch die Lohnfortzahlung im Quarantäne-Fall entstünden.
Der Versuch, Bürger finanziell zur Impfung zu zwingen, ist riskant – und die vorzeitige Einführung dieser Neuregelung in Niedersachsen eine politische Kriegserklärung an die Betroffenen. Denn bis zum 11. Oktober ist nicht genug Zeit, um sich zweimal impfen zu lassen. Das wird die Spaltung in der Gesellschaft verstärken und die Lage völlig unnötig eskalieren.
@ Den Autor erreichen Sie unter a.ellinger@zgo.de
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