Bildung

Nach Aus für Ernährungs-Zentrum: Ärger über Bürgermeister

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 22.09.2021 15:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kerstin Hopp hatte als Ernährungsberaterin im EEZ gearbeitet. Foto: Archiv/Boschbach
Kerstin Hopp hatte als Ernährungsberaterin im EEZ gearbeitet. Foto: Archiv/Boschbach
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Nach der Schließung des Zentrums für nachhaltige Ernährung in Aurich richtet sich der Unmut von SPD und CDU auf Horst Feddermann. Der hätte den Stadtrat über das Aus informieren müssen.

Aurich - Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Gemäß diesem Sprichwort könnte die Schließung des Zentrums für nachhaltige Ernährung (ZnE) in Aurich Ende August schon fast in Vergessenheit geraten sein. Das Gegenteil ist der Fall. Die Fraktionen im Auricher Stadtrat ärgern sich sehr darüber, dass Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) das ZnE abgewickelt hat, ohne die politischen Gremien davon in Kenntnis zu setzen. Durch einen Bericht dieser Zeitung war publik geworden, dass die Einrichtung im Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum (EEZ) in Sandhorst ihren Betrieb nach zehn Jahren einstellt. Grund seien die hohen Kosten, die „an Aurich hängenblieben“, wie Horst Feddermann es formulierte. Die Stadt hätte in die Bresche springen müssen. In welcher Form und welcher Höhe wurde nicht bekannt. Die Abwicklung des von der Rut-und-Klaus-Bahlsen-Stiftung getragenen Projekts war ein Alleingang des Bürgermeisters.

Arnold Gossel bezeichnet dieses Vorgehen als Respektlosigkeit gegenüber dem Rat. Der CDU-Fraktionschef sagte, dass es das Mindeste gewesen wäre, die Politik zu informieren. Stattdessen habe man von dem Aus aus der Zeitung erfahren. Das ZnE wird wie das EEZ von der Auricher Bäder- und Hallenbetriebsgesellschaft (ABH) geführt, einer Tochtergesellschaft der Stadt. „Man hätte wenigstens eine Sondersitzung der ABH einberufen müssen“, findet Gossel. Jetzt sehe es nach außen hin so aus, als seien die im Rat wieder mal die Dummen.

Vorlage soll erarbeitet werden

Auch der SPD-Ratsherr Hinrich Wilts hat sich über das Vorgehen von Horst Feddermann geärgert: „Das Zentrum für nachhaltige Ernährung war schließlich nicht irgendetwas, sondern ein außerschulischer Lernort, also in ein Bildungskonzept eingebettet.“ Gerade in der heutigen Zeit sei eine solche Einrichtung wichtig. Das hatte er auch durch eine Stellungnahme in der jüngsten Sitzung des Stadtrats deutlich gemacht. Er hatte weitere Informationen verlangt, die ihm nicht gegeben worden sind. Stattdessen kündigte Feddermann an, dass er eine Vorlage erarbeiten lassen werde, die den Sachverhalt zusammenfasst. Hinrich Wilts verwies auf Anfrage dieser Zeitung darauf, dass der Rat vor zehn Jahren per Beschluss das Zentrum für nachhaltige Ernährung befürwortet habe. Deshalb sei es überhaupt nicht einzusehen, dass die Politik jetzt übergangen werde. Das sei im Übrigen nicht das erste Mal gewesen.

Für Unmut hatte in der Politik gesorgt, dass Horst Feddermann eigenmächtig Mittel aus dem Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ beantragt hatte. Die damalige Begründung: Die Zeit habe gedrängt. Die Antragsfristen seien so eng gesetzt worden, dass man die Politik nicht kurzfristig habe einladen können. Ein weiterer Vorstoß, der nicht bei allen Ratsmitgliedern wegen fehlender Einbindung gut ankam: die Bestellung von CO2-Ampeln durch Feddermann, ohne dass es einen Beschluss durch die Politik gab. Die Aufträge sind zwar zurückgezogen worden, doch der Bürgermeister geriet in Erklärungsnot. Nach einem Bericht der Ostfriesischen Nachrichten prüft die Kommunalaufsicht den Sachverhalt derzeit.

Bürgermeister sah sich „überrollt“

Horst Feddermann erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Stadt „ein Stück weit von der Entwicklung überrollt worden sei“. Der Vertrag mit der Rut-und-Klaus-Bahlsen-Stiftung sei ausgelaufen. Die habe das Personal bezahlt, nämlich zwei Mitarbeiterinnen, die dann offiziell bei der Stadt Aurich angestellt waren. „Ganz platt gesagt: Die haben gekündigt“, sagte Horst Feddermann. Die Stadt habe sich vor vollendete Tatsachsen gestellt gefühlt.

Was aus dem ZnE nach der Auflösung wird, steht derzeit in den Sternen. Dort ist nämlich eine hochwertige Küche verbaut. Wird die einer Nachnutzung zugeführt? Im ZnE wurden Beratungen und Kochkurse für Kinder und Lehrkräfte zum Thema gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit angeboten. Dabei stand die spielerische Vermittlung im Vordergrund. Wichtig war, dass die Teilnehmer selbst aktiv wurden. Sie bereiteten nach Anleitung Rohkostsalate oder andere Gerichte zu. Es standen voll ausgestattete Küchen zur Verfügung. Die Elektroherde waren so ausgerüstet, dass beim Kochen der Verbrauch an Energie abgelesen werden konnte. ZnE galt lange Zeit als Prestigeobjekt der Verwaltung.

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