Bundestagswahl
Der fremde Wahlkreiskandidat: Joachim Wundrak von der AfD
Am 26. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Zehn Kandidaten wollen das Direktmandat für den Wahlkreis 26 (Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund) holen. Heute: Joachim Wundrak von der AfD.
Plaggenburg/Steinhuder Meer - Die Nominierung von Joachim Wundrak als Bundestagskandidat des Wahlkreises Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund war eine Überraschung. Er wohnt hier nicht – sein Haus steht in der Nähe des Steinhuder Meers bei Hannover – und hat auch kaum Verbindungen in diese Region. Bis auf diese: Der Wahlkreis 26 ist deutschlandweit derjenige mit der meisten Bundeswehr und Wundrak hat eine lange Militärkarriere hinter sich.
Von seiner Kandidatur in diesem Wahlkreis verspreche er sich wegen des vielen Militärs auch viele Stimmen, sagt Wundrak in einem Telefoninterview. Eine Rechnung, die wohl auch die drei AfD-Kreisverbände in Wilhelmshaven, Friesland und Wittmund angestellt hatten. Von denen sei er um die Kandidatur gebeten worden, schildert Wundrak. Im März wurde er bei einer Aufstellungsversammlung in Schortens (Friesland) gewählt. Bei der letzten Bundestagswahl 2017 erreichte die AfD in diesem Wahlkreis bei den Erststimmen 8,3 Prozent und bei den Zweitstimmen 9,1 Prozent.
Der Kandidat
Joachim Wundrak ist 66 Jahre alt und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Hannover. Er hat 44 Jahre in der Bundeswehr verbracht und sie bei der Pensionierung 2018 als Generalleutnant der Luftwaffe verlassen. Nach eigenen Angaben war er unter anderem für die Luftverteidigung von Nordeuropa zuständig. Wundrak ist kein AfD-Mann der ersten Stunde. Er war eigentlich CDU-Mitglied, verließ die Partei aber nach eigener Auskunft 2015 im Zuge der ersten Flüchtlingswelle, aus Protest gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung.
„Aufbrüche ins Ungewisse sind nicht so sehr mein Ding“, sagt der Kandidat im Telefoninterview. Er sei konservativ, „das Bewährte bewahren“, das ist mehr sein Ding. Auf die Frage nach seiner Verortung innerhalb der AfD stellt er klar: „Ich bin kein Rechtsaußen.“ Überhaupt habe er es mit Ideologien nicht so, er sei da eher pragmatisch.
Der Wahlkampf
Wundrak persönlich zu treffen ist gar nicht so einfach, seine Wahlkampftermine erstrecken sich über ganz Deutschland. Das liegt daran, dass der Ex-Generalleutnant nicht nur Direktkandidat für den Wahlkreis 26 ist, sondern auch Spitzenkandidat seiner Partei in Niedersachsen. Und eigentlich wollte er auch Spitzenkandidat auf Bundesebene werden, im Team mit der Bundestagsabgeordneten Joana Cotar. Doch das misslang. Bei einer parteiinternen Abstimmung unterlagen die beiden dem Duo aus Parteichef Tino Chrupalla und Fraktionschefin Alice Weidel. Dennoch wird Wundrak nach eigener Auskunft deutschlandweit eingeladen, tritt in Chemnitz und Osnabrück auf, in Stuttgart und Stade.
Und natürlich zwischendurch auch in seinem Wahlkreis. Ende August in Aurich-Plaggenburg etwa. Das liegt zwar nur neben dem Wahlkreis 26, aber so wählerisch kann man bei der AfD nicht sein; die hiesigen Kreisverbände hatten nach eigenem Bekunden schon in der Vergangenheit Schwierigkeiten, Veranstaltungsräume anzumieten. Rund 30 Besucher kommen an diesem Sonntag in das Plaggenburger Lokal, hauptsächlich ältere Männer, einige wenige Frauen.
Seine Positionen
Wundrak legt einen Ritt durch seine politischen Positionen hin: Er zieht die Sinnhaftigkeit von Corona-Impfungen in Zweifel ebenso wie die Bemühungen, dem Klimawandel zu begegnen. Er warnt vor einer neuen Migrationswelle aus Afghanistan und vor dem politischen Mitbewerber. „Unsere eigentlichen Gegner sind die Grünen“, sagt er, die wollten mit autoritären Mitteln eine Art Klimareligion durchsetzen.
Sein eigentliches Thema ist aber wohl die Souveränität des eigenen Landes. Das trat schon bei der Schortenser Nominierungsveranstaltung im März zutage. Die Einführung des Euro, die Bankenrettung, ungesteuerte Migration – all das habe zur Aufgabe der nationalen Souveränität geführt, führte er damals aus. Auch in Plaggenburg kommt das Thema wieder auf den Tisch. Wundrak spricht sich für einen Austritt aus der Europäischen Union aus, „damit Deutschland seine nationale Souveränität zurückerlangt“.
Dass er in den nächsten Bundestag einzieht, steht mehr oder weniger fest; egal wie viele Stimmen er als Direktkandidat in Friesland, Wittmund und Wilhelmshaven erzielt. Wundrak steht in Niedersachsen auf Listenplatz eins seiner Partei und ist damit abgesichert. Zur Einordnung: Bei der Wahl 2017 erhielt die AfD in Niedersachsen 9,1 Prozent der Stimmen, sieben Bewerber der Landesliste zogen damit in den Bundestag ein. Sein Ziel im neuen Parlament? Der Auswärtige Ausschuss, sagt er. Und vielleicht auch der Verteidigungsausschuss. Dort also, wo es auch um Souveränität gehen könnte. Außerdem will er in Wilhelmshaven ein Wahlkreisbüro einrichten. Für diese Region wolle er auch Verantwortung übernehmen.
Drei Fragen an Joachim Wundrak
Was muss im Wahlkreis 26 am dringendsten angepackt werden und warum? Insbesondere nach den wirtschaftlichen Rückschlägen durch die harten Corona-Maßnahmen muss nun sehr schnell der Weg in die Normalität gefunden werden. Gerade der Mittelstand steht vor gewaltigen Herausforderungen, es drohen viele Insolvenzen. Nach den finanziellen Hilfen, die hoffentlich schnell an die wirklich Bedürftigen kommen, muss durch deutliche Steuererleichterungen und wirklichen Bürokratieabbau ein neuer, selbsttragender Aufschwung initiiert werden.
Was tun Sie gegen den Klimawandel, persönlich und politisch?
Wenn man unterstellt, dass die CO2- Emissionen ein wesentlicher Antrieb für die Erwärmung der Erdatmosphäre sind (ich persönlich bezweifele dies), ist der Wiedereinstieg in die Nutzung von Kernenergie, hier Anlagen der Generation IV, die langfristig sinnvollste Lösung. Diesen Weg beschreiten nun mehrere Länder. Persönlich habe ich bereits vor 15 Jahren eine selbst entwickelte und ausschließlich selbst finanzierte Solaranlage aufs Dach gebaut, allerdings nicht um „das Klima zu retten“, sondern um eigene Erfahrungen mit den sogenannten alternativen Energien zu sammeln.
In welches Jahr würden Sie reisen, wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, und warum?
Ich würde das Wählrad auf „2050“ drehen, um zu sehen, ob die deutsche Politik wirklich den nun prognostizierten Weg der „Klimaneutralität“, der „Dekarbonisierung“ und damit der Deindustrialisierung durchgesetzt hat. Dann könnte ich meinen Enkeln erklären, wie es zu dieser fatalen Entwicklung kam und wer die Verantwortung für den immensen Wohlstandsverlust zu tragen hat.