Gesundheit

Luftfilter in Schulen: Emden will, Niedersachsen macht es schwer

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 22.09.2021 11:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch sind Emder Schulen nicht großflächig mit Luftfiltergeräten ausgestattet. Foto: Archiv
Noch sind Emder Schulen nicht großflächig mit Luftfiltergeräten ausgestattet. Foto: Archiv
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Die Stadt Emden wollte besonders früh mit der Ausschreibung für Luftfilter an Schulen vorpreschen. Angebote liegen vor. Doch die Landesregierung macht dem Vorhaben ein Strich durch die Rechnung.

Emden - Die Ausstattung von Emder Schulen mit Luftfiltern könnte sich weiter verzögern. Schuld sind veränderte Richtlinien vom Land Niedersachsen. Kurz vor den Sommerferien hatte das Land erst mitgeteilt, Filtergeräte und -anlagen jetzt doch zu befürworten und zu fördern. Es wurden Erwartungen geweckt, dass schon im neuen Schuljahr alle Bildungseinrichtungen ausgestattet sein würden, kritisierte damals die Stadt Emden unter Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos). Die konnten aber nicht erfüllt werden, da die Richtlinien des Landes erst in den Sommerferien bekannt wurden.

Was und warum

Darum geht es: Landesvorgaben erschweren die Ausstattung der Schulen mit Luftfiltern, die Kinder vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen sollen.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Menschen mit Schulkindern

Deshalb berichten wir: Nach Ende der Ausschreibung sollten die ersten Angebote von der Stadt gesichtet und erste Erkenntnisse mitgeteilt werden, hatte es von der Stadt vor Wochen geheißen. Auf Nachfrage dieser Zeitung ergab sich nun aber ein anderes Bild.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, hatte Emden schon früh an der Ausschreibung, also dem Aufruf an Gerätehersteller, Angebote einzusenden, gefeilt. Sobald das Land die Richtlinien veröffentlicht hatte, konnte Emden vorpreschen. 20 Angebote gingen in wenigen Wochen ein, teilt Stadtsprecherin Theda Eilers auf Nachfrage dieser Zeitung mit. „Derzeit sind wir dabei diese zu sichten.“ Das Land aber erschwert dieses Vorhaben erneut.

Wann Geräte kommen, ist weiter offen

Denn: „Bedauerlicherweise hat sich die Richtlinie für die Förderung nach Ausschreibung noch verändert“, so Eilers. Zur Zeit der Ausschreibung hätten die Vorgaben des Landes noch nicht „in der letzten Fassung“ vorgelegen, erklärt Tim Kruithoff auf Nachfrage. Einige Leute hätten noch Einfluss auf die Richtlinien gehabt und entsprechend kleine Veränderungen bewirkt. „Es gilt nun genau zu prüfen, ob die angebotenen Geräte der vorgegebenen Richtlinie entsprechen“, so Eilers. Die Angebote der Firmen würden nämlich nicht alle „relevanten Angaben“ enthalten – etwa die genaue Lautstärke oder Luftdurchflussmenge der Geräte.

Die Folge: Die Ausschreibung sei zunächst formal wieder aufgehoben und die Firmen seien aufgefordert worden, ein erweitertes Angebot einzureichen. „Wir müssen schauen, ob die Geräte noch passen“, so Kruithoff. Er gehe aber davon aus, dass am Ende kommender Woche ausführlich Auskunft zu den Ergebnissen der Ausschreibung und den beauftragten Geräten gegeben werden könne. Damit würde sich die Maßnahme bislang um etwa eine Woche verzögern. „Das ist zwar sehr ärgerlich, aber ich glaube, wir sind insgesamt immer noch einer der Ersten.“

Genauer Zeitplan soll in einer Woche klar sein

Sie hätten konkret bei den Herstellern angefragt, bis wann Geräte geliefert werden könnten. Denn: In Zeiten von Lieferengpässen und Materialknappheit ist nicht gesagt, dass kurzfristig mobile Luftfiltergeräte in den Schulen aufgestellt werden können. Auf Nachfrage dieser Zeitung konnte Kruithoff noch keine Angaben zum ungefähren Zeitplan machen. Auch der werde Ende nächster Woche klar sein. „Wir wollen das schnellstmöglich hinbekommen“, betonte er. Ohne die Fördermittel die Schulen auszustatten sei für eine kleine Stadt wie Emden nicht möglich. „Wir können es uns nicht leisten, darauf zu verzichten.“

Die Stadt will in den Jahrgängen 1 bis 6, für welche die Anschaffung vom Land gefördert wird, zunächst in 85 Klassenräumen mobile Stand-Filtergeräte aufstellen lassen. Favorisiert würden dabei UV-C-Geräte, die die Luft filtern und Viren mit UV-Strahlung abtöten. In Emden gibt es einen Hersteller solcher Geräte. Es ist aber gesetzlich vorgeschrieben, dass eine Ausschreibung gemacht wird, auf die sich Hersteller aus ganz Deutschland und darüber hinaus bewerben dürfen. Auch Raumlufttestgeräte, die den Gehalt von Co2 in der Luft messen und angeben, wann gelüftet werden sollte, sollen installiert werden. Langfristig will die Stadt Schulen mit festen Filteranlagen ausstatten lassen.

Gerold Verlee, Fraktionsvorsitzender der Emder CDU, hatte noch am Mittwoch eine Anfrage an die Stadt gestellt. Er wollte wissen, in welchen Räumen bereits eine Umsetzung der Maßnahmen erfolgt sei. Gegenüber dieser Zeitung, die ihm den aktuellen Stand der Dinge darlegte, sagte er: „Ich verurteile, dass der Emder Rat nicht von der Stadt informiert wurde.“ Er wie auch die anderen Mitglieder würden laufend von Emderinnen und Emdern auf diese und andere Themen angesprochen und könnten dann entsprechend keine aktuellen Informationen liefern. Kruithoff erklärte auf Nachfrage, dass die Politik nun informiert worden sei. Er könne nicht jeden Tag jeden „kleinen Sachstand“ mitteilen.

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