Torfabbau

Marcardsmoorer verteidigen Kompromiss

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 21.09.2021 17:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei dem Workshop waren auch Pläne für eine mögliche Gestaltung der Lernwerkstatt Moor als Diskussionsgrundlage ausgelegt. Foto: Cordsen
Bei dem Workshop waren auch Pläne für eine mögliche Gestaltung der Lernwerkstatt Moor als Diskussionsgrundlage ausgelegt. Foto: Cordsen
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Auch wenn einige Betroffene sich bei einem Workshop lautstark kritisch Luft verschafften, steht das Gros im Dorf hinter dem Kompromiss zum Torfabbau. Das ist dem künftigen Ortsvorsteher wichtig.

Marcardsmoor - Johann Kruse und Annemarie Martens haben Verständnis für den Frust von Anwohnern der Zweiten Reihe in Marcardsmoor, die sich in der vergangenen Woche wütend über den Torfabbau geäußert haben, der ihnen ab dem kommenden Jahr bevorsteht. Der designierte neue Ortsvorsteher und SPD-Politiker sowie die Amtsinhaberin (CDU) werben zugleich aber auch noch mal für den seit knapp zwei Jahren gültigen Kompromiss, den Marcardsmoorer, Torfabbauunternehmen, Vertreter der Stadt, des Landkreises und des Landes ausgehandelt und geschlossen haben und der inzwischen ins Landesrecht eingeflossen ist. Und sie wehren sich gegen den Eindruck, dass das Dorf mit Blick auf diesen Kompromiss gespalten ist.

„Auch viele Torfabbaugegner im Dorf haben mir immer wieder und auch an dem Abend gesagt, dass wir Tolles erreicht haben“, sagt Martens. Während das Land ursprünglich weit mehr als 800 Hektar im Dorf als Vorrangfläche für den Torfabbau ausgewiesen hatte und „die Gefahr bestand, dass aus Marcardsmoor eine schwarze Wüste wird“, wie Martens sagt, hatten Vertreter des Dorfes, der Torfabbauunternehmen, Kommunen, Behörden und des Landes sich am Ende darauf verständigt, dass noch etwa 80 Hektar auf einer Gesamtfläche von knapp 100 Hektar abgetorft werden. „Wir alle, auch ich, haben dagegen gekämpft. Wir wollen den Torfabbau nicht. Ganz verhindern haben wir ihn nicht können, aber wenn wir dem Kompromiss nicht zugestimmt hätten, hätten die Abbauunternehmen klagen können, sie hätten die Genehmigung bekommen, und dann wäre Marcardsmoor schwarz geworden“, sagt Martens.

„Wichtig, dass Kritiker gehört werden“

Zum Kompromiss gehört auch, dass auf Naturschutzflächen rund um die Zweite Reihe eine Lernwerkstatt Moor mit einem außerschulischen Klassenzimmer und einem Moorlehrpfad entstehen sollen, für die eine Arbeitsgruppe bereits Ideen und Konzepte vorbereitet hat, die nun gemeinsam mit den Marcardsmoorern mit Leben gefüllt werden sollen. Darum ging es in einem Workshop in der vergangenen Woche, in dessen Vorfeld es im Dorfgemeinschaftshaus zeitweise laut geworden war. Einige Teilnehmer brachten noch einmal grundsätzliche Verärgerung über den Torfabbau zum Ausdruck. Bei allem seien die Befürworter des Kompromisses und der Lernwerkstatt Moor klar in der Überzahl, sagen Martens und Kruse, und die große Mehrheit der Anwohner habe sich auch sehr konstruktiv in den Workshop eingebracht. „Auch wenn man in der hitzigen Debatte auch zu anderen Schlüssen kommen konnte“, setzt Kruse hinzu. „In weiteren Schritten sollen natürlich über die Anwohner hinaus auch die weiteren Marcardsmoorer sich beteiligen können.“

Kruse ergänzt: „Es ist auch richtig und wichtig, dass die Kritiker gehört werden und man ihnen Verständnis entgegenbringt, der Kompromiss war aber trotzdem alternativlos“, und er habe aus ganz vielen Gesprächen im Ort den Eindruck, „dass sich die Mehrheit im Ort zumindest arrangieren kann mit dem Kompromiss, auch wenn man gern noch mehr erreicht und den Torfabbau komplett verhindert hätte“. Kruse betont hierbei auch noch einmal die Verdienste der früheren Ortsvorsteherin Frieda Dirks (Wiesmoorer Bündnis), „die den Kampf gegen den Torfabbau ganz lange angeführt hat und die gemeinsam mit anderen dem Kompromiss, der deutlich weniger Torfabbau für unser Dorf bedeutet, den Boden bereitet hat“. Während andere Kommunen damit gescheitert seien, habe man in Marcardsmoor diesen Kompromiss aber geschafft und dafür sehr viel Anerkennung erhalten. Dass Dirks, die selbst der Einigung zugestimmt habe, nun behaupte, ihr seien Informationen rund um den Kompromiss vorenthalten worden, sei nicht nachzuvollziehen, sagt Kruse.

„Das Beste aus dem Kompromiss machen“

Die Unterlagen für den geplanten Torfabbau liegen zurzeit öffentlich aus und sind zudem im Internet unter uvp.niedersachsen.de einsehbar, bis 6. Oktober sind Einwände von Betroffenen möglich. „Vor allem aber sollte es jetzt darum gehen, das Beste aus dem Kompromiss zu machen, das Schöne, was daraus entstehen kann, mit Leben zu füllen, und die Projekte rund um die Lernwerkstatt Moor anzuschieben“, fügt der SPD-Politiker an.

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