Gartenserie

Das Gegenteil einer Schotterwüste

Christine Schneider-Berents
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Von Christine Schneider-Berents
| 20.09.2021 19:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Umgeben von Natur, genießt es Annchen Saathoff-Uden am großen Ententeich zu sitzen. Foto: Ortgies
Umgeben von Natur, genießt es Annchen Saathoff-Uden am großen Ententeich zu sitzen. Foto: Ortgies
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Natur pur kann man im Garten von Annchen Saathoff-Uden und Herbert Uden in Westgroßefehn genießen. Dort gibt es viel zu entdecken, auch Enten und Hühner.

Westgroßefehn - Hinten links, am Ende des Grundstücks von Annchen Saathoff-Uden und Herbert Uden in Westgroßefehn ist es still. Der Lärm der Straße ist weit weg. Selbst das aufgeregte Gegacker der Hühner und das Geschnatter der Enten in den Gehegen 15 Meter entfernt kommt dort nur leise an. Einzig das Rauschen der Blätter und des Schilfes im Wind ist zu hören. „Ist das nicht herrlich? So viel Ruhe, so viel Natur um uns herum. Ich genieße das“, sagt Annchen Saathoff-Uden. Sie steht am Rand eines Teiches, der an ein Feuchtbiotop angrenzt. Von dort kann man den Blick durch die Flumm-Niederung, ein Naturschutzgebiet in der Gemeinde Großefehn, schweifen lassen. Es liegt hinter dem Garten des Ehepaares. Glauben Sie nicht, weil es so still ist, ist hier nichts los. Man muss sich nur Zeit nehmen, Geduld haben, die Ohren spitzen und hinschauen.“ Dann gebe es viel zu entdecken.

Ein Beispiel für Vergänglichkeit oder für die Kraft der Natur, die sich ihren Raum zurückerobert. Foto: Ortgies
Ein Beispiel für Vergänglichkeit oder für die Kraft der Natur, die sich ihren Raum zurückerobert. Foto: Ortgies
Laub, das von den Bäumen gefallen ist, schaukelt auf der Wasseroberfläche des Teiches. Zwischen dem Schilf schwirren Mücken in der Luft. Sonnenstrahlen dringen durch die Kronen der alten Bäume und tauchen das Gelände rings um das kleine Gewässer in ein weiches Licht. Vögel hüpfen von Ast zu Ast. „Kinder lieben diesen Ort, genau wie ich“, sagt Annchen Saathoff-Uden.

Ein natürlicher Garten

Sie und ihr Mann haben sich hinter ihrem Haus am Fehnweg in mehr als 35 Jahren ein Refugium geschaffen, in dem Pflanzen und Tiere im Rhythmus der Jahreszeiten den Ton angeben. Thedas Tuun heißt ihr Garten. Er ist benannt nach einer Figur, die Annchen Saathoff-Uden in einem Theaterstück gespielt hat.

Jetzt, wo es auf den Herbst zugeht, sind die meisten Blumen auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Grundstück verblüht. Nur die Bauernhortensien, einige Rosensorten, Fetthennen und Stauden des gelben Mädchenauges stehen noch in ihrer vollen Pracht. Das meiste Obst ist bereits von den Bäumen und Beerensträuchern gepflückt, zu Marmelade und Saft verarbeitet oder eingekocht. Geerntet werden müssen noch die Zucchini, die Rote Beete und später, nach dem ersten Frost, der Grünkohl.

Viel Platz für Tiere und Pflanzen

Sie hätten immer einen Garten haben wollen, der der Natur Raum lässt, sich zu entfalten. „Wir leben mit ihr, wir überlassen vieles dem Zufall, greifen nur selten ein“, erklärt die Rentnerin ihre Philosophie vom natürlichen Gärtnern: Sie lässt Pflanzen dort stehen, wo sie sich ausgesät haben. Bäume und Büsche, die umgefallen sind und nicht im Weg liegen, bleiben dort, wo sie zu Boden gegangen sind.

Herbert Uden züchtet unter anderem Hühner der Rasse Zwerg Orpington. Foto: Ortgies
Herbert Uden züchtet unter anderem Hühner der Rasse Zwerg Orpington. Foto: Ortgies
„Dann werden sie für Insekten zu einem neuen Lebensraum. Igel können sich darunter verstecken.“ Ist das Totholz schon besetzt, gibt es für die potenziellen Bewohner behagliche Alternativen. Dazu gehört eine in vielen Jahren aufgeschichtete Benjeshecke, die im Frühjahr und im Herbst mit Strauchgut, das auch bei Annchen Saathoff-Uden und Herbert Uden immer reichlich anfällt, neu bestückt. Außerdem gibt es im Garten einige Holzhaufen, mal ordentlich gestapelt, mal so arrangiert, als wären sie hingeworfen worden. „Unser Garten ist ein riesiges Insektenhotel. Wir brauchen uns keines im Baumarkt zu kaufen“, freut sich die Naturliebhaberin. „Und unser Garten ist ein Paradies für Vögel, für kleine Säugetiere und wegen der Teiche und des Feuchtbiotops für Amphibien.“ Man könne sich nicht vorstellen, wie viele Frösche und Kröten es bei ihnen im Frühjahr gebe.

Jede Menge Geflügel

„Als wir anfingen, unseren Garten zu planen und zu gestalten, haben wir viel Kopfschütteln gesehen“, erzählt die Ostfriesin. Man habe sie nicht verstanden. „Aber für wen soll denn ein kurz geschnittener Rasen ein guter Lebensraum sein? Und dann erst diese Schotterbeete. Die Leute, die ihr Grundstück mit Steinen zuschmeißen, tun mir leid. Die erleben nicht so viel Natur in unmittelbarer Nähe zu ihrem Zuhause wie wir, zu denen kommen keine Bienen, keine Vögel und keine Eichhörnchen“, ist die 65-Jährige überzeugt.

Keramik schmückt den Garten. Sie entsteht in der eigenen Töpferei, in der sich auch Menschen mit Handicap treffen. Foto: Ortgies
Keramik schmückt den Garten. Sie entsteht in der eigenen Töpferei, in der sich auch Menschen mit Handicap treffen. Foto: Ortgies
Dabei sollte es für alle Menschen wichtig sein, im Einklang mit der Natur zu leben. Sie sei unser aller Lebensraum. „Man muss sich einfach vergegenwärtigen, dass die Erde uns nicht braucht. Die kommt gut ohne uns Menschen zurecht, wir aber nicht ohne sie“, mahnt Annchen Saathoff-Uden.

Beim Rundgang durch ihre private Idylle kommt man immer wieder an großen und kleinen Gehegen vorbei. Darin hält ihr Mann Enten und Hühner. „Die sind meine Passion“, sagt der 70-Jährige. Er züchtet unter anderem Mandarin-, Braut- und Spießrutenenten sowie Hühner der Rasse Zwerg Orpington in allen Farbschlägen. Vor der Corona-Pandemie hatten Herbert Uden und seine Frau einmal im Jahr zu einem Kükentag eingeladen. „Dann liefen durchschnittlich immer bis zu 1500 Besucherinnen und Besucher durch unseren Garten“, erzählt der Geflügelhalter stolz. Er freue sich schon jetzt auf den Tag, an dem das wieder möglich sein wird.

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