Frankfurt/Main
Vor dem Bundesliga-Wochenende: Kann sich Bochum die Reise nach München sparen?
Warum steht der VfL Bochum vor einer kaum lösbaren Aufgabe? Warum spielt Union Berlin gerne am Sonntag? Diese und andere Fragen werden Ihnen im Angeberwissen zum 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga beantwortet.
Hertha BSC - Spielvereinigung Greuther Fürth (Freitag, 20.30 Uhr):
Der Spieltag beginnt am Freitag mit einem Novum. Diese Paarung gab es in der Bundesliga nie, es ist die 933. seit 1963. Die Fans dürfen sich reichlich Tore erhoffen, es kommt schließlich zum Schießbudengipfel, beide haben schon elf Tore kassiert - das ist Liga-Spitze! In den vier Punktspielen in der 2. Bundesliga fielen allerdings nie mehr als zwei Tore, und Fürth hat im Olympiastadion weder gepunktet noch getroffen (2x 0:2). Die schwach gestartete Hertha muss ihre Fans versöhnen, von den letzten 45 Heimspielen gewann sie erst 13, diese Saison noch keins.
FC Augsburg - Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr):
Die zuhause noch punktlosen Augsburger empfangen die auswärts punktlosen Borussen - mindestens eine Minusserie wird also reißen. Borussia tut sich traditionell schwer in Augsburg, wo sie von zehn Gastspielen nur eins gewann. Auch hat FCA-Trainer Markus Weinzierl nie ein Heimspiel gegen sie verloren (2-3-0). Andererseits endeten seine Begegnungen mit Kollege Adi Hütter jeweils 0:3 (zweimal). In den letzten 18 Duellen fielen stets Tore, in Augsburg sowieso immer.
FC Bayern München - VfL Bochum (Samstag, 15.30 Uhr):
Nach elf Jahren sehen sich die Clubs, deren Fan-Lager seit 1973 befreundet sind, wieder. Bayern ist wenig überraschend seit zehn Liga-Spielen ungeschlagen gegen den VfL, die einzige Niederlage liegt 30 Jahre zurück (0:2). In München gewinnt auch sonst kaum einer, seit 29 Heimspielen ist der Meister ungeschlagen. Von den letzten 47 Duellen gegen Aufsteiger gewann er zudem 43. Armer VfL. Die Gäste sind auswärts noch punktlos und stehen vor einem ärgerlichen Jubiläum: dem 50. Bundesliga-Spiel in Folge ohne einen Elfmeter. Gut möglich auch, dass sie bei den nächsten Lewandowski-Rekorden Pate stehen: Er könnte im 13. Heimspiel in Folge treffen und damit die Rekorde von Gerd Müller (1969/70) und Jupp Heynckes (1972/73) brechen. Da er dann auch im 15. Bundesliga-Spiel in Folge träfe, wäre das persönlicher Rekord.
FSV Mainz 05 - SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr):
Im Duell der Überraschungsstarter - Vierter gegen Fünfter - gibt es selten halbe Sachen. Zuletzt gab es elfmal kein Unentschieden. Mainz gewann fünf der letzten sieben Duelle, zuhause lautet die Bilanz: 8-3-1. Gegen keinen Club gewannen die Mainzer öfter (14x). Sollten sie auch im dritten Heimspiel wieder kein Gegentor bekommen, wäre das eingestellter Vereinsrekord (zuvor 2018). Die Freiburger haben auch einen Vereinsrekord im Visier, die ersten fünf Spiele überstanden sie noch nie ungeschlagen.
Arminia Bielefeld - TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr):
Erst zwei gemeinsame Bundesliga-Jahre stehen in den Bilanzen, ein Arminen-Sieg ist nicht dabei (0-2-2). In Bielefeld hieß es 1:1 und 0:2. Vielleicht ändert sich das, immerhin hat auf der Alm seit fünf Begegnungen keiner mehr gewonnen - zuletzt aber waren es drei Remis. Überhaupt ist Arminia noch sieglos, länger mussten die Fans zuletzt 1996/97 warten (bis 9. Spieltag). Hoffenheim hängt etwas durch, verlor zweimal und nähert sich dem Minusrekord unter Trainer Sebastian Hoeneß (drei Niederlagen im April). Kurios: die TSG hat seit dem Aufstieg 2008 genauso viele Siege wie Niederlagen (158:158) und steht tabellarisch am Scheideweg.
1. FC Köln - RB Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr):
Der Reiz des Topspiels am Samstag liegt auch darin, dass beide nicht wie erwartet starteten. Champions League-Teilnehmer RB ist zwar Favorit, liegt aber fünf Plätze hinter den überraschend starken Kölnern. Gegen die Geißböcke konnten die roten Bullen vergangene Saison schon nicht gewinnen, nach dem Fehlstart (Platz zwölf) müssen sie es fast schon. Auch um die Minusrekordserie von mittlerweile fünf Auswärtsniederlagen, die im April begann, zu beenden. Köln dagegen gewann seine letzten drei Heimspiele, das gab es zuletzt im Winter 2019/20. Bei den bisherigen vier Duellen in Köln trafen übrigens stets beide Teams, was ein Frust-Jubiläum wahrscheinlich macht: Dem 1. FC droht das 2500. Gegentor der Bundesligageschichte - schon mit dem ersten RB-Treffer.
VfB Stuttgart - Bayer Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr):
Zu wünschen wäre es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass am Sonntag einer Rot sieht, ist nirgends höher als in diesem Duell. Das Duo führt die Platzverweiswertung der Ligahistorie an, der VfB ist knapp vorne (141:136), was kein Wunder ist, hat er doch zwölf Spieljahre mehr aufzuweisen. Knallen dürfte es auch im Netz, seit 41 Duellen (8. November 1998) gab es kein 0:0. Die VfB-Fans warten aber seit neun Heimspielen auf einen Sieg gegen Bayer, das in Stuttgart eine positive Bilanz (17-7-16) hat. Für einen VfB-Sieg spricht nur der Sonntagskomplex der Werkself, zuletzt verloren sie dreimal am Tag des Herrn. Beenden sie ihre Serie, fahren sie ihren 900. Auswärtspunkt in der Bundesliga ein.
Borussia Dortmund - Union Berlin (Sonntag, 17.30 Uhr):
In den beiden Spielzeiten, die sie gemeinsam verbrachten, hatten Gäste nichts zu lachen. In der Bilanz stehen nur Heimsiege, die der Dortmunder waren etwas höher. Das 5:0 aus dem Vorjahr ist immer noch Unions höchste Bundesligapleite. Dass der Trend zum Heimsieg anhält, wird durch diese Fakten unterfüttert: Borussia gewann ihre letzten sechs Heimspiele und verlor nur eins der letzten 27 Sonntagspiele. Union wiederum ist auswärts sieben Mal sieglos, das ist Vereinsrekord im Oberhaus. Alles klar? Nicht so ganz, denn auch das stimmt: Union mag den Sonntag auch, ist da seit acht Spielen ungeschlagen.
VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt (Sonntag, 19.30 Uhr):
Nie startete der VfL mit vier Siegen in eine Saison, der Lohn ist die Tabellenführung. Eine längere Serie gab es zuletzt im Herbst 2014 (6x). Die Eintracht ist auch nach vier Spielen noch sieglos, das ist die längste Serie seit der turbulenten Saison 1998/99, als sie erst in letzter Sekunde dem Abstieg entging. 2001 erwischte es sie dann doch - nach einem 0:3 in Wolfsburg. Dort fielen in dieser Paarung bei 19 Aufführungen (10-6-3) stets Tore. Eintracht-Trainer Oliver Glasner ist seit sechs Bundesliga-Spielen sieglos, das ist die längste Minusserie seiner Karriere. Vielleicht kann er sie dort beenden, wo sie im Mai begann? Da war er noch VfL-Trainer.