Münster

So wurde 2G-Party in Münster zum Superspreader-Event

Maximilian Matthies
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Von Maximilian Matthies
| 17.09.2021 17:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Münster: Wie konnte es zu den zahlreichen Corona-Infektionen unter Geimpften bei einer 2G-Party kommen? Foto: imago images/Panthermedia
Münster: Wie konnte es zu den zahlreichen Corona-Infektionen unter Geimpften bei einer 2G-Party kommen? Foto: imago images/Panthermedia
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Bei einer 2G-Party in Münster infizieren sich zahlreiche Gäste mit dem Coronavirus – angeblich waren alle geimpft. Wie es trotzdem zum Superspreader-Event kommen konnte.

Gegen Covid-19 geimpft oder von der Krankheit genesen mussten die Gäste sein - doch trotz der 2G-Regel wurde eine Party in einem Club in Münster zum Superspreader-Event. Wie konnte das passieren?

Die verheerende Bilanz der Partynacht unter 2G-Bestimmungen: 83 Corona-Infektionen! Damit hat sich rund ein Viertel der 380 Feiernden vom 3. September mit dem Virus infiziert. Die meisten der Betroffenen kamen aus Münster, einige aus der Region. Auch ein Mitarbeiter des Clubs steckte sich an. Angeblich waren alle Infizierten doppelt geimpft.

Lob für Veranstalter trotz Corona-Infektionen

Im Nachgang forderte die Stadt Impfnachweise an und überprüfte diese - Unregelmäßigkeiten wurden nicht festgestellt. Allen Gästen der Party wurde zusätzlich empfohlen, sich testen zu lassen. 

Für den Veranstalter gab es sogar noch Lob: Der Clubbetreiber habe die 3G-Zugangsvoraussetzung selbstständig auf 2G verschärft, hieß es. Das Hygienekonzept bewertete die Stadt als vorbildlich. Die Lüftungsanlagen übertrafen laut Wartungsfirma die Anforderungen. Wie konnte es trotzdem so viele Ansteckungen geben?

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Unterschiede zwischen 2G und 3G

Unter 2G gilt: Zugang zu Innenräumen haben nur Geimpfte und Genesene. Dafür fallen Corona-Einschränkungen wie Abstand halten oder Maske tragen weg. Anders als andere Bundesländer setzt Nordrhein-Westfalen in seiner Corona-Verordnung allerdings weiter auf die 3G-Regel. Das bedeutet: Liegt die Inzidenz über 35, muss nachgewiesen werden, dass man geimpft, genesen oder getestet ist. Dies gilt zum Teil auch bei geringerer Inzidenz. 

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In bestimmten Bereichen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen ist immer ein Nachweis über Impfung, Genesung oder Test erforderlich - auch bei einer Inzidenz unter 35. Es reicht ein negativer Schnelltest. Anders sieht es in Clubs, Diskotheken oder bei Tanzveranstaltungen wie privaten Feiern mit Tanz aus: hier besteht eine PCR-Testpflicht. 

Ansteckungen nicht ausgeschlossen

In dem Münsteraner Club galt auf eigene Veranlassung allerdings 2G. Der Betreiber wandte dafür das Hausrecht an, teilte die Stadt Münster auf Nachfrage unser Redaktion mit. Doch trotz des vermeintlich sicheren Konzepts entwickelte sich die Party zu einem Superspreader-Event. 

Klar ist: Ansteckungen bei 2G-Veranstaltungen können nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Auch Geimpfte können sich infizieren und das Virus weitergeben. Impfdurchbrüche sind dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge durchaus möglich. Auch der Fall aus Münster scheint zu zeigen: Geimpfte können infektiös sein.

Sehen Sie im Video: Wo die 2G-Regel in Norddeutschland gilt

Impfdurchbrüche in Deutschland

Nach Angaben der Stadt Münster war mehr als die Hälfte der Infizierten mit Biontech geimpft, ein Zehntel der betroffenen Party-Teilnehmer sei mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft worden, berichteten örtliche Medien. Demnach sei in etwa der gleiche Anteil mit Moderna und Astrazeneca/Biontech geimpft gewesen. Laut RKI treten Impfdurchbrüche beim Impfstoff von Johnson & Johnson relativ häufiger auf als bei Biontech-Geimpften.

Impfeffektivität bei 18- bis 59-Jährigen gesunken

Für die Infektionen unter den Geimpften bei der 2G-Party in Münster kann es mehrere Gründe geben. Auch wenn noch nicht geklärt ist, wie viel Prozent der Geimpften das Virus weiterverbreiten, deuten erste Studien daraufhin, dass sich das Risiko erhöht, je länger die zweite Impfung zurückliegt, berichtet die „Welt“. 

Die Häufigkeitsrate von Impfdurchbrüchen steige zudem laut RKI in Deutschland an. In der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen, die sich mutmaßlich auch in dem Club aufhielt, sei die Impfeffektivität in den vergangenen vier Wochen auf 85 Prozent gesunken. Ursächlich dafür könnte ein etwas schwächerer Schutz der Impfstoffe gegen die Delta-Variante sein. Auch erhöhe sich bei steigender Virusverbreitung die Wahrscheinlichkeit für Geimpfte, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. 

Einen positiven Erkenntnisgewinn hat die 2G-Party mit den zahlreichen Corona-Infektionen aber dennoch: die Betroffenen zeigten entweder nur leichte oder gar keine Symptome. Ein Indiz dafür, dass auch ein Absinken der Antikörperkonzentration im Blut kaum Einfluss auf den Schutz einer Corona-Impfung vor einem schweren Verlauf hat.

Mit Material von dpa

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