Wohnen

Erster Mietspiegel liegt vor: So sind die Preise in Emden

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 16.09.2021 14:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein Blick auf die Emder Innenstadt und den Delft: In Zentrumsnähe befinden sich die meisten Mietswohnungen. Fotos: Tobias Bruns/Archiv
Ein Blick auf die Emder Innenstadt und den Delft: In Zentrumsnähe befinden sich die meisten Mietswohnungen. Fotos: Tobias Bruns/Archiv
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Die Mietpreise steigen stetig. Um festzustellen, was Wucher ist, hilft ein Mietspiegel. In Emden hat es das in dieser Art noch nicht gegeben – bislang. Das sind die aktuellen Ergebnisse.

Emden - Die Mieten steigen stetig. In Ostfriesland verteuern sie sich – wie auch bundesweit –um rund vier Prozent pro Jahr, erklärte Martin Homes. Er stellte am Mittwoch im Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Integration des Emder Rates einen Mietspiegel für die Stadt vor. Eine solche Übersicht über Mietobjekte, ihre Beschaffenheit und Preise hatte es für Emden bislang nicht gegeben. In Ostfriesland haben nur die Städte Aurich und Norden bereits derartige Mietspiegel erstellen lassen.

Was und warum

Darum geht es: Obwohl es in Emden relativ viele Hausbesitzer gibt, sind die Mietpreise für viele von großem Interesse. Bald ist es sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass Städte einen Mietspiegel erstellen lassen. Emden hat vorgegriffen.

Vor allem interessant für: Menschen, die mieten und vermieten oder sich für den Wohnungsmarkt interessieren

Deshalb berichten wir: Im Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Integration wurde der Mietspiegel für Emden vorgestellt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Homes und sein Team von den Gutachterausschüssen für Grundstückswerte (GAG) in Niedersachsen haben für die Auswertung Wohnungsbaugenossenschaften und -vereine sowie größere, private Verwalter angesprochen und insgesamt 3261 Datensätze zusammengetragen. Damit seien 25 Prozent der Mietobjekte in Emden abgebildet, so Stadtrat Volker Grendel. Das sei eine gute Basis, betonte Homes, mit deutlich mehr Datensätzen als bei anderen Städten.

Mehr als die Hälfte der Emder mietet nicht

Anders als in Großstädten wie Berlin, wo laut Grendel mehr als 90 Prozent der Menschen zur Miete wohnen, machen in Emden Hausbesitzer rund 55 Prozent aus. Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften gebe es nur vereinzelt zur Miete, nur knapp zwei Prozent der betrachteten Daten stammen aus diesem Feld, so Homes. Knapp 98 Prozent seien also Mietwohnungen, und diese befinden sich hauptsächlich im Innenstadtbereich. Weil zwischen den Mietobjekten der Wohnungsbaugenossenschaften und -vereine ein so großer Preisunterschied zu den privaten Vermietungen bestehe, habe man das einzeln betrachtet. Und: Die Block-Wohnungen etwa in der Wilhelm-Leuschner-Straße in Borssum seien nicht mit im Spiegel berücksichtigt worden, weil dort die Mieten sehr niedrig seien, so Grendel. Auch mietgebundene, Studentenwohnungen oder möblierte Wohnungen seien ausgeschlossen worden.

Im Emder Stadtteil Barenburg gibt es sehr viele Mietwohnungen, die zum Teil auch vergleichsweise günstig sind.
Im Emder Stadtteil Barenburg gibt es sehr viele Mietwohnungen, die zum Teil auch vergleichsweise günstig sind.
Bei der Betrachtung der Datensätze wurde auch geschaut: Wo befindet sich die Wohnung? Im Stadtteil Barenburg etwa sei die Miete deutlich niedriger als am Neuen Delft. Wie ist die Ausstattung? Wie groß ist sie? Denn: Je kleiner die Wohnung ist, desto höher sei meist der Quadratmeterpreis. In Emden sind die meisten der betrachteten Wohnungen etwa 55 Quadratmeter groß. Es liegen aber auch Angaben über Wohnungen mit Wohnflächen von 25 Quadratmetern und von 175 Quadratmetern vor. Wie alt ist sie? Die meisten der betrachteten Mehrfamilienhäuser stammen aus den 1950-er Jahren. Für diese scheint die Miete am niedrigsten . Interessanterweise kann für noch ältere Wohnungen – es liegen sogar Informationen für zwei Wohnungen aus den 1710er Jahren vor – aber wieder mehr Miete genommen werden. Ebenso zeigt es sich, dass Wohnungen deutlich teurer werden, je neuer sie sind.

So hoch sind die Mieten

Betrachtet man zunächst die Mieten bei Objekten der Genossenschaften und Vereine, zu denen etwa die Gewoba, der Beamten-, Bau- und Wohnungsverein und die Emder Bau und Boden GmbH zählen, sind die Quadratmeterpreise bei einer 120 Quadratmeter großen Wohnung aus dem Jahr 1955 im Schnitt am günstigsten. Der Preis liegt bei 4,45 Euro, die Miete demnach bei 534 Euro. Zum Vergleich innerhalb Emdens: Bei privaten Vermietern beträgt der durchschnittlich günstigste Quadratmeterpreis 5,15 Euro ebenfalls bei einer 120 Quadratmeter großen Wohnung, die entsprechend 618 Euro kostet. Die Lage der Wohnung ist dabei erst einmal ausgenommen; es wurde ein mittlerer Wert ermittelt. Für eine Wohnung in guter Lage gibt es entsprechend einen Aufschlag, in schlechter Lage eine Minderung der Miete.

Am teuersten ist laut der Tabelle, die im Ausschuss vorgestellt wurde, bei den nicht-privaten Vermietern eine etwa 40 Quadratmeter große Wohnung. Der Quadratmeter kostet im Schnitt 6,60 Euro, die Miete liegt damit bei nur einem Drittel der Fläche der großen Wohnung bei 264 Euro. Von privat kostet eine Wohnung in so einer Größe 9,30 Euro pro Quadratmeter, also insgesamt 372 Euro. Im Vergleich zur Stadt Aurich ist es in Emden bei den Privatwohnungen um 14 Prozent teurer, die Erstellung des Auricher Mietspiegels liegt aber auch schon rund drei Jahre zurück. Emden ist um vier Prozent teurer als die Stadt Norden, deren Mietspiegel aus dem vergangenen Jahr stammt. Rechnet man also die jährliche Verteuerung dazu, liegen die Städte ungefähr gleich. Laut dem Handelsblatt liegt in München bei Mieten der durchschnittliche Quadratmeterpreis aktuell bei 18,48 Euro, in Berlin bei 13,68 Euro und in Hamburg bei 13,50 Euro.

Lässt der Mietspiegel Mieten steigen?

Einige Vermieter könnten versuchen, die Miete anhand des Mietspiegels zu erhöhen, so Grendel. Etwa wenn ein Vermieter mit Blick auf die Konkurrenz merkt, dass seine Preise sehr niedrig sind. Aber: „Man kann die Mieten nicht einfach so auf Mietspiegel-Niveau anheben“, erklärt der Stadtrat. Das gehe nur schrittweise. Und: Wenn die Lage und Qualität einer Wohnung nicht gut sei, würden sich bei höheren Preisen keine Mieter finden lassen. Das könnte ein Anreiz für den Vermieter sein, die Wohnung zu sanieren und dann die Miete anzuheben.

Insgesamt diene der Mietspiegel dazu, den Wohnungsmarkt transparent darzustellen. Es soll beim Austausch zwischen Mieter und Vermieter helfen, die sich bei der Höhe der jeweiligen Miete auf den Spiegel berufen könnten, so Homes. Mietwucher soll erkannt und Mieter aufgeklärt werden. Und: Ab 2023 sei es verpflichtend für Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern, einen Mietspiegel erstellen zu lassen und das alle vier Jahre zu wiederholen. Emden habe den Schritt vorgezogen.

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