Osnabrück

Die Gründe, warum man nicht auf Pendler schimpfen sollte

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 15.09.2021 13:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bei Pendlern ist das Auto das beliebteste Verkehrsmittel Foto: Matthias Balk/dpa
Bei Pendlern ist das Auto das beliebteste Verkehrsmittel Foto: Matthias Balk/dpa
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Wer auf dem Weg in die Firma weite Wege mit dem Auto zurücklegt, wird leicht zum Angriffsziel von Klimaschützern. Doch Pendler pendeln nicht einfach aus Bequemlichkeit - oft sind es gewichtige Gründe. Ein Plädoyer

Die Debatte um ein autofreies Leben gibt es schon seit Jahrzehnten, man denke nur an die Ölkrise der 70er Jahre und die damals verordneten autofreien Sonntage. Das Auto verzichtbar zu machen, ist seitdem nicht gelungen - auch nicht für den Weg zur Arbeit. Dass der Wagen für zwei Drittel aller Pendler auch heute noch das wichtigste Verkehrsmittel auf dem Weg ins Büro oder die Firma ist, macht Pendler für Klimaschützer zur idealen Angriffsfläche. Und dann bekommen Pendler auch noch einen Steuerbonus in Form der Pendlerpauschale?

Auto-Pendler sind nicht zu beneiden

Nun, wer es ernst meint mit dem Versprechen, dass der ländliche Raum nicht abgehängt werden darf, kann nicht auf Pendler schimpfen. Dörfer und ländliche Gemeinden brauchen junge erwerbstätige Leute, die einen langen Arbeitsweg auf sich nehmen. Außerdem gibt es viel komplexere Gründe für das Wohnen auf dem Land als lediglich Natur und günstiges Wohnen. Arbeitnehmer wechseln öfter den Arbeitsplatz, Firmen verlangen örtliche Flexibilität, die beiden Verdiener arbeiten in verschiedenen Orten. Auto-Pendler sind nicht zu beneiden, wie jeder weiß, der im Berufsverkehr schon im Stau gestanden hat. Eine Pendelzeit von mehr als 40 Minuten pro Strecke macht unzufrieden, wie im Glücksatlas nachzulesen ist.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Stadt und Land

Und da ist noch etwas: Die meisten Konzepte für autofreie Räume werden von Planern aus Großstädten erdacht. Klar, wenn alle fünf Minuten eine U-Bahn fährt, braucht niemand das Auto für die Fahrt ins Büro. Aber in vielen ländlichen Regionen sieht die Welt anders aus, da fährt der Bus alle zwei Stunden. Mit dem Auto zu pendeln, ist oft keine Bequemlichkeit, sondern die einzige Möglichkeit. Der Trend zum Home-Office wegen der Corona-Pandemie ist da ein Lichtblick - und trägt übrigens auch zum Glücksgefühl bei.

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