Stadtratswahl

Freie Wählergemeinschaften kosten die Großen Stimmen

Nicole Böning
|
Von Nicole Böning
| 14.09.2021 07:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Benjamin Feiler (von links), Ortsvereinsvorsitzende Marika Timker und Jens Peter Grohn haben sich bei der SPD-Wahlparty in der Gaststätte Fiedler die Laune trotz der verlorenen absoluten Mehrheit nicht verderben lassen. Foto: Böning
Benjamin Feiler (von links), Ortsvereinsvorsitzende Marika Timker und Jens Peter Grohn haben sich bei der SPD-Wahlparty in der Gaststätte Fiedler die Laune trotz der verlorenen absoluten Mehrheit nicht verderben lassen. Foto: Böning
Artikel teilen:

Zwei neue Gruppierungen, eine neue Partei und insgesamt 77 Bewerber um einen Posten im Stadtrat: In Wiesmoor wurden am Sonntag die Karten neu gemischt. Die großen Volksparteien verzeichnen Verluste.

Wiesmoor - Der Ausgang der Stadtratswahl in Wiesmoor am Sonntag war für die Kandidaten kaum vorhersehbar. Zwei neue Gruppierungen – Freie Wähler Wiesmoor (FWW) und die Freie Bürgerliste Wiesmoor (FBW) – machten Prognosen schwierig. Mit der Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei) brachte sich zusätzlich eine neue Partei ins Spiel. Insgesamt 77 Kandidaten buhlten um die Gunst der Wähler. Logisch also, dass die etablierten Kräfte um Prozente bangen mussten. Und das zurecht. Auch wenn manche Gesichter der neuen Formationen bekannt und vorher bereits im Rat vertreten waren – die Mehrheitsverhältnisse haben sich in Wiesmoor verschoben.

Auch wenn die CDU im neuen Rat mit sechs Sitzen einen Sitz mehr hat, als noch im Moment, gehört die Partei mit 18,18 Prozent der Wählerstimmen zu den großen Verlierern in Wiesmoor. Bei der Gemeinderatswahl im Jahr 2016 hatte die Partei noch 26,9 Prozent der Stimmen bekommen. Nach der Abspaltung zweier Mitglieder in die Gruppierung FWW hat sie Stimmen eingebüßt – und auch nicht wieder zurückgewinnen können. „Klar hätten wir lieber wie beim letzten Mal acht Sitze erreicht“, gibt der Fraktionsvorsitzende Friedhelm Jelken zu. Er ist sich trotzdem sicher, dass die Partei in Zukunft Wiesmoor mitgestalten kann: „Wir müssen unsere Themen sorgfältig vorbereiten und die anderen Ratsmitglieder durch Argumente überzeugen und mitnehmen“, so Jelken.

Unterschiedliche Meinungen sind wichtig

Sorgen in Hinblick auf den relativ großen Anteil neuer Mitglieder im Rat hat er nicht: „Letztendlich haben wir alle gemeinsam das Ziel, Wiesmoor voranzubringen, egal welcher Partei wir angehören“, ist er zuversichtlich: „Und wenn wir unterschiedliche Meinungen haben, ist das gut – alles andere wäre ja komisch.“ Die CDU befindet sich wie auch die SPD aktuell auf einem Verjüngungskurs – der fortgeführt werden soll.

Für die FWW hat sich die Abspaltung ausgezahlt. Sie ist mit 13,22 Prozent der Stimmen und vier Sitzen im Stadtrat vertreten und hat damit nicht nur der CDU Stimmen geklaut, sondern auch der SPD welche gekostet. Die konnte an die absolute Mehrheit von 2016 nicht anknüpfen und kam am Sonntag mit 4,57 Prozentpunkten Verlust der Stimmen auf 47,83 Prozent. Damit stellt sie zwei Ratsmitglieder weniger als nach der letzten Wahl – und kommt, da sie den Bürgermeister nicht mehr stellt, nur noch auf 14 statt 17 Sitze. Die absolute Mehrheit wie in der Vergangenheit ist damit verloren.

Mehr Auswahl auf dem Wahlzettel

Trotzdem ist Ortsvereinsvorsitzende Marika Timker erleichtert. „Natürlich mussten wir Einbußen hinnehmen, aber mit den beiden neuen Gruppierungen hatten die Wähler dieses Mal viel mehr Auswahl“, sagt sie am Telefon. Der Trend gehe momentan überall in Richtung der freien Wählergemeinschaften: „Vor dem Hintergrund ist unser Ergebnis ein gutes“, sagt sie. Timker gehört zum Nachwuchs der Partei und ist mit ihren 29 Jahren das erste Mal aktiv im Wiesmoorer Stadtrat vertreten. Letztendlich war für Timker die Wahl trotz der verlorenen Stimmen ein schönes Erlebnis. Der Grund: Die SPD hatte sich unter Einhaltung der 3G-Regeln zu einer Wahlveranstaltung in der Gaststätte Fiedler getroffen. „Es war einfach einmal wieder schön, ins Gespräch zu kommen, das hat in der Parteiarbeit in der Corona-Zeit gefehlt“, sagt sie hörbar erleichtert.

Die FDP hat in Wiesmoor ebenfalls verloren – sie büßt 1,34 Prozentpunkte ihrer Stimmen im Vergleich zur vorangegangenen Wahl ein und kommt auf einen Sitz im Stadtrat. Gewinner der Wahl waren neben der FWW die Grünen, die im neuen Rat wieder mit zwei Sitzen vertreten sein werden und ein Plus von 2,41 Prozent verzeichnen. Sie erreichten 6,07 Prozent und damit 1238 Wählerstimmen. Als Neuling kann der Wiesmoorer Stadtrat die Tierschutzpartei begrüßen. Sie kam auf 3,75 Prozent der Stimmen – mehr als die FDP und Die Linke und damit ein gutes Ergebnis für einen Neustart. Ihr einziger Kandidat Diedrich Kleen sicherte sich mit 428 Stimmen per Direktmandat seinen Sitz im Stadtrat. Die Linken haben es dieses Mal nicht geschafft. Sie kamen nur auf 1,41 Prozent der Stimmen – ihr Kandidat Frank Steenblock erreichte 134 Direktstimmen. Das reichte nicht aus.

Ähnliche Artikel