Bundestagswahlkampf
TV-Trielle werden überschätzt
Können die Trielle mit den Kanzlerkandidaten von CDU, SPD und Grünen den Wahlkampf drehen? Unser Kommentator glaubt das nicht und hält einen anderen Faktor für entscheidend.
Über die TV-Trielle der Kanzlerkandidaten wird breit berichtet. Dass sie für die Wahlentscheidung eine große Rolle spielen, mag man hingegen kaum glauben. Die Blitzumfragen gaben jetzt das zweite Mal im Anschluss annähernd identisch den vorherigen Zuspruch wieder. Als ließe sich ein Zuschauer, der etwa die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock noch nie mochte, in 90 Minuten bekehren.
Zu gewinnen ist für die Teilnehmer also wenig. Etwas verlieren hingegen können sie sehr wohl. Das ist nicht passiert. Alle drei haben sich achtbar geschlagen. Es gab sogar Akzente, maßgeblich durch Armin Laschet. Im Triell zeigte sein Schlussplädoyer erneut, wie sein Menschen- und Politikbild lautet: „Ich will keinen gängeln, ich vertraue den Menschen.“
Genau dies aber genügt einem großen Teil dieser Menschen augenscheinlich nicht. Sie wollen Tatkraft und Tempo sehen, auch Druck und Bevormundung. Laschet kommt ihnen zu liberal daher. Seine Stärke, die Moderation, ist zur Schwäche geworden, legen zumindest die Umfragen nahe. Und weil Baerbock gewogen und für zu leicht befunden wurde, versammelt sich eine momentane Mehrheit hinter Olaf Scholz und der SPD. Die brilliert daher kaum aus eigener Kraft. Scholz ist der Krisengewinner von Schwarz und Grün. Eine mitreißende Kandidatur sieht anders aus.