Osnabrück

Unterhaltung ja, Entscheidung nein: Das Triell wird überschätzt

Burkhard Ewert
|
Von Burkhard Ewert
| 13.09.2021 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das würde Gerhard Schröder gefallen: Olaf Scholz mit Currywurst am Rande der Fernsehdiskussion. Foto: Robert Schmiegelt via www.imago-images.de
Das würde Gerhard Schröder gefallen: Olaf Scholz mit Currywurst am Rande der Fernsehdiskussion. Foto: Robert Schmiegelt via www.imago-images.de
Artikel teilen:

Können die Trielle mit den Kanzlerkandidaten von CDU, SPD und Grünen den Wahlkampf drehen? Unser Kommentator glaubt das nicht und hält einen anderen Faktor für entscheidend.

Über die Fernseh-Trielle der Kanzlerkandidaten wird breit berichtet. Dass sie für die Wahlentscheidung eine große Rolle spielen, mag man hingegen kaum glauben. Die Blitzumfragen nach dem vorgeblichen „Sieger“ gaben jetzt das zweite Mal im Anschluss annähernd identisch den vorherigen Zuspruch wieder. Als ließe sich ein Zuschauer, der etwa die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock noch nie mochte, in 90 Minuten bekehren.

Zu gewinnen ist für die Teilnehmer also wenig. Etwas verlieren hingegen können sie sehr wohl. Das ist nicht passiert. Alle drei haben sich achtbar geschlagen. Es gab sogar Akzente, maßgeblich durch Armin Laschet. Er kämpft, so viel wurde deutlich. Neutral betrachtet muss man auch über diesen Umstand hinaus sagen, dass der Kanzlerkandidat der Union derzeit vieles richtig macht. Nahezu täglich präsentieren er und sein Team konkrete inhaltliche Vorhaben, am Tag nach dem Triell sechs Punkte von Klima-Allianz bis Steuerentlastung, die sofort umgesetzt werden sollen. Die bayrische Schwesterpartei CSU stellte sich vehement hinter hin. Mit dem Gezöffel zwischen den Rechts- und Linksaußen Hans-Georg Maaßen und Karin Prien konnte Laschet noch einmal deutlich machen, über welche Breite an Personen und Positionen seine Partei verfügt. Im Triell zeigte sein Schlussplädoyer erneut, wie sein Menschen- und Politikbild lautet: „Ich will keinen gängeln, ich vertraue den Menschen.“

Genau dies aber genügt einem großen Teil dieser Menschen augenscheinlich nicht. Sie wollen Tatkraft und Tempo sehen, auch Druck und Bevormundung. Laschet kommt ihnen zu liberal daher. Seine Stärke, die Moderation, ist zur Schwäche geworden, legen zumindest die Umfragen nahe. Und weil Baerbock gewogen und für zu leicht befunden wurde, versammelt sich eine momentane Mehrheit hinter Olaf Scholz und der SPD. Die brilliert daher kaum aus eigener Kraft. Scholz ist der Krisengewinnler von Schwarz und Grün. Eine mitreißende Kandidatur sieht anders aus.

Ähnliche Artikel