Kommunalwahl

SPD erholt sich in ihrer alten Hochburg Emden

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 13.09.2021 00:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Da brandet Jubel auf: Auf der Wahlparty der Emder SPD sorgen die ersten Ergebnisse für ausgelassene Freude. Der Trend der ersten Auszählung setzte sich bis zum Ende fort. Foto: J. Doden
Da brandet Jubel auf: Auf der Wahlparty der Emder SPD sorgen die ersten Ergebnisse für ausgelassene Freude. Der Trend der ersten Auszählung setzte sich bis zum Ende fort. Foto: J. Doden
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Fünf Jahre nach ihrem Desaster bei der Kommunalwahl holt die SPD in Emden einen Überraschungssieg. GfE und CDU büßen Stimmen ein. Ein Einzelbewerber darf jubeln.

Emden - Überraschung in Emden: Großer Gewinner bei der Wahl des Stadtrates ist die SPD. Sie verbesserte ihr Ergebnis von 2016 um fast fünf Prozentpunkte und kam auf 35,64 Prozent der Stimmen. Zweitstärkste Kraft wird die CDU (17,99 Prozent), gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen (14,21 Prozent) und der FDP (12,70 Prozent). Die GfE, die vor fünf Jahren aus dem Stand 20,2 Prozent der Stimmen geholt hatte, landete diesmal bei 9,87 Prozent. Die Linke konnte ihr Ergebnis der vorangegangenen Wahl in etwa halten. Sie kam auf 5,15 Prozent.

Die Wählergemeinschaft GfE hatte am Wahlabend eine Cocktail-Bar vor ihrer Geschäftsstelle in der Emder Innenstadt aufgebaut. Als Barkeeper betätigte sich Fraktionschef Jochen Eichhorn. Foto: H. Müller
Die Wählergemeinschaft GfE hatte am Wahlabend eine Cocktail-Bar vor ihrer Geschäftsstelle in der Emder Innenstadt aufgebaut. Als Barkeeper betätigte sich Fraktionschef Jochen Eichhorn. Foto: H. Müller
Mit dem klaren Sieg der SPD hatten im Vorfeld nur die wenigsten gerechnet, zumal die Sozialdemokraten bei den vorausgegangenen Wahlen mehrere Debakel hintereinander erlebt hatten. Bei der politischen Konkurrenz führen sie den Erfolg unter anderem auf den gegenwärtigen Trend im Bund zurück. „Die Emder scholzen jetzt“, meinte der Emder CDU-Politiker Herbert Buisker in Anlehnung eines Zitates aus einer TV-Satireshow.

Jubel im „Kater“

Matthias Arends ließ sich seine gute Laune von solchen Sticheleien nicht verderben. Der Vorsitzende des Emder SPD-Unterbezirks verfolgte die Entwicklung des Abends im Lokal „Kater“, wo sich rund 40 Parteianhänger versammelt hatten. Als gegen 19.45 Uhr das Ergebnis des ersten Wahllokals vorlag, brandete Applaus auf: Wolthusen meldete 34,37 Prozent. Die Genossen jubelten. Aus der Tendenz wurde eine hoffnungsvolle Vorahnung und aus ihr schließlich Gewissheit. „Das ist das Ergebnis eines anständigen und ehrlichen Wahlkampfes“, bilanzierte Arends erleichtert.

Autsch! CDU-Kandidatin Luise Fauerbach-Geiken musste die Stimmenverluste für ihre Partei erst einmal verdauen. Foto: J. Doden
Autsch! CDU-Kandidatin Luise Fauerbach-Geiken musste die Stimmenverluste für ihre Partei erst einmal verdauen. Foto: J. Doden
Zum Lachen war Buisker und seinen Parteifreunden am späten Sonntagabend nicht mehr zumute. Denn seine Partei gehört zu den Verlierern dieser Wahl. Mit jedem weiteren Zwischenergebnis sank das Stimmungsbarometer bei der Wahlparty der CDU im Bootshaus des Emder Segelvereins. „Wir hatten uns schon deutlich mehr erhofft“, stellte CDU-Kreisvorsitzende Andrea Risius fest. Immerhin stelle ihre Partei im neuen Rat die zweitstärkste Fraktion. „Das ist aber nur ein schwacher Trost“, so Risius. Sie glaubt, dass der Bundestagswahlkampf „uns nicht gerade Rückenwind gegeben hat“. Ähnlich äußerte sich auch CDU-Fraktionschef Gerold Verlee. Er habe auf 25 Prozent gehofft und sei davon ausgegangen, zumindest das Ergebnis von 2016 halten zu können.

Ernüchterung bei der GfE

Die Wählergemeinschaft GfE, die vor fünf Jahren auf Anhieb als zweitstärkste Kraft in den Rat gestürmt war, erreichte diesmal nur etwa die Hälfte davon. Ihr Vorsitzender Bernd Janssen und Fraktionschef Jochen Eichhorn gaben sich dennoch kämpferisch. „Wir werden weiterhin den Finger in die Wunde legen“, kündigte Eichhorn an. Vor allem beim Thema Zentralklinikum werde die GfE die Entwicklung „stark beäugen“. Janssen sprach von „schmerzhaften Einbußen. Nach seiner Ansicht geht die GfE dennoch gefestigt mit einem Potenzial an Stammwählern hervor. „Darauf können wir aufbauen“, so der GfE-Chef. Als „gutes Zeichen“ wertete er es, dass die Fraktionen im Rat auch künftig Mehrheiten suchen müssen.

Am Tresen im Club Cheri: Bardame Tanja Meyer und Mathias Lang verpassten mit der Wählergemeinschaft U.N.S. den Einzug in den Rat. Den Wahlabend verbrachten sie mit Freunden im Lokal von Meyer. Foto: J. Doden
Am Tresen im Club Cheri: Bardame Tanja Meyer und Mathias Lang verpassten mit der Wählergemeinschaft U.N.S. den Einzug in den Rat. Den Wahlabend verbrachten sie mit Freunden im Lokal von Meyer. Foto: J. Doden
Verhaltenen Jubel und zufriedene Gesichter gab es auf den Wahlpartys von Grünen, FDP und Die Linke. Während die Liberalen und Die Linke ihre Ergebnisse von der vorangegangenen Wahl ungefähr halten konnten, gewannen die Grünen dazu. Allerdings machte Sebastian Borchers vom Kreisvorstand keinen Hehl daraus, dass er sich mehr erhofft hatte (siehe dazu auch Stimmen auf dieser Seite).

Ebenfalls in den Rat zog zum ersten Mal die Partei „Die Partei“ ein. Sie erreichte einen Sitz. Als einziger Einzelbewerber schaffte zudem Johannes „Urmel“ Meyering den Sprung in den Rat. Er erhielt 1,59 Prozent der Stimmen. Nicht geschafft hat es hingegen die zur Wahl neu gegründete Wählergemeinschaft UNS um Frank Wallasch und Tanja Meyer. „Für das erste Mal bin ich zufrieden. Wir machen weiter und werden in fünf Jahren wieder antreten“, sagte Wallasch.

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