Kommunalwahl 2021

Ostfriesland hat gewählt: Die Nacht der Überraschungen

Daniel Noglik
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Von Daniel Noglik
| 12.09.2021 23:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Claus-Peter Horst (links) hat die amtierende Leeraner Bürgermeisterin Beatrix Kuhl (rechts) am Sonntag im ersten Wahlgang geschlagen. Foto: Ortgies
Claus-Peter Horst (links) hat die amtierende Leeraner Bürgermeisterin Beatrix Kuhl (rechts) am Sonntag im ersten Wahlgang geschlagen. Foto: Ortgies
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In vielen Gemeinden und Städten wurden am Sonntag die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen gewählt. Unsere Leserschaft hatte mit vielen knappen Ergebnissen gerechnet – doch oft wurde es sehr deutlich.

Ostfriesland - Ostfriesland hat gewählt – und am Sonntag für ein paar Überraschungen gesorgt: Beatrix Kuhl etwa, noch Bürgermeisterin der Stadt Leer, musste sich schon im ersten Wahlgang dem parteilosen Stadtwerke-Chef Claus-Peter Horst geschlagen geben. In unserer Online-Wahlprognose hatten die Leserinnen und Leser die beiden in einer Stichwahl gesehen – und nicht geahnt, dass Horst schon im ersten Wahlgang mit fast 54 Prozent die absolute Mehrheit holen würde. Nach den Gründen für das Ergebnis gefragt, sagt Horst: „Die Bürger kennen mich.“ Sie vertrauten darauf, dass er sein Netzwerk für das Wohl der Stadt nutzen werde. Außerdem hätten der Ministerpräsident und Minister ihn im Wahlkampf unterstützt.

Einen großen Erfolg erzielte die parteilose Greetsielerin Hilke Looden in der Krummhörn – die mit fast 57 Prozent der Stimmen die beiden männlichen Kandidaten von SPD (rund 23 Prozent) und Freier Bürgerliste (rund 20) jeweils weit hinter sich ließ. Nach den Sozialdemokraten Johann Saathoff und Frank Baumann hat Looden die SPD jetzt im Krummhörner Rathaus abgelöst. Die Frau ohne Ratserfahrung hatten auch die Leserinnen und Leser in der Wahlprognose vorn gesehen – einen Sieg im ersten Wahlgang allerdings nicht.

Durchmarsch im Kampf der Parteilosen

In Norden war mit einem ziemlich engen Rennen zwischen Amtsinhaber Heiko Schmelzle (CDU) und Florian Eiben von der SPD gerechnet worden – doch tatsächlich kam es am Sonntag anders: Schmelzle schmierte von fast 44 Prozent, die er im ersten Wahlgang 2016 bekommen hatte, auf rund 20 Prozent ab. Gegner Eiben erreichte ungefähr 41 Prozent – statt die von der Leserschaft prognostizieren 34. Für die absolute Mehrheit reichte es demnach nicht, was bedeutet: In zwei Wochen wird sich die Norder Bevölkerung endgültig zwischen Schmelzle und Eiben entscheiden müssen.

Im Kampf der Parteilosen in Wiesmoor legte Sven Lübbers einen überraschenden Durchmarsch hin – mit rund 60 Prozent. Ordentlich abgeschlagen kam Arnold Eilers mit knapp 17 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz. Karsten Peters schaffte es gerade so über die Zehn-Prozent-Marke, die anderen drei Kandidaten lagen abgeschlagen dahinter.

In Moormerland wurde es verdammt knapp

Ein gutes Prognose-Talent bewiesen die Ostfriesen mit Blick auf die Südbrookmerlander Bürgermeisterwahl: Sie sahen Thomas Erdwiens von der Freien Wählergemeinschaft und Einzelbewerber Stefan Hiller in einer Stichwahl – und so wird es am 26. September tatsächlich kommen. Zwar lag Erdwiens mit rund 35 Prozent etwa fünf Prozentpunkte vor Hiller – doch das muss nichts bedeuten: Noch am Wahlabend kündigten einige SPD-Mitglieder an, nach der Niederlage des eigenen Kandidaten Konke Wienekamp ihre Anhänger dazu aufzurufen, im zweiten Wahlgang Hiller zu unterstützen.

Auch die Gemeinde Moormerland muss sich auf eine Stichwahl vorbereiten – nach einem hauchdünnen Wahlabend. Zwar schaffte es Hendrik Schulz (SPD) mit rund 36 Prozent klar auf den ersten Platz, doch dahinter wurde es verdammt knapp: Torsten Bruns – in der Wahlprognose bei rund 13 Prozent – schafft es auf 20,9 Prozent und lag damit nur 0,8 Prozentpunkte hinter Birgit Struckholt, die unsere Leserinnen und Leser bei rund 24 Prozent verortet hatten. Schulz sagte der Redaktion mit Blick auf die Stichwahl: „Ich werde um jede Stimme kämpfen.“

Keine Überraschung bei Landratswahlen

In der Leser-Prognose war Heiko Abbas (CDU) in Weener noch knapp an der absoluten Mehrheit vorbeigeschrammt, in der Realität schaffte er es am Sonntagabend aber auf 55 Prozent – was eine Stichwahl erübrigt. Eine „anstrengende Zeit“ sei der Wahlkampf gewesen, sagte der 37-Jährige. Noch bevor er wusste, dass er das Rennen machen würde, schob er nach: „Aber trotzdem kann ich jedem nur raten, das einmal mitzumachen.“ Einfach dankbar sei er, sagte Abbas, als alle Stimmen ausgezählt waren.

Bei den Landratswahlen gab es keine Überraschungen: Sowohl Matthias Groote in Leer als auch Holger Heymann in Wittmund (beide SPD) wurden mit jeweils mehr als 81 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Heymann hatte keinen Gegenkandidaten, gegen Groote war der FDP-Mann Jens Völker angetreten – erfolglos.

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